Donnerstag, 02. Februar 2017

60 Jahre „Skolast“ sind 60 Jahre Südtiroler Zeitgeschichte

„60 Jahre SH bedeutet auch 60 Jahre Querdenken“, hat Landesrat Philipp Achammer bei der Jubiläumsfeier der Südtiroler HochschülerInnenschaft am 11. September 2015 auf Schloss Maretsch gemeint. Nun steht wieder eine SH-Feierstunde an: Der „Skolast“ wurde 60. Die Jubiläumsausgabe wird am Donnerstagabend vorgestellt.

Der "Skolast": Frech, fröhlich - und ein bisschen anders.
Der "Skolast": Frech, fröhlich - und ein bisschen anders. - Foto: © D

„Ein fahrender Skolast? – Der Kasus macht mich lachen!“ Mit dem namensgebenden Goethe-Zitat beginnt im Februar 1956 die erste Nummer der Zeitschrift „Der Fahrende Skolast“.

Lang hatten die jungen Blattmacher, vor allem Franz von Walther und Rainer Seberich, gegrübelt, was er denn sein solle – ein „gewöhnliches“ Vereinsblatt oder eine reflektierende Kulturzeitschrift.

„Räumliche und geistige Distanz zwischen Hochschülern überbrücken“

Eine Frage, die den „Skolast“ viele Jahre begleitete. Der ersten Redaktion ging es freilich darum, „die räumliche und geistige Distanz zwischen den einzelnen Hochschülern zu überbrücken und die Aufmerksamkeit der öffentlichen Stellen der SH zuzulenken“, so Seberich Jahre später.

Der aufmerksam-skeptische Blick von Politik und Gesellschaft war dem „Skolast“ viele Jahrzehnte lang sicher, immer wieder sprach er Tabus an und bot jungen Querdenkern ein (Literatur)Forum. 60 Jahre „Skolast“ lesen sich also auch wie eine verdichtete Darstellung Südtiroler Zeit- und Bildungsgeschichte.

Wandelnder studentisch-redaktionelle Zugang

Manch Themensetting blieb über die Jahrzehnte konstant: Studientitelanerkennung, NS-Geschichtsaufarbeitung, das Verhältnis zwischen Deutsch- und Italienischsprachigen, die Universität Bozen usw. bilden einen langen roten Faden; der  studentisch-redaktionelle Zugang, der wandelte sich allerdings im Laufe der Zeit.

Mal war die Redaktion konservativ, dann progressiv, mal christlich, dann kommunistisch - oder eben nichts von alledem. Jeweilige Studentengeneration und zeitgenössische Dynamiken prägen auch weiterhin die Zeitschrift, deren Redaktion auch heute noch ad hoc und unregelmäßig entsteht.

Frech, fröhlich - und ein bisschen anders

Die Kommerzialisierung (universitärer) Bildung, der Umweltschutz, die Gleichberechtigung von Mann und Frau - die Artikelvielfalt wurde weitergesponnen: manchmal ernst, manchmal heiter. Kritik von innen und von außen, auch das war, bleibt ein „SH/Skolast“-Merkmal: N.C. Kasers „Tiroler Gigger-Rupfen“ (1969) oder der Brief der 83 (1978) sind prominente Beispiele des Rebellierens.

„,Skolast’ und SH waren für das Tagblatt ein rotes Tuch“

„,Skolast’ und SH waren für das Tagblatt ein rotes Tuch“, erinnerte „Dolomiten“-Chefredakteur Toni Ebner bei der 60-Jahr-Feier. Skandale und Aufreger löst das SH-Blatt heute kaum noch aus, muss es auch nicht. Dennoch, der „Skolast“ gehört zur SH, wie Buden und Beratung: frech, fröhlich - und ein bisschen anders.

Die Jubiläumsausgabe 60:60 wird am Donnerstagabend um 18 Uhr im Gespräch mit Günther Pallaver am Sitz der Südtiroler HochschülerInnenschaft in der Kapuzinerstraße 2A vorgestellt.

D/aw

stol