„Dieser Roman ist ein Ereignis“, hieß es in der Begründung. Elmigers Stil sei gleichzeitig distanziert und doch fesselnd und das Buch „ein faszinierender Trip ins Herz der Finsternis“. Die Autorin aus der Schweiz galt als Favoritin. Sie stand bereits mit ihrem letzten Buch „Aus der Zuckerfabrik“ auf der Shortlist für den Schweizer und für den Deutschen Buchpreis. 2022 wurde sie in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen.<h3>Worum geht es in dem Roman?</h3>„Die Holländerinnen“ ist formal als Rückblick angelegt: Das Buch handelt von einer kollektiven Grenzüberschreitung im Regenwald Südamerikas. Erzählt wird die unheimliche Geschichte weitgehend in der indirekten Rede. Eine Autorin berichtet in einer Poetikvorlesung von ihrer Reise in den Dschungel als Teil einer Theatergruppe. Diese ist auf den Spuren zweier holländischer Backpackerinnen, die vor Jahren dort tatsächlich verschwunden sind. Doch das Projekt läuft aus dem Ruder: Die Gruppe wird vom Urwald nahezu verschluckt und erzählt sich verstörende Geschichten.<BR /><BR />„Je tiefer sie sich im Dickicht und Morast verläuft, desto mehr reißt Elmiger die Leserinnen und Leser in einen Sog der Angst. Ihr Roman erzählt von Menschen, die in ihr ,dunkelstes Gegenteil' verfallen“, findet die Jury. „Indirekt ist dabei nicht nur Elmigers Sprache, sondern auch ihr Verweis auf unsere Gegenwart, die Schritt für Schritt in Selbstüberhebung versinkt.“<h3>Ist das Buch preiswürdig?</h3>Ja, auf jeden Fall. Die Lektüre lässt einen nicht mehr los, auch wenn in dem Buch vieles unklar bleibt: Nichts wird zu Ende erzählt, nichts aufgeklärt. Konkret ist nur die Verunsicherung. Die Sprache bildet diesen Grusel perfekt ab: Sätze winden sich wie Schlingpflanzen um eine dunkle Mitte, der Konjunktiv distanziert das Geschehen von der Realität.<h3>Schwergeburt</h3>„Der Horror liegt naturgemäß außerhalb der Sprache“, so Elmiger, er sei, „wenn man so wolle, ihr Gegenteil“. Und das darzustellen, gelingt ihr meisterhaft. „Die Holländerinnen“ sei entstanden, weil sie über verschiedene Formen von Gewalt, Beherrschung oder Dominanz habe nachdenken wollen. <BR /><BR />„Ich hatte gemerkt, dass mein Text sehr düster ist, auch verzweifelt. Darin entspricht er mir eigentlich nicht. Ich habe trotz allem eine große Zuversicht.“ Sie habe beim Schreiben des Buches fast aufgegeben, sagte Elmiger. Sie habe drei, vier Jahre lang immer wieder alles verworfen. „Es wurde immer schlimmer, bis ich dachte: Ich muss mich vom Schreiben verabschieden, diese Phase meines Lebens ist nun vorbei.“ Dann sei es gewesen, als habe sich plötzlich eine Handbremse gelöst. Den Endspurt beschreibt sie als „beinahe fiebriges Schreiben“.<h3> Deutsche Buchpreis mit 37.000 Euro dotiert</h3>Der Deutsche Buchpreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnun- gen der Branche und wird am Tag vor der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse vergeben. Insgesamt ist er mit 37.500 Euro dotiert: Elmi- ger erhält 25.000 Euro, die übrigen Fünf der Shortlist jeweils 2.500 Euro. <BR /><BR />Im vergangenen Jahr ging der Preis an Martina Hefter für „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“.Auf der Shortlist waren noch: Ka- leb Erdmann („Die Ausweich- schule“), Jehona Kicaj („ë“), Thomas Melle („Haus zur Sonne“), Fiona Sironic („Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“), Christine Wunnicke („Wachs“).<BR /><BR />Buchtipp: Dorothee Elmiger, „Die Holländerinnen“, Carl Hanser Verlag 2025, 160 Seiten<BR />Bestellen: <a href="https://www.athesiabuch.it/home" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">www.athesiabuch.it</a><BR /><BR />PS: Auch die Südtiroler Verlage Edition Raetia, Folio und der Athesia Kalenderverlag sind auf der Buchmesse in Frankfurt (bis 19.10.) vertreten.