In der Juni-Ausgabe der Monatszeitschrift für Südtiroler Landeskunde, „Der Schlern“, hat er einen Beitrag verfasst, der zu einer spannenden Reise durch die Kulturgeschichte einlädt. Im folgenden sind einige Fakten aus dem lesenswerten Beitrag angeführt. <h3> Die Legende der Siebenschläfer</h3>Laut der christlichen Legende waren es 7 Söhne vornehmer Eltern, die Kaiser Decius um die Mitte des dritten Jahrhunderts an seinen Hof holte und als Kämmerer in seinen Dienst nahm. Als der Kaiser beobachtete, dass sie sich von den Götteropfern fernhielten, kam ihm der Verdacht, sie könnten christlichen Bekenntnisses sein. Noch vor ihrer Verurteilung verteilten sie ihre Habe unter die Armen. Der Kaiser ließ sie in einer Höhle vermauern. Eine bleierne Tafel hielt ihre Namen fest. Hier konnte man lesen, dass die Märtyrer entschliefen, was gleichbedeutend zu ihrem Tod zu verstehen war. Als man nach zwei Jahrhunderten um die Mitte des 5. Jahrhunderts die Höhle öffnete, fand man angeblich ihre Leiber schlafend vor. Die Legende von ihrem Erwachen wurde im Sinne der Auferstehung interpretiert und dem Volk, dem Bischof von Ephesos und dem Kaiser Theodosius II. als Garant für die Auferstehung aller Gläubigen vor Augen geführt.<BR /><BR />Die faktische Lebenszeit der Siebenschläfer wird um das Jahr 250 angegeben. Ihre Auffindung datiert die Legende in die Regierungszeit des christlichen Kaisers Theodosius II., entsprechende Angaben schwanken zwischen den Jahren 425 und 447.<h3> Die ältesten Darstellungen</h3>Die ältesten Bildbelege im Westen finden sich in der Buchmalerei. Im Chludov-Psalter, einer in Konstantinopel im 9. Jahrhundert verfassten Handschrift, findet sich das Schlaf-Ereignis in eine Vignette eingefangen. In einer Miniatur im Menologium von Basileios II. in der Bibliotheca Vaticana (Cod. Vat. Gr. 1613, fol. 133), einer in Konstantinopel hergestellten Handschrift aus dem ausgehenden 10. Jahrhundert mit Märtyrergeschichten, sind die Schläfer ebenfalls als schlafende Gruppe inmitten eines im Schnitt geöffneten, spitz zulaufenden Berges geformt. <BR /><BR />Auch an den Devotionalien des Mittelalters, an den Andachts- und Pilgerandenken wiederholt sich die Darstellung. Die älteste zyklische Darstellung der Legende findet sich in der Krypta von Santa Maria in Via Lata in Rom und datiert aus der Mitte des 7. Jahrhundert. <h3> Die Entwicklungen im Mittelalter</h3>Unter den mittelalterlichen Bildzeugnissen ist vor allem das Wandbild im Kapitelsaal von Brauweiler aus dem 3. Viertel des 12. Jahrhunderts zu erwähnen. Vielfältig ist die Bildüberlieferung in der mittelalterlichen Buchmalerei. Im Stuttgarter (Zwiefaltener, Hirsauer) Passionale von 1130 ist die Szene am Beginn der Passio der Dormientes eingebunden Den bedeutsamsten mittelalterlichen Zyklus stellt ein aus 10 Einzelszenen gebildetes Glasfenster in der Petruskapelle in der Kathedrale von Rouen dar. In Italien gibt es ein seltenes Bildzeugnis an der linken Chorwand im Dom von Crema, eingebunden in eine gemauerte, von Ziegeln gerahmte Nische.<h3> Zu den Darstellungen in Südtirol</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="1040148_image" /></div> <BR /><BR />In Tirol kam der Kult schon im späten Mittelalter an. Das Wandbild in der Bozner Stadtpfarrkirche ist das älteste Bildzeugnis dafür. Es befindet sich an der Westwand links vom Hauptportal, es handelt sich um einen zweiteiligen, einmal wohl vierteiligen Zyklus, der von der Auffindung der Schläfer berichtet. Damit kommt ihm Singularität zu, sind von den Schläfern – mit Ausnahme des Glasfensters von Rouen – nur Einzelszenen überliefert. <BR /><BR />Man hat den Kult der Schläfer immer als seltsam betrachtet, umso mehr verwundert, dass in der Spätgotik auch die Hauskapelle im Ansitz Compil, „in castro stetten supra Bulzanum“, nahe der St. Anton-Brücke in Bozen den Siebenschläfern geweiht wurde. Weitere Darstellungen finden sich in der Agydiuskirche von Mitterolang, in Sand in Taufers (St. Walburg in Kematen) sowie in Brixen (Mariahilfkirche in Zinggen). Eine Siebenschläferdarstellung ist aus der Friedhofskapelle in Glurns bekannt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1040151_image" /></div> <h3> Der Kultort Mentlberg bei Wilten</h3>Im nördlichen Teil Tirols gibt es in der Kapelle von Mentlberg bei Wilten ein regelrechtes Kultzentrum der Siebenschläferverehrung. Dort findet sich noch immer in der Vorhalle in einer Nische unter dem Stiegenaufgang zur Empore eine Schnitzgruppe der Sieben Schläfer, eine Arbeit aus der Zeit um 1668. Hier liegen die Träumer in einer Höhle, in der auch ein Kreuz errichtet ist. Mentlberg verwahrt auch mehrere Votivtafeln, an denen die Votanten nicht nur Maria der Schmerzhaften, sondern auch den Sieben Schläfern sich zu Dank verpflichtet zeigten. Aus den Darstellungen wird klar, dass die Schläfer in Kindsangelegenheiten angerufen wurden, wohl bei Totgeburten, um das „Zeichnen“ der Kinder zu ermöglichen. Der Schlaf in der Höhle wird zum Hoffnungsargument gesund geborener Kinder.<BR /><BR />Die genauen Ausführungen und zahlreiche Details zu den Darstellungen finden sich in der Juni-Ausgabe der Monatszeitschrift für Südtiroler Landeskunde, „Der Schlern“. <BR /><BR />Bestellen: <a href="https://www.athesiabuch.it/" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">www.athesiabuch.it</a>