„Ich bin in meiner Jugend weit herumgekommen. Kreuz und quer, durch ganz Europa, sechs Jahre lang. Dank eines gewissen Herrn. Viele Länder habe ich so bereist, und alles gratis! … Ich war allerdings nicht allein, und nicht überall, wo wir hingekommen sind, wurden wir freundlich empfangen. … Aber das hat mir wenig ausgemacht. Die Frage war eher, ob wir je wieder nach Hause kommen.“ (aus: Martin Kubaczek: Die Knie meiner Mutter und mein Vater im Krieg)Eine Welt von Sinnlichkeit und Lust, von Endlichkeit und TodIn drei verschiedenen Erzählräumen versucht Martin Kubaczek seinen Protagonisten, den Vater, festzuhalten: Im ersten Teil lässt er ihn unkommentiert erzählen, wie ihm „das Erzählen das Leben gerettet hat“: als Soldat der Wehrmacht, der die italienische Partisanin porträtiert und von einer russischen Bäuerin gesund gepflegt wird.Im zweiten Teil erinnern sich die Eltern – im zunehmend aussichtslosen Ringen mit dem körperlichen Verfall – an die Leidenschaft ihrer Beziehung ebenso wie an die bedrückenden, unaussprechbaren Erlebnisse in der Nazizeit, an Deportation und Tod. Was sie verschmitzt eingestehen, ihre Leidenschaft aus sechzig Jahren Ehe, verbirgt auch anderes, nicht mehr Rekonstruierbares.„Mein Zeichnen war stets Versuch zu verstehen“, sagt der Vater im dritten Teil. Als ein ebensolcher Versuch erweist sich der Text selbst: Er kreist um die Vergänglichkeit alles Wirklichen und Sichtbaren, um das Verlöschen von Leben. Martin Kubaczek, geboren 1954 in Wien, studierte Violine, Germanistik und Philosophie in Wien. Er lebte 15 Jahre lang in Japan und lehrte u. a. an der Tokyo University for Foreign Studies und der Meiji-Universität Literatur und vergleichende Kulturwissenschaften; Literaturkritiker und Essayist; lebt in Wien und Tokio. Die Buchvorstellung findet am 26. Mai um 20 Uhr in der Orangerie des Hotel Laurin in Bozen statt. Die Veranstaltung wir in Zusammenarbeit mit Literatur Lana, dem Österreichischen Kulturforum Mailand und dem Folio Verlag organisiert.