Donnerstag, 23. April 2020

Heute ist Weltbuchtag

Am 23. April 1995 wurde der Welttag des Buches und des Urheberrechts von der UNESCO weltweit eingerichtet. Welche Bedeutung dieser Tag für sie hat, erzählen 6 Südtiroler Autoren.

Nicht nur heute ist lesen angesagt.
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Nicht nur heute ist lesen angesagt. - Foto: © lie
Rut Bernardi

Den Welttag des Buches markieren für mich vor allem diese 3 Ereignisse:

1. Am 22. April, vor 404 Jahren, ist der spanische Autor Miguel de Cervantes Saavedra, Autor der Novellen des Ritters von der traurigen Gestalt Don Quijote, gestorben. Seine phantastische Sichtweise auf die Welt erscheint mir oft viel realistischer als die Realität selbst. Das Spiel mit den Illusionen, der 'Welt als Vorstellung', wird von Cervantes genial dargestellt. Das Werk ist universell und gerade in unserer Zeit, in der man oft Wirklichkeit nicht so recht vom Traum unterscheiden kann, mehr als aktuell.

2. Am 22. April, vor 4 Jahren, ist meine geliebte Katze Tita von Rosenheim, exakt 400 Jahre nach Cervantes, 11-jährig an einem Herzinfarkt gestorben. Um 6:15 Uhr am Morgen hörte ich ihre lauten Hilfeschreie, sprang aus dem Bett, doch sie lag schon auf dem Teppich und der Urin rann aus ihr heraus.

3. Am 23. April 1616, starb, nach julianischen Kalender, William Shakespeare, u.a. Autor von 154 Sonetten, literarische Gattung, die für die Literatur in ladinischer Sprache prädestiniert ist.

Es würde mich freuen, wenn der Welttag des Buches Anlass wäre, der ladinischen Literatur endlich den ihr gebührenden Platz einzuräumen, denn die in den letzten Jahrzehnten so vielversprechend eingeleiteten literarischen Erneuerungen, werden allzu oft verleugnet.



Sepp Mall
Wer geistig nicht verhungern will, braucht Bücher: Sachbücher, Romane, Gedichte. Und wenn es dem Welttag des Buches gelingt, auf dieses essentielle Nahrungsmittel aufmerksam zu machen, ist es gut. Nur bräuchte es da mehr als eine Anmerkung im Kalender oder eine kleine Lesung in der Bibliothek.

Warum nicht für einmal von anderen lernen, von unseren Tiroler Nachbarn etwa mit ihrem „Innsbruck liest“? Vielfältige Aktionen rund um ein Buch, das jährlich den Bürgern der Stadt geschenkt wird, – so könnte ein effektiver Welttag des Buches auch bei uns ausschauen.

Joseph Zoderer
„Bücher retten die Menschheit – sie geben ein bereichertes Bewusstsein. Lesen lernen muss man lernen, wie Blockflöte oder Geige. Wichtig ist, von klein auf eine Beziehung zum Buch aufzubauen, vom Bilderbuch