Dienstag, 05. September 2017

Enid Blytons „Fünf Freunde“ werden 75

„Mutter, was machen wir in den Sommerferien?“ fragt Julian am Frühstückstisch. „Fahren wir wieder nach Polseath?“ So fing alles an – in Großbritannien 1942, in Österreich 1953 mit „Fünf Freunde erforschen die Schatzinsel“, auf Englisch „Five On A Treasure Island“.

Auch heute noch werden die Abenteuergeschichten der „Fünf Freunde“ gut verkauft. - Foto: Twitter/Enid Blyton Official
Auch heute noch werden die Abenteuergeschichten der „Fünf Freunde“ gut verkauft. - Foto: Twitter/Enid Blyton Official

Enid Blyton ließ 20 weitere Bücher über die „Famous Five“, wie sie in England heißen, folgen.

Dick, Julian, Anne, Georgina und Timmy werden 75 

Generationen von Leseratten wuchsen mit den Abenteuern der Hobbydetektive auf: Den Geschwistern Dick, Julian, Anne und ihrer jungenhaften Cousine Georgina, genannt George oder Georg, sowie dem Mischlingshund Timmy.

21 Bände lang entdecken sie Leuchttürme, geheime Wege oder Burgen und gewinnen mit Mut und Entschlossenheit gegen Kidnapper und Räuber.

Über 700 Bücher geschrieben

Über 700 Bücher schrieb Enid Blyton (1897-1968) mit rasender Geschwindigkeit auf ihrer Schreibmaschine, die sie der Legende nach immer auf den Knien balancierte – angeblich 10.000 Worte pro Tag. Die Schmöker funktionieren alle nach demselben Schema: Temporeich endet jedes Kapitel mit einer dramatisch zugespitzten Situation, und das Gute siegt immer.

Die Abenteuerserie spiegelt die Welt wider, in der Blyton aufwuchs, und die sich mancher Brexit-Befürworter heute wieder herbeisehnen dürfte: Kinder stromern durch die Felder, ungestört von Erwachsenen.

Hinterm Dorf kampiert freundliches Zirkusvolk, und ein Schatz wartet nur auf seine Entdeckung. Schmuggler sind generell harmlos, und ein paar Kinder können leicht einen Diebstahl vereiteln. Nostalgisches „Kopfkino“, wie Blyton es nannte.

Texte wurden modernisiert 

Die Verlage sind inzwischen mit Rotstift und Radiergummi über ihre Texte gegangen – zu sexistisch und fremdenfeindlich seien sie – und haben sie leicht modernisiert. So wurde aus „Fünf Freunde und ein Zigeunermädchen“ nun „Fünf Freunde und die wilde Jo“.

Hausarbeit ist nicht mehr nur Mädchensache, jetzt schmieren auch die Burschen Butterbrote, und der ungehorsamen Georg wird nicht mehr eine Tracht Prügel angedroht – nur eine Strafpredigt.

Altmodische Sprache beliebter 

Doch die Rollenklischees und die altmodische Sprache kämen bei den Lesern besser an als die modernisierte Fassung, erläuterte Verlagsleiterin Anne McNeil im Branchenblatt „Bookseller“ im vergangenen Jahr.

„Es war eine sehr subtile Veränderung und gründlich recherchiert, erwies sich aber als sehr unpopulär.“ Daher kehrte der englische Verlag Hachette Children's Group wieder zum Originaltext zurück.

Emotionale Beziehung zu ihren Lesern

Insgesamt verkauften sich Blytons Abenteuer- und Internatsklassiker – darunter die „Hanni und Nanni“ und „Schwarze Sieben“-Serien – über 600 Millionen Mal. Doch trotz ihres Erfolgs gilt Enid Blyton als eine Mutter, die eher eine emotionale Beziehung zu ihren Lesern als zu ihren beiden Töchtern aufbauen konnte.

Die jüngere der beiden, Imogen Smallwood, rechnete 1989 mit ihrer Mutter in ihren Memoiren „A Childhood At Green Hedges“ (dt: Eine Kindheit in Green Hedges) ab: „In Wahrheit war Enid Blyton arrogant, unsicher, anspruchsvoll, sehr geschickt darin, schwierige oder unangenehme Dinge aus ihrem Kopf zu verbannen, und ohne jeden mütterlichen Instinkt. Als Kind sah ich sie als ziemlich strenge Autorität. Als Erwachsene hasse ich sie nicht. Ich bemitleide sie.“

Noch immer gut verkauft

Doch trotz aller Kritik an Autorin und Werk – die „Fünf Freunde“ leben weiter. Eine halbe Million Bücher gehen in Großbritannien immer noch jährlich über den Ladentisch. Fans und Schriftsteller schreiben autorisierte und unautorisierte Fortsetzungen.

Vor ein paar Wochen wurde das fünfte Abenteuer „Fünf Freunde – Im Tal der Dinosaurier“ gedreht. Der Film wird im Sommer nächsten Jahres in die Kinos kommen.

apa/dpa

stol