Dienstag, 31. Oktober 2017

130 Jahre Sherlock Holmes

Im Grunde verdanken wir den berühmtesten Detektiv der Weltliteratur nur dem Geldmangel des britischen Arztes Sir Arthur Conan Doyle. Er war pleite und fing an zu schreiben. Sobald er genug verdient hatte, ließ er Sherlock Holmes abstürzen.

Den berühmtesten Detektiv der Weltliteratur verdankt die Menschheit nur dem Geldmangel des britischen Arztes Sir Arthur Conan Doyle.
Den berühmtesten Detektiv der Weltliteratur verdankt die Menschheit nur dem Geldmangel des britischen Arztes Sir Arthur Conan Doyle. - Foto: © shutterstock

Der junge Arthur Conan Doyle hatte sich gerade mit seiner Hausarzt-Praxis im südenglischen Hafenstädtchen Portsmouth selbstständig gemacht. Zwar stand er in seiner Freizeit für den lokalen Fußballverein im Tor, aber trotzdem kamen nicht genügend Patienten. Er war pleite – und fing an zu schreiben.

Damit hatte er sich bereits während des Medizinstudiums in Edinburgh etwas dazuverdient. Am meisten beeindruckte ihn dort sein Lehrer Dr. Joseph Bell, der seine Patienten mit einem Blick diagnostizierte und der Polizei mit seinem forensischen Wissen half. „Es ist ganz sicher, dass ich Ihnen Sherlock Holmes verdanke“, schrieb Doyle 1892 an Bell und widmete ihm seine erste Kurzgeschichtensammlung „Die Abenteuer des Sherlock Holmes“.

Arthur Conan Doyle. - Foto: Twitter

Perfektes Mittel um schnell Geld zu verdienen

Doyle (1859-1930) betrachtete die Holmes-Geschichten als perfektes Mittel, um schnell viel Geld zu verdienen: Das literarische Äquivalent zu Junk-Food. Allerdings waren die ersten beiden Romane „Eine Studie in Scharlachrot“ und „Das Zeichen der Vier“ nicht besonders erfolgreich.

Die Literaturzeitschrift „Athenaeum“ kommentierte 1890 trocken: „Dr. Doyles Bewunderer werden den kleinen Band zwar begierig durchlesen, aber nicht nochmal in die Hand nehmen.“

Deswegen plante Doyle den Erfolg seines Meisterdetektivs strategisch. „The Strand“ war eine beliebte Londoner Publikumszeitschrift mit einzelnen Kurzgeschichten. In seiner Autobiographie schrieb Doyle: „Mir fiel auf, dass ein Protagonist, der die Aufmerksamkeit des Lesers fesselte, ihn an ein bestimmtes Magazin binden würde, wenn er eine ganze Serie durchläuft.“ Der Serienheld Sherlock Holmes war geboren.

Sherlock Holmes machte Doyle zu einem der berühmtesten Autoren der Welt

Er machte Doyle zu einem der bekanntesten Autoren der Welt und steigerte die Auflage des Massenblatts „Strand“ immens. Von 1891 bis 1930 gab es kaum eine Ausgabe, die nicht mindestens eine Doyle-Geschichte enthielt. Als „The Hound of The Baskervilles“ als Serie abgedruckt wird, lagern Leser vor dem Verlagsgebäude, um als erstes die nächste Ausgabe zu ergattern.

Doch schon bald konnte Doyle seinen Detektiv nicht mehr ausstehen und überlegte, wie er ihn loswerden könnte. Erst versuchte er es mit unverschämt hohen Honoraren. Doch weil Holmes bei den Lesern so gut ankam und die Auflagen steigerte, waren Verleger bereit, ihm viel zu zahlen. Damit wurde er einer der bestbezahlten Autoren seiner Zeit.

„Holmes getötet“

Schließlich reichte es ihm so sehr, dass er Holmes mit seinem großen Widersacher Professor Moriarty an den Reichenbach-Fällen in der Schweiz abstürzen ließ. In seinem Tagebuch notierte er: „Holmes getötet“. Doch mehr als 20 000 Strand-Leser stornierten ihre Abonnements, trugen schwarze Armbinden und schickten empört Droh- und Bittbriefe – einer begann mit „You Brute!“ (etwa: Sie Unmensch!).

Doyle verteidigte sich: „Er ist mir so über, dass ich ihm gegenüber das gleiche Gefühl habe wie gegenüber Gänseleberpastete – ich habe mich einmal an ihr so übergessen, dass der Name allein mich bis heute würgen lässt.“ Es sollte noch neun Jahre dauern, bis er kapitulierte und seinen Helden mit einem Trick wieder zum Leben erweckte. Insgesamt schrieb er zwischen 1891 und 1927 mehr als fünfzig Kurzgeschichten und vier Romane über den Meisterdetektiv und seinen Chronisten – Doyles Alter Ego – Dr. John Watson.

dpa

stol