<b>Sie sind Schauspielerin am Burgtheater in Wien, glänzten in Filmen wie „Der Vorname“ oder „Die Unschärferelation der Liebe“ und in Serien wie „Mord mit Aussicht“, nun haben Sie Ihren ersten Roman veröffentlicht. Schreiben Sie schon länger?</b><BR />Caroline Peters: Ich habe lange Zeit für mich selbst geschrieben, zuerst Tagebuch, dann wurden kleine Geschichten und Miniaturen daraus. 2022 habe ich den Text für ein Solostück verfasst und bei den Wiener Festwochen aufgeführt. Dann fühlte ich mich gestärkt genug für eine erste lange Geschichte. <BR /><BR /><b>Ihr Roman „Ein anderes Leben“ ist eine Mutter-Tochter-Geschichte. Die Ich-Erzählerin erinnert sich an ihre Mutter Hanna. Wer ist Hanna?</b><BR />Peters: Hanna ist Mutter von 3 Töchtern, hatte 3 Ehemänner und ein bewegtes Leben. Eine Frau, die kurz nach dem Kriegsende ein kleines Kind war und in den 60ern, 70ern und 80ern ihre entscheidenden Lebensphasen hatte. Sie ist Kulturenthusiastin, promovierte Germanistin und Slawistin, sie ist schlichtweg anders als herkömmliche Mütter. Diese Hanna ist ausgesprochen lustig, erfindungsreich und fröhlich und gleichzeitig auch depressiv. Sie hat es daher schwer mit sich und dem Leben, und ihre Töchter und Männer haben es schwer mit ihr. <BR /><BR /><b>Was hat Sie schlussendlich motiviert, diesen Roman zu schreiben?</b><BR />Peters: Es hatte mich noch nie jemand gefragt, was meine Mutter macht oder gemacht hat. Dabei lernt man das meiste von seiner Mutter. Meine Generation wurde von Nachkriegskindern erzogen. Wir waren oft sauer auf unsere Eltern, fanden ihre Verhaltensweisen komisch. Als Erwachsene könnten wir sagen: Kein Wunder, denn so eine Kindheit wie sie sie hatten, wünscht man keinem. Damit wollte ich mich beschäftigen und diesen Eltern etwas zurückgeben, was man ihnen vielleicht nie so gegeben hat. <BR /><BR /><b>Wie nahe sind sich eigentlich ihre eigene Familiengeschichte und der Roman?</b><BR />Peters: Nicht die Familiengeschichte, sondern die biographischen Eckdaten meiner Mutter waren die Inspirationsquelle. Auch ich bin mit Geschwistern und Halbgeschwistern und in verschiedenen Ehen aufgewachsen. Aber das Buch ist ein Roman. Eine Geschichte, wie es hätte sein können. Alle 3 Töchter sind Versionen meiner selbst, sind nicht wie meine realen Geschwister. Auch mein Vater war ganz anders. Meine eigene Mutter starb mit 69 Jahren. Leider hatten wir zu wenig Zeit, um einander jenseits der Mutter-Kind-Rolle wirklich kennenzulernen. <BR /><BR /><b>Die Ich-Erzählerin hat, wie Sie auch, ihre Kindheit und Jugend in Köln verbracht. Welche Gemeinsamkeiten hat sie mit Ihnen?</b><BR />Peters: Meine Erfahrungen als Teenager im Köln der 80er Jahre haben im Roman zweifellos Spuren hinterlassen. Es hat beim Schreiben großen Spaß gemacht, im Kopf dort wieder herumzulaufen. Die Zeit selbst war für mich damals eher trübe, ich war ein unglücklicher, wütender Teenager. Aber im Rückblick fand ich die Erlebnisse des wütenden Halbkinds auf einmal sogar lustig.<BR /><BR /><b>Lesungen gehören für Sie als Schauspielerin zu Ihrem Beruf. Auch das Hörbuch zu Ihrem Roman haben Sie selbst eingelesen. Doch wie ist es, den eigenen Text zu lesen, schwerer?</b><BR />Peters: Sehr viel schwerer, weil ich der Autorin in dem Fall sehr viel kritischer gegenüberstehe. Bei einem anderen Text denke ich mir, dass das ein guter Autor ist, der einen guten Verlag hatte. Beim Einlesen meines eigenen Textes war ich die kritische Schauspielerin, die es ein bisschen besser weiß als die Autorin und sich beim Lesen fragt: Hätte man es auch anders formulieren können? Dabei hatte auch ich als Autorin einen guten Verlag und einen guten Lektor, von dem ich viel gelernt habe. <BR /><BR /><b>Termin:</b> Lesung: 13.11., 19 Uhr, Waltherhaus Bozen in der Reihe „HÖRbar gut!“ <BR /><b>Buchtipp:</b> „Ein anderes Leben“ von Caroline Peters, Verlag Rowohlt Berlin 2024, 240 Seiten<BR /><b>Bestellen:</b> www.athesiabuch.it