Schwerpunktmäßig erfasst die Chronik das 19. Jahrhundert; die Genealogien der Familien Jungmann und die der eingeheirateten Frauen (Familien Früh und Regensberger in Sand) werden bis zu den ersten Nennungen zurückverfolgt. Geradezu meisterhaft schöpft Josef Jungmann d. J. aus den eigenen Erinnerungen und den Erzählungen und verbindet diese mit den selbst angestellten historischen Nachforschungen. <BR /><BR />Die Familiengeschichten selbst sind schon ein wertvoller Beitrag zur Lokalgeschichte von Sand und Umgebung. Kulturell angereichert sind diese jedoch durch die vielen und interessanten Mitteilungen aus allen Lebensbereichen. So erfährt der Leser der Chronik Näheres über das Leben der Schuhmacher und Müller und über die Arbeit der Handwerker auf der Stör (Schuster, Tischler, Zimmerer, Mühlenbaumeister). Breit gestreut sind die kulturellen Beiträge aus der Ahrner Talschaft; es wird vom Schulwesen und vom Hochzeits- und Faschingsbrauch, vom Bauern-Badleben, dem Viehhandel, den wirtschaftlichen Krisen, von den Standschützen und dem Kriegswesen sowie von der Sandner Tracht berichtet.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1039062_image" /></div> <BR />Einen besonderen Stellenwert nimmt das Geschehen um die Sandner Musikkapelle (die „Harmonie-Musikkapelle“) ein, waren doch von den Gründerjahren an Mitglieder der Familie Jungmann aktiv am Musikleben beteiligt. Über die Teilnahme der Kapelle an der Einweihung der Franzensfeste 1838 wird anschaulich und ausführlich berichtet:<BR /><BR /><i>Im Jahre 1838 rüstete sich Tirol zum Empfang des gütigen Kaisers Ferdinand, welcher zur Einweihung der seit 1833 im Bau begriffenen und nach fünf Jahren vollendeten „Franzensfeste“ nach Tirol kam. Die Musik von Taufers durfte bei diesem außergewöhnlichen Fest nicht fehlen und erhielt zur Bestreitung der Reiseauslagen einen Beutel voll Taler. Von den Müllerbuben durfte Seppl und Hansl die Reise und Feier mitmachen.<BR />Andrä war noch zu jung, erst 16 Jahre alt. Aber auch dem 18jährigen Hans, der das Bummeln ja gar nicht gewohnt war, kamen die Reisestrapazen und die jedenfalls stark mit Wein gewürzten Festlichkeiten etwas zu stark, und mein Vater erzählte, dass sie ihn auf der Heimreise verloren und erst nach langem Suchen auf einem Abort schlafend gefunden haben. – Selbstverständlich musste er sich hinfür weidlich necken lassen. <BR />Die Großeltern hatten mit ihren nun herangewachsenen Kindern die größte Freude. Diese waren nicht etwa nur für Unterhaltung, sondern auch für die Arbeit zu haben.</i><BR /><BR />Die Chronik bereichtet auch, dass im Haus der Jungmann wurde geprobt und öfters zur allgemeinen Unterhaltung aufgespielt. Das in die Chronik eingeklebte Foto der Musikkapelle von Sand 1864 zeigt gleich 3 praktizierende Musikanten aus der Familie Jungmann: Vater Josef Jungmann d. Ä. mit den zwei Söhnen Andrä und Johann. Andrä Jungmann (geb. 28. November 1822, gest. 26. Mai 1900), so wird eigens vermerkt, war auch Kapellmeister der Musikkapelle von Sand (1867–1869).<BR /><BR />Dem inneren Ahrntal widmet der Chronist ein eigenes Kapitel. Darin beschreibt er anschaulich den Weg, den er als 16-Jähriger 1874 mit seinem Vater als Viehhändler unternommen hatte. Ähnlich einer Reisebeschreibung berichtet der Sohn von den Gehöften entlang des Weges und beschreibt die katastrophalen Zustände nach der großen Überschwemmung. Vom Ahrner Handel bzw. vom Kupferbergbau erfährt der Leser den Stand vom Jahr 1874.<BR /><BR />Die vielen eingeflochtenen Anekdoten und Erzählungen erheben die Chronik zu einer unverwechselbaren Ahrntaler Kulturgeschichte.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1039065_image" /></div> <BR /><BR />Buchtipp: „Der Schlern“ ist erhältlich im Abonnement – auch in digitaler Form – und in den Athesia-Filialen. <BR />Bestellen: www.athesiabuch.it