Montag, 21. August 2017

32. Literaturtage Lana: „Antreten gegen die Welt.“

Die Literaturtage Lana widmen sich vom 30. August bis 2. September dieses Jahr dem Amerikaner Ezra Pound. Der unermüdliche Dichter trieb die Literatur um radikale Erneuerungen voran und prägte damit die Moderne wesentlich.

Die Literaturtage Lana beschäftigen sich dieses Jahr mit dem Schriftsteller Ezra Pound. - Foto: Twitter
Die Literaturtage Lana beschäftigen sich dieses Jahr mit dem Schriftsteller Ezra Pound. - Foto: Twitter

Pound, der einen Großteil seines Lebens in Italien zubrachte, war jedoch auch verblendet durch sein Engagement für Mussolini und verstrickt in einen fanatischen Kampf gegen das Bankwesen und den Wucher.

Lesungen, Vorträge und Diskussionen mit renommierten internationalen Autorinnen und Autoren gehen den Widersprüchen dieses revolutionären wie umstrittenen Klassikers nach und stellen sich der Frage: Welchen Zusammenhang von Ästhetik und Ethik, von künstlerischer und politischer Haltung verlangen wir von einem Künstler und einer Künstlerin?  

Vordenker poetischer Avantgarden

2017 jährt sich zum 45. Mal der Todestag des Dichters Ezra Pound. Neben James Joyce, William Faulkner oder Ernest Hemingway gehört der Vordenker poetischer Avantgarden zu den wichtigsten englischsprachigen Stimmen und zu den Klassikern des 20. Jahrhunderts. Selbst profunder Kenner der Literaturen der Welt, hat er mit seinen „Cantos“ Literaturgeschichte geschrieben. 

1885 in Hailey, Idaho, geboren, war Ezra Pound mit einem großen und genauso irritierenden Geist begabt. Er wuchs in den Vereinigten Staaten von Amerika auf, zog 1909 nach Europa und war in Kontakt mit herausragenden Künstlern seiner Zeit; er studierte die alten Ägypter, ließ sich auf griechische und lateinische Texte ein und erforschte die Welt der chinesischen Schriftzeichen.

Er war vertraut mit den Weltreligionen und Mythologien und machte die Lektüre der Literatur des Mittelalters und der Renaissance fruchtbar für den modernen Umgang mit Sprachmaterial; er erkundete die Philosophie des Geldes und verfasste Zeilen, die in ihrer Rätselhaftigkeit einen einzigartigen Glanz ausstrahlen.

Was aber die politische Entwicklung Europas zwischen 1920 und 1945 betraf, war dieser hochintelligente Schriftsteller und Interpret literarischer Verhältnisse ohne vernünftige Erkenntnis und ohne Verstand. Und als er, der stets in kühnstem Maß nach Schönheit strebte, sich in heillose Irrtümer verstrickte, war er selbst ein Gebrochener.

Literaturtage beginnen Ende August

Die 32. Literaturtage Lana Ende August sind diesem Dichter voller Widersprüche gewidmet. Jahre seines späten Lebens verbrachte er bei seiner Tochter Mary de Rachewiltz auf der Brunnenburg bei Meran, wo er die letzten sechs Cantos schrieb.

Beeindruckt von seiner Komplexität, die weder eines enigmatischen noch rabiaten Eigensinns entbehrte, setzt sich die literarische Nachwelt mit Ezra Pound bis heute auseinander und nagt an den Unvereinbarkeiten zwischen beispielhafter Dichtung und seiner nicht von der Hand zu weisenden politischen Verblendung. Pound hinterlässt Faszination und Ratlosigkeit. 

Mit Marcel Beyer, der die Eröffnungsrede am 30. August hält, und Durs Grünbein aus Deutschland, mit der amerikanischen Dichterin Ellen Hinsey und dem Iren Trevor Joyce nähert sich das Festival dem poetischen Werk an und unternimmt den Versuch, die Spannung zwischen bedeutender Dichtung und dem Weltbild oder Gedankengebäude ihres Schöpfers diskursiv zu ergründen.

Hommage und Kritik an Pound

So sind die Literaturtage Lana Hommage und Kritik und neben dem Staunen vor einer bezwingenden Dialektik literarischer Leistung ist die Auseinandersetzung mit der Frage berechtigt: Muss man sich entscheiden, über wen man nachdenkt, über den Dichter oder über den politischen Propagandisten Ezra Pound?

Oder liegt es an uns, eine verbindende Lesart der Widersprüchlichkeit zu finden? Welcher ethische Imperativ darf Künstlerinnen und Künstlern abverlangt werden?

Hochkarätige Gäste

Mit Joseph Vogl, dem angesehenen Literaturwissenschaftler und Philosophen, greifen die Literaturtage Lana den Aspekt der Geldtheorie auf. Luzide in seinen Analysen der Natur kapitalistischer Ökonomien und ihres Mythos´, blickt Joseph Vogl im Gespräch mit Elmar Locher auf das Konzept einer natürlichen Wirtschaftsordnung, das Ezra Pound in einem demokratischen Sinn und in der Idee eines möglichen „paradiso terrestre“ zu fundieren versuchte. Ihren Ausdruck fand es jedoch in einer erbitterten, unverhohlen antisemitischen Kritik am Bankwesen und Wucher. 

Massimo Bacigalupo, Amerikanist und Vermittler englischsprachiger Literatur, wird in Lana Pounds italienische Jahre beleuchten und sie mit der Lektüre der „Cantos“ verknüpfen. Dabei geht er auf den speziellen gesellschaftlichen und politischen Hintergrund ein, den er, selbst aus dem befreundeten Familienkreis Pounds in Rapallo stammend, aus nächster Nähe kennt.

Tochter Pounds zu Gast

Nicht zuletzt wird die Tochter von Ezra Pound, Mary de Rachewiltz, die persönliche Erzählung mit philologischer Betrachtung zusammenführen und Siegfried de Rachewiltz, Enkel des Dichters, einige Exponate aus der Sammlung Ezra Pounds zeigen.

Einen Einblick in Pounds Archiv historischer Filmdokumente und bekannt gewordener Dichtergespräche gewährt schließlich der Abschlussabend. Eine Büste, die der Künstler Stephan Fabi von Ezra Pound angefertigt hat, begleitet die Literaturtage am Schallerhof in der Vill, Raffeingasse 2. Der Eintritt ist frei.

Programm und Information

Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier.

stol

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