Kaum oder wenig zu Gast waren aber in den vergangenen Jahren die Protagonisten der zeitgenössischen italienischen Poesieszene. Die Veranstaltungsreihe „Denkwürdige Destillate“ des Vereins "Bücherwürmer" in Lana, die mit diesem Frühjahr wieder aufgenommen wird, hat sich zum Ziel gesetzt, diese Lücke zu schließen und in Lesungen, Hommagen, Porträts und Begegnungen der geographisch-sprachlichen Ausgangskonstellation Genüge zu tun.Die Aufmerksamkeit soll auf poetische Strömungen und Entwicklungen des zeitgenössischen Poesieschaffens in Italien gelenkt werden. Die Reihe „Denkwürdige Destillate“ wird im Frühling 2010 an drei verschiedenen Abenden einige der vielschichtigsten und ästhetisch eigenwilligsten Stimmen der deutschen und italienischen Poesieszene in der Galerie Museum in Bozen begrüßen. Den Auftakt macht die römische Dichterin Patrizia Cavalli, die 1974 mit dem, Elsa Morante gewidmeten Band "Le mie poesie non cambieranno il mondo" debütierte.Sie wird heute, nach Zyklen wie "Sempre aperto teatro" (Turin, 1999) oder "Pigre divinità e pigra sorte" (Turin, 2006) von Philosophen, Kritikern und Leserinnen gleichermaßen geschätzt.Cavalli hat die italienische Dichtung der zweiten Jahrhunderthälfte wie kaum eine andere ihrer Generation zu prägen vermocht. Ihr zweisprachiger Auswahlband "Diese schönen Tage" (Hanser Verlag, Übersetzung: Piero Salabé) ist kürzlich erschienen.Patrizia Cavalli: „Togliersi al tempo“; Einführung: Theresia Prammer; Freitag, 26. März 2010; 20 Uhr, Ar/ge Galerie Museum, Museumstraße 29, BozenDie zwei nächten AbendeDen zweiten Abend (9. April) wird die vielseitige Wortkünstlerin, Performerin und streitbare Literaturtheoretikerin Ann Cotten (* 1982) aus Berlin mit dem seit den 50ern in Rom lebenden, im slowenischen Fiume geborenen, Valentino Zeichen bestreiten, dessen jüngstes Buch, "Neomarziale" (Mailand, 2006), eine ironisch-epigrammatische Auseinandersetzung mit dem wahlverwandten Dichter Martial, bei Mondadori erschienen ist. Gemeinsam mit der Dichterin und Romanautorin Marion Poschmann (*1969), deren neuer Band Geistersehen in wenigen Wochen bei Suhrkamp erscheint, liest am 16. April der 1945 in Mailand geborene, seit dem Debütband "Il Disperso" aus der italienischen Poesielandschaft nicht mehr wegzudenkende Dichter, Kritiker und Verlagsbeauftragte Maurizio Cucchi, dessen jüngste Veröffentlichung "Vite pulviscolari" (Mailand, 2009) zu den wichtigsten Titeln des vergangenen Bücherherbstes gehört.