Am 6. Oktober um 110 Uhr wird im Kunsthaus Meran mit Siegried Höllrigl der Offizin S. ein besonderer Kunst- und Literaturkalender für das Jahr 2013 vorgestellt.Seit 1985 betreibt Siegfried Höllrigl in Meran die Offizin S., eine Werkstatt für Literatur, Typographie und Graphik. Als gelernter Schriftsetzer und Handpressendrucker arbeitet er, selbst Schriftsteller, seit langen Jahren mit dem Setzen und Drucken der Manufaktur an einer einzigartigen, fast verloren gemeinten traditionellen Buchgestaltung. So fertigte er im Laufe der Zeit in größter Sorgfalt und Kenntnis bibliophile Editionen und graphische Drucke an, die ihn als Buchkünstler auszeichnen. Sie verbinden Literatur mit der Schönheit gestalteter Texte und präsentieren sie mit einem untrüglichen ästhetischen und editorischen Gespür. Im kommenden Jahr feiert Siegfried Höllrigl seinen 70. Geburtstag. Das war ihm Anlass und Anliegen, für das Jahr 2013 einen Kalender mit 36 Beiträgen von befreundeten Künstlern und Schriftstellerinnen herauszugeben. Nun liegt das Ergebnis vor und es ist ein feinsinniges, reiches und anregendes Vademecum durch das Jahr geworden. Mit Beiträgen von Friederike Mayröcker, Markus Vallazza, Sepp Mall, Sarah Kirsch, Markus Bundi, Kurt Drawert, Ilma Rakusa, Klaus Merz, Stefan Fabi, Andreas Neeser, Joseph Zoderer, u.v.a. Die Veranstaltung stellt in Lesungen und einer kleinen Ausstellung die Blätter des Kalenders, von denen jedes ein eigenes kleines Kunstwerk darstellt, vor.Andreas Neeser und Mikael VogelAm Vorabend zur samstäglichen Matinee, am 5. Oktober um 20.00 Uhr findet bei den Bücherwürmern in Lana in Zusammenarbeit mit dem Kreis der Autoren und Autorinnen eine Lesung mit Andreas Neeser und Mikael Vogel statt. In dem Gedichtband „Massenhaft Tiere“ lockt Mikael Vogel (*1978) aus Berlin auf eine lyrische Fährtenlses durch die Welt der Tiere, durch die Lüfte, unter die Erde und in die Abwasserrohre, in die Massentierhaltungen, die Tattoos und Zoos. In einem Netz von Assoziationen, Bildern und Du-Bezügen zieht er eine klare, sprachbewusste Spur poetischer Aussage, die Traditionslinien von Blake bis Mayröcker aufgreift und – wie im Fall der Tiergedichte und Tierfiguren des letzten Bandes – aphoristisch, witzig und mitunter listig in die facettenreiche Rede des Tiers einsteigt. Dagegen transportieren die Miniaturen von Andreas Neeser (*1964) – Kürzestgeschichten, Gedichte und Notate im Band „Die Sonne ist ein nasser Hund“ – eine Kargheit, die auf phantastischen oder experimentellen Bezugsreichtum verzichtet. Sie bewegen sich fein und sicher austariert zwischen dem Ausgesparten des Sagens und der reduktiven Form des Sagens und suchen darin das Wesen der Kleinen Form. Mit den einfachen Wörtern, den knappen Sätzen, den verdichteten Zeilen gelingt es dem Autor in einer Vielschichtigkeit, die nicht zuletzt im Ausgesparten zum Vorschein kommt, Assoziationsräume zu öffnen.