Helmut Moll ist Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für das Martyrologium des 20. Jahrhunderts. In dieser Funktion hat er sich eingehend mit dem 20. Jahrhundert befasst. Er hat seinen Aufsatz mit dem Titel „Mit Südtirol verbundene Blutzeugen der NS-Zeit und der Mission des 20. Jahrhunderts. Zeugen wahrer Menschlichkeit – Zeugen für Christus“ überschrieben. <BR /><BR />Moll geht vom Satz von Papst Johannes Paul II. aus: „In unserem Jahrhundert sind die Märtyrer zurückgekehrt“. „Der Papst erinnerte an diejenigen, die sich den menschenfeindlichen Tendenzen entgegengestellt hatten. Sie waren sogar bereit gewesen, dafür zu sterben. Die Verfolgungen hatten das Geheimnis des Martyriums neu entstehen lassen.“ Dazu gehört der in Südtirol bekannte Josef Mayr Nusser, aber es gab auch weitere Menschen, die für ihren Glauben starben. <h3> Opfer des Nationalsozialismus</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="1036431_image" /></div> <BR />Der selig gesprochene <b>Josef Mayr Nusser</b> hatte sich geweigert, den Eid auf den Führer abzulegen. Sein Gedenktag ist der 3. Oktober. Er erklärte: „Wenn nie jemand den Mut aufbringt, ihnen zu sagen, dass er mit ihren nationalsozialistischen Anschauungen nicht einverstanden ist, dann wird es nicht anders.“ Daraufhin wurde ihm der Prozess gemacht, der mit seiner Verurteilung endete. Auf dem Weg in das KZ Dachau starb der Familienvater am 24. Februar 1945 an den Entbehrungen seiner Haft in einem Viehwaggon in der Nähe von Erlangen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1036434_image" /></div> <BR />Er verbrachte seine Kindheit in Mölten, weil in seinem Elternhaus das Geld nicht für 13 Kinder reichte: <b>Richard Reitsamer,</b> der 1901 in Freiburg geboren wurde. Als ihn ihm Februar 1944 auf dem Trenkwalderhof in der Nähe von Meran der Einberufungsbescheid zum Wehrdienst erreichte, reagierte er nicht. Am 22. Februar 1944 verhaftete die Polizei Reitsamer auf dem Hof und überstellten ihn dem Gerichtsgefängnis in Bozen. Hier wurde ihm der Prozess gemacht, der mit seiner Verurteilung zur Todesstrafe endete. Seit Mai 2012 erinnert ein „Stolperstein“ in Meran an diesen Blutzeugen der Unverfügbarkeit des menschlichen Gewissens.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1036437_image" /></div> <BR />Er studierte in Brixen Theologie: Ein weiterer Blutzeuge, der sich aus Gewissensgründen der Erfüllung des Wehrdienstes verweigert hatte, war der Pallottinerpater <b>Franz Reinisch.</b> Am 1. Februar 1903 in Tisis bei Feldkirch in Österreich geboren studierte er im Brixner Priesterseminar Theologie. Kritische Äußerungen zum nationalsozialistischen Regime in Predigten wurden dem jungen Pater bald zum Verhängnis. Er erhielt Predigtverbot. Als ihn am 8. April 1942 der Gestellungsbefehl um Wehrdienst erreichte, erschien er erst am Tage nach dem Termin in der Kaserne. Es erfolgte seine Überstellung in das Zuchthaus von Brandenburg, wo in den Morgenstunden des 21. August 1942 das Urteil vollstreckt wurde. Im Jahr 2013 eröffnete das Bistum Trier den Seligsprechungsprozess für Pater Reinisch.<BR /><BR /><BR />Auch er kam zum Studium nach Brixen: <b>Pater Heribert (Eduard) Kluger</b> war Mitglied des Deutschen Ordens. Die Wahl seiner Studienorte lassen ihn eine Zeit in Südtirol verbringen. Geboren am 25. Juli 1881 in Neu-Zechsdorf (Lkr. Troppau in Österr. Schlesien, heute Tschechien) studierte er Theologie in Olmütz und Brixen. Seine kompromisslose Ablehnung der NS-Ideologie war dem Regime nicht entgangen. Im Sommer 1944 erfolgte seine Verhaftung und Überstellung in das KZ Dachau. Aufgrund der Strapazen erlag der der Pater am 18. Januar 1945 den Entbehrungen – nach offiziellen Angaben an Herz- und Nierenversagen. Seine Mitbrüder haben seiner stets als Märtyrer gedacht.<BR /><BR />In Meran geboren hingegen wurde der Benediktinerpater <b>Abt Adalbert (Karl) Graf von Neipperg.