Ungerechtigkeiten, rassistische Stammtischparolen und Straßendemos prägen seine Wahrnehmung und wecken in ihm sozialen Widerstan Ein Gespräch mit dem Autor...<b>Von Ida Walder</b><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1125330_image" /></div> <BR /><b>Wie kommst du eigentlich zum Schreiben?</b><BR />Laurenz Koler: Auch wenn es vielleicht klischeehaft klingt: Ich habe schon immer geschrieben. Bereits in der Mittelschule begann ich damit, Kurzgeschichten zu verfassen, meist nebenbei und ohne großen Plan. Gegen Ende der Oberschule gab es dann einen Auslöser, der meine Motivation fürs Schreiben noch weiter befeuerte – und daraus entstand schließlich dieser Roman.<BR /><BR /><b>Was war dieser Auslöser und inwiefern hat dieses Erlebnis dein Schreiben beeinflusst?</b><BR />Koler: Der Auslöser für mich war ein Besuch in Dachau. Dort erlebte ich, wie eine Person diesen Ort des Schreckens ohne jeglichen Respekt behandelte. Das hat mich zutiefst entsetzt, und dennoch war ich nicht in der Lage, dieser Person entgegenzutreten und für meine Gedanken einzustehen. Dieses Gefühl der Ohnmacht habe ich dann in eine Figur gebündelt – daraus entstand die Hauptfigur meines Romans: Nick. In meinem Buch lasse ich Nick durch Südtirol wandern, während er seine Eindrücke sammelt. Der Roman ist eine Mischung aus Zivilcourage und dem quälenden Gefühl, manchmal nichts ausrichten zu können. Es geht um die innere Zerrissenheit und die Orientierungslosigkeit einer Person, die nach ihrem Platz in der Welt sucht.<BR /><BR /><b>Also keine Autobiographie…?</b><BR />Koler: Die Geschichte ist nicht autobiographisch, aber der Moment, der mich zu Nick und diesem Roman inspiriert hat, ist ein Erlebnis aus meinem eigenen Leben und diese gemischten Gefühle und Gedanken habe ich in die Figur einfließen lassen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1125333_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>War es für dich von Anfang an klar, einen Roman schreiben zu wollen oder hat sich das für dich im Laufe der Arbeit herauskristallisiert?</b><BR />Koler: Anfangs war mir gar nicht klar, dass aus dieser Idee ein ganzer Roman entstehen würde. Da ich oft spontan drauflos schreibe, setze ich mir selten ein konkretes Ziel oder einen festen Plan. Stattdessen ergeben sich aus neuen Kapiteln immer wieder neue Situationen – und so war es letztlich ein witziger und überraschender Prozess, dass daraus tatsächlich ein vollständiger Roman wurde. Anfangs war ich allerdings ziemlich unsicher, ob diese Geschichte überhaupt das Potenzial für eine Veröffentlichung hat. Doch nach intensiven Gesprächen mit meinen engsten Freunden fasste ich schließlich den Mut, mich an einen Verlag zu wenden – und wurde mit der Veröffentlichung belohnt.<BR /><BR /><b>Hilft dir das Schreiben dabei, Eindrücke zu ordnen oder Gedanken zu verarbeiten?</b><BR />Koler: Für mich ist das Schreiben sicherlich eine Möglichkeit, Gefühle und Gedanken zu verarbeiten, aber dieser Prozess geschieht eher unterbewusst. Es war jedoch nie mein Hauptziel, das Schreiben als eine Art Selbsttherapie zu nutzen – wenn man es so ausdrücken will.<BR /><BR /><b>Wie ist es für dich, deine ganz eigenen Emotionen und Gefühle einem so breiten Publikum preiszugeben?</b><BR />Koler: Ich versuche, diesen Gedanken nicht allzu bewusst zu denken, da er mich sonst vielleicht verrückt machen könnte. Deshalb betrachte ich das Buch als ein großes Ganzes – ein Gesamtwerk, in dem ein Stück von mir steckt, aber ohne den Anspruch, es zu stark zu analysieren. Jeder, der es liest, kann damit machen, was ihm oder ihr gerade widerfährt.<BR /><BR /><b>Wem würdest du das Buch ans Herz legen? Ist der Roman für eine gewisse Alters- oder Gesellschaftsgruppe ausgelegt?</b><BR />Koler: Ich möchte Menschen ansprechen, die meinen Gedankengängen und Empfindungen ähnlich folgen können. Es war nie mein Ziel, ein allgemeingültiges Werk zu schaffen oder die Jugend in Südtirol zu repräsentieren. Mir war es einfach wichtig, jene zu erreichen, die genau verstehen, was ich meine.<BR /><BR /><b>Buchtipp:</b><BR />Laurenz Koler, „Aufstehen“, Edition Raetia 2024, 144 Seiten