Wer es sieht, erkennt: Er war einer der Großen der zweiten Generation der Künstlerkolonie Klausen. <b>von Eva Gratl</b><BR /><BR />Die Retrospektive mit besonderem Klausen-Bezug „ist eine Erinnerung an eine facettenreiche Künstlerpersönlichkeit und zugleich ein Gedenken an sein 67jähriges Wirken und künstlerisches Schaffen im „Künstlerstädtchen“. In Paraguay als Sohn eines niederländischen Vaters und einer aus Mailand stammenden Mutter geboren, in Dresden bei einem Onkel aufgewachsen, sind Paris, Rom, Neapel, Capri und Venedig künstlerische Stationen. <BR /><BR />„Ich musste Maler werden“, sagte der Künstler einmal und seine farbintensiven Werke bestätigen: Da hat sich jemand ganz und gar der Farbe verschrieben und auch der Landschaft in und um Klausen. Von 1945 bis 1957 wohnt de Vries in der Villa Reiserer, einer Dependance des Gasthauses „Zum Kalten Keller“. <h3> Atelier im Ansitz Griesbruck und seine Wohnung werden Mittelpunkt für Freunde und Bekannte</h3>Ab 1953 wird er u.a. Mitarbeiter der RAI, er schreibt Reportagen, er arbeitet auch als Fotoreporter und wird Industriefotograf bei Athesia in Bozen. 1972 datiert seine erste Ausstellung, weitere folgen u.a. in Genua, Wien, Mailand, London, Athen. Sein Atelier im Ansitz Griesbruck und seine Wohnung werden Mittelpunkt für Freunde und Bekannte. De Vries wurde international mehrfach ausgezeichnet, seiner Frau, der Künstlerin Sonya Hofer, verdanken wir nun eine Ausstellung, kuratiert von Lilia Ripamonti, welche die verschiedenen Aspekte seines Schaffens präsentiert.<BR /><BR />Ungemein vielfältig sind seine Motive, in dem es vor allem darum ging: Farbe bekennen. Das Eisacktal und seine Umgebung, vor allem Klausen malt der Künstler ganz aus dem inneren Blick heraus, expressiv und farbenfroh, mit Gebirgsszenerie, mit Formen- und Farbenspiel, das sich überlagert und herausschält. Oft sind es sonnendurchflutete, sehr dynamische Ansichten, „virtuose Interpretationen mit viel Gefühl und Leidenschaft für die Malerei“ (G.Ammann). <h3> Der Blick auf Klausen</h3>Immer wieder wirft er den Blick auf sein Klausen, von oben herab, sieht es mit glutvollen Rottönen, welche die besondere Freiheit und das Gefühl für Farbe unterstreichen. Spannungsgeladene Landschaft von gesteigerter Ausdruckskraft, in der die Fläche und Linie den Ton angeben – so hat Klausen wohl nur dieser Künstler gesehen. Im Vordergrund tuckert der Zug dahin, der Himmel rosa, Farben kreuz und quer, eine schwungvolle rote Linie, die sich wie ein Lasso über die Berge schwingt, orange, gelb, grün, blau ... „damals, sagt Sonya Hofer, hat das natürlich niemandem gefallen“. <BR /><BR />Beim Betrachten kann man darin lange herumschweifen, denn was uns de Vries bietet, ist auch eine abstrakte Landschaft. Zudem war der Künstler auch ein ausgezeichneter Porträtist, Künstler, Päpste, Politiker und natürlich sich selbst sind seine Menschen. Dabei gelingt es ihm, „durch die betriebene Einfühlsamkeit, auch in der expressiven Dynamik den Charakter des Dargestellten in Mimik und Gestik gültig niederzuschreiben“ (G. Ammann). <h3> Wie er sich selbst sah</h3>De Vries benötigte nur wenige Pinselstriche, und trotzdem sehen wir seinen Blick, erkennen seine Mimik. Selbstporträt auf gelbem Grund, Unvollendetes Selbstporträt, Kleines Selbstporträt in Grau, Selbstporträt auf Capri, Selbstporträt im weißen Malerkittel: Das sind alles auch Blicke in ein Innenleben, selbstsicher und doch zweifelnd, prüfend, melancholisch, immer mehr als bloße Selbstspiegelung. Ernst, Kinn- und Lippenbart, hohe Stirn, nachdenklicher Blick: Spiegel-Seelenbilder von eindringlicher Schärfe. <BR /><BR />Dass er auch das poetische Wort beherrschte: 1946, ein Jahr nach seiner Ankunft in Klausen, schrieb der Künstler: „Ging nicht tausend Wege, um zurückzugehen. / Nein, hier werd ich bleiben, in der Einsamkeit. / Werd das Leben suchen, nicht sein buntes Kleid. / Heb die Welt, die mein war, aus dem Schutt heraus“. Seine expressive Malerei und auch seine schwungvollen Zeichnungen unterstreichen, dass er auch unser Bedürfnis nach Freiheit mit seinen Farben und Formen wunderbar thematisieren konnte und mit den starken Tönen Leben und Landschaft „aus dem Schutt“ heraushob. <h3> Zur Person</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="1098699_image" /></div> <BR /><BR />Der Künstler Federico Lesley de Vries wurde in Paraguay geboren, ist in Dresden aufgewachsen und hat in Klausen in Südtirol Heimat gefunden. Ausstellungen und Würdigungen werden ihm in ganz Europa, vor allem in Italien zuteil. Landschaften, Stillleben und Menschenbilder bestimmen sein malerisches und grafisches Werk. <BR /><BR />Kulturzentrum Meran, bis 29.11. 2024