</b> Er erblickte am 31. März 1890 auf einem Besitz der Familie in Meran das Licht der Welt und wuchs in Schloss Schwaigern bei Heilbronn auf. 1911 trat er in den Benediktinerorden ein und erhielt den Ordensnamen Adalbert, wurde Abt der Abtei Neuberg bei Heidelberg. Nachdem seine ablehnende Haltung gegenüber der NS-Ideologie der Gestapo nicht verborgen geblieben war, zog er sich auf einen Besitz einer verwandten Familie in Slowenien zurück. Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches geriet Abt Adalbert im Jahr 1945 in jugoslawische Kriegsgefangenschaft in Werschetz. Von einem ihm erlaubten Ausgang in die Stadt zur Erledigung von Einkäufen am 23. Dezember 1948 kehrte er nicht zurück. Er wurde Opfer eines heimtückischen Mordanschlags. <h3> Missionsmärtyrer</h3><div class="img-embed"><embed id="1036440_image" /></div> <BR />Auch aus der Gruppe der Missionsmärtyrer kann an Blutzeugen erinnert werden, die in einer Verbindung mit Südtirol stehen. <Fett>Bischof Cassian (Franz Anton) Spiß,</Fett> Missionsbenediktiner und Apostolischer Vikar von Südsansibar (heute: Daressalam) wurde am 12. Juni 1866 in Grand bei Arlberg in Österreich geboren. Seinem Ortspfarrer fiel die Begabung des Jungen auf, so dass er ihm den Besuch des Gymnasiums in Brixen ermöglichte. Das Theologiestudium in Brixen schloss sich an. Am 24. April 1889 wurde er in Brixen zum Priester geweiht. Seit dem Jahr 1893 lebte er in Daressalam im heutigen Tansania. Als sich verschiedene Stämme im Maji-Maji Aufstand im Jahr 1905 gegen alle Europäer als Kolonialmächte erhoben, wurde Spiß am 14. August 1905 plötzlich von Aufständischen auf einer Reise in Mikukuyumbu umringt. Ohne Vorwarnung töteten die Einheimischen den Bischof und seine Begleitung.<BR /><BR />Für die deutschsprachige Region unterhält die Gemeinschaft der Mill-Hill-Missionaries das St. Josefshaus in Brixen. Hier trat am 2. Juli 1924 der gebürtige Niederbayer <b>Friedrich Stoiber</b> der Missionsgesellschaft bei. Er wurde am 3. März 1904 in Geiselhöring (Niederbayern). Der junge Pater reiste im Jahr 1930 auf die Philippinen. Als der Zweite Weltkrieg auch den pazifischen Raum ergriff und die Japaner weite Teile des Landes besetzt hatten, wurde der Missionar Opfer des einsetzenden Bürgerkrieges. Am 13. Oktober 1942 wurde er von Partisanen am Strand erschossen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1036443_image" /></div> <BR />Ebenfalls im pazifischen Raum ereignete sich das Martyrium der Steyler Missionsschwester <b>Valentina (Rosa) Steinkeller.</b> Sie stammte aus Goldrain und war als viertes von 13 Kindern am 26. September 1880 geboren worden. Am 13. Mai 1902 trat sie der Missionsgesellschaft der Steyler Missionare und Missionarinnen bei und reiste am 18. Juni 1905 als Missionarin nach Papua-Neuguinea. Fast 4 Jahrzehnte wirkte sie dort. Als im Zuge des Zweiten Weltkrieges alle Europäer aus dem Land vertrieben wurden, versuchten die Missionare bei ihren Gemeinden zu bleiben. Die Japaner, die das Land besetzt hatten, unterstellten allen Europäern, für die Amerikaner zu spionieren. Steyler Missionare und Missionarinnen sollten daher mit einem Schiff außer Landes gebracht werden. Amerikanische Bomber entdeckten das Schiff und nahmen es in der Annahme eines feindlichen Bootes unter Beschuss. Unter diesen tragischen Umständen kamen am 6. Februar 1944 in der Nähe von Wewak 27 Schwestern, 12 Brüder und 7 Patres zu Tode. Zu ihnen zählte auch Schwester Valentina, die noch auf dem Schiff ihren Schussverletzungen erlag.<BR /><BR /><BR />Unter verschiedenen Umständen erlitten diese Märtyrer den Tod. Es vereinte sie aber die Quelle, aus der sie lebten und sich ihre Überzeugungen klärten. Die christliche Botschaft von der Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen machte sie fähig, Hass und Rache ein Ende zu setzen.<BR /><BR /><Fett>Bestellen:</Fett> Die Mai-Ausgabe der Monatszeitschrift für Südtiroler Landeskunde, „Der Schlern“ ist unter <a href="https://www.athesiabuch.it/" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">www.athesiabuch.it </a> erhältlich.