<b>Von Miriam Roschatt</b><BR /><BR />Sie ist eine Träumerin, die im Alltag ihren Gedanken nachhängt – und dabei gerne mal auf „Kopfkino“ umschaltet. „Vielleicht bin ich deshalb auch Autorin geworden“, muss Karoline Psenner über sich selbst schmunzeln. Im Jänner dieses Jahres veröffentlichte die 17-jährige Boznerin ihren ersten 270-seitigen Liebesroman „What If“. Und das war erst der Anfang, denn die junge Frau hat Blut geleckt. Aktuell schreibt sie an gleich drei neuen Büchern – parallel. Schreiben, schreiben, schreiben: Was für andere vielleicht „nerdig“ klingt, ist für den Rotschopf pure Leidenschaft – und das schon sehr lange. <h3> „Mimi“ geht einkaufen</h3>Bereits in der Grundschule schrieb Karoline Psenner ihr allererstes Buch über die kleine Maus „Mimi“, die mit ihrer Mutter einkaufen geht. „Nicht gerade originell, ich weiß, aber es war nun mal mein allererstes Buch“, lacht sie. <BR /><BR />Heute setzt sich die Autorin in ihren Werken mit Themen auseinander, die unter die Haut gehen – Liebe, Selbstzweifel, sexuelle Orientierung, Leistungsdruck, Suizidgedanken. Ihre Geschichten kreisen um das Auf und Ab des Erwachsenwerdens, um die Suche nach sich selbst. „Ich möchte auch dem Schmerz und den stillen, traurigen Gedanken eine Stimme geben“, beschreibt sie den Wunsch, gesellschaftlichen Tabuthemen Raum zu schenken. So wie in „What If“. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1227672_image" /></div> <BR />„Erzählt wird die Geschichte der 16-jährigen Amelia, die in einer toxischen Beziehung mit einem Jungen feststeckt. Auch das Verhältnis zu ihrem Vater ist schwierig – er will, dass sie als Geigerin Karriere macht, und setzt sie dabei stark unter Druck. Immer öfter verliert sich Amelia in Selbstzweifeln und düsteren Gedanken. Bis sie ein Mädchen kennenlernt, mit dem sich eine enge Freundschaft entwickelt – und schließlich mehr“, gibt Psenner einen Vorgeschmack auf ihren ersten Liebesroman, den sie vor einem Dreivierteljahr veröffentlichte – und zwar ganz ohne Verlag. „Self-Publishing“ nennt sich diese besonders unter jungen Autoren beliebte Methode, ein Buch selbst herauszubringen und über soziale Netzwerke zu promoten. <BR /><BR />Diese Plattformen – allen voran TikTok – seien ideal, um sich mit Menschen über Bücher auszutauschen: „Unter dem Hashtag #BookTok teilen wir unsere Lieblingsbücher, geben Tipps, diskutieren über Geschichten und tauschen uns direkt miteinander aus“, erklärt Karoline Psenner den Bücher-Trend in den sozialen Medien, der Ende 2019 entstand und seither auch den Buchmarkt stark beeinflusst. Rund hundert Exemplare hat die junge Frau selbst bisher verkauft – keine riesige Zahl, aber für sie zählt jedes einzelne Exemplar. Nicht des Geldes wegen, denn dafür schreibe sie nicht. „Wenn meine Worte auch nur eine Person erreichen, die sich vielleicht ein Stück weit verstanden fühlt, dann ist das für mich der schönste Lohn.“<h3> Eine Frage der Perspektive</h3>Ihre Passion, das Schreiben, verfolgt Karoline Psenner momentan nur nebenher. „Hauptberuflich“ ist sie derzeit nämlich Schülerin am Maria-Hueber-Gymnasium Bozen. An freien Nachmittagen und Abenden setzt sich die Boznerin, die auf dem Virgl lebt, dann aber meistens an ihren Schreibtisch im Schlafzimmer und schreibt sich die Seele frei – was nicht immer so reibungslos klappt, wie man es sich als Außenstehender vielleicht vorstellt. <BR /><BR />„Manchmal komme ich am Anfang nicht sofort in den Schreib-Flow, aber wenn ich dranbleibe, fließt es irgendwann“, erzählt die Schülerin, die später mal Grundschullehrerin werden möchte. Sie ist überzeugt, dass grundsätzlich jeder ein Buch schreiben kann, wenn sie oder er es wirklich will. „Schreiben ist ein Handwerk, das man trainieren muss. Niemand wird als Schriftsteller geboren.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1227675_image" /></div> <BR />Ganz offen gesteht Karoline Psenner auch, dass sie immer wieder mit Schreibblockaden zu kämpfen habe. Ihr Mittel dagegen sei einfach, aber wirksam: „Sich bewusst hinsetzen, alle Ablenkungen – sei es das Handy oder andere Störfaktoren – beiseitelegen und sich selbst zum Schreiben zwingen.“ Oft beginne sie nur mit wenigen Sätzen, aber genau diese kleinen Schritte würden den kreativen Fluss wieder in Gang setzen. „Man darf sich selbst nicht unter Druck setzen, Perfektionismus blockiert nur. Es geht darum, anzufangen und dranzubleiben – der Rest kommt von selbst“, möchte sie all jenen Mut zusprechen, die schon beim Anblick eines weißen Blatts Papier am liebsten das Weite suchen würden. <BR /><BR />Vom Einsatz des beliebten KI-Chatbots „ChatGPT“ beim Schreiben eines Buches würde die 17-Jährige hingegen abraten. „ChatGPT ist für sehr vieles hilfreich, aber nicht zum Schreiben eines Buches. Es ist beunruhigend zu sehen, dass sich immer mehr Menschen ganze Kapitel auf diese Weise erstellen lassen. Für diejenigen, die mit Herzblut, Zeit und Mühe schreiben, ist das schlicht unfair“, unterstreicht die junge Schriftstellerin mit Nachdruck die Schattenseiten der Künstlichen Intelligenz, ohne sie pauschal zu verteufeln.<h3> Einfach glücklich</h3>Das Schreiben ist zwar Karoline Psenners halbes Leben – das andere aber besteht aus Lesen. Bücher sind für sie ebenso selbstverständlich wie das Atmen – besonders in den Sommerferien verschlingt sie beinahe täglich neue Geschichten. Ansonsten spielt sie liebend gern Theater und macht Musik. Instrumente spielt sie drei: Querflöte, Geige und Klavier. „Ich bin auch Mitglied bei der Musikkapelle Zwölfmalgreien in Bozen“, plaudert die junge Frau aus dem Nähkästchen. <BR />Doch das, was sie am allermeisten erfüllt, ist das, was sie auch in ihrem Buch „What If“ so treffend beschreibt: „Manchmal muss man Dinge tun, die keinen Sinn ergeben, sondern einfach nur glücklich machen.“ Denn daran, dass sich das Leben auch mal einfach und leicht anfühlen kann und darf, möchte sie vor allem junge Menschen erinnern, die gerade durch eine schwierige oder traurige Zeit gehen.