Der Bildstock erinnert an eine Frau, die vor über 100 Jahren immer wieder und auch im Auftrag anderer Menschen zur Gottesmutter pilgerte. Und just an dieser Stelle ereilte sie der Tod. <BR /><BR />Daraufhin errichteten fromme Menschen ein Marterl mit der Darstellung der auf dem Pilgerweg liegenden Beterin und mit Angabe des Namens. Leider verrostete die Blechtafel im Laufe von Jahrzehnten dermaßen, dass man kaum noch etwas von der Schrift lesen konnte, und auch die Darstellung war nur noch schwer zu erkennen. <h3> Künstler Ernst Müller nimmt sich des Marterls an</h3>Da hatte der Kunstmaler Ernst Müller aus Lana im Jahr 1980 Erbarmen mit dem Aussehen und schaffte eine neue Holztafel an, auf der er den letzten noch erkennbaren Text und die Konturen des Bildes neu übertrug: Den Namen Veronika, das Todesjahr, die Aufforderung für das Beten eines Vaterunsers. Daraufhin schraubte er die neue Holztafel mit Plexiglas-Schutz wieder am Bildstock fest. <BR /><BR />Durch Recherchen im digitalen Zeitungsarchiv der Teßmann-Bibliothek erfuhr ein Freund das genaue Datum und den Familiennamen der Pilgerin. In der katholischen Zeitung „Brixener Chronik“ von Mittwoch, dem 14. Oktober 1914, steht unter der Rubrik „Verstorbene“ der Satz: „Auf dem Wege von Bozen nach Maria-Weißenstein ist Fräulein Veronika Schwienbacher am 10. Oktober gestorben.“ <h3> Tafel entwendet und mit Fotokopie ersetzt</h3>Daraufhin wanderte Ernst Müller mit seiner Frau Maria sofort zum Bildstock und wollte nun die alte Tafel mitnehmen, restaurieren und aktualisieren. Aber welche Überraschung: Da hatte jemand die Tafel entwendet und dafür nur eine Fotokopie hinter das Plexiglas geschoben! <BR /><BR />Nun ging Ernst Müller erst recht an die Arbeit und gestaltete ein neues Marterl: Er führte die bekannte Darstellung der Verstorbenen auf dem Pilgerweg in Ölfarben aus und ergänzte den Text mit den neuen Daten. Zum Schutz gegen Wetterunbilden befestigte er am Marterl noch 2 kleine, kunstvoll geschwungene kupferne Dächer. Neu kam noch eine kleine Holzschachtel dazu, in der der Text aus der „Brixener Chronik“ zum Nachlesen aufbewahrt ist. <h3> Beim Vorbeigehen ein Vaterunser beten</h3>Am 3. Oktober pilgerte Ernst Müller mit 2 Freunden zum Bildstock und befestigte die neue Tafel. „Dass ein über die Landesgrenzen bekannter Maler sich dieses bescheidenen Zeugnisses des Volksglaubens angenommen hat, ist nicht selbstverständlich und auf jeden Fall erwähnens- und lobenswert. Mögen die leider etwas selten gewordenen Pilger beim Vorbeigehen, wie auf der Tafel zu lesen ist, ein Vaterunser beten und diese sicher bescheidene Frau ins Gebet miteinbeziehen. Danke Ernst Müller!“, schreibt Gamper in einem Text, den er den „Dolomiten“ zukommen ließ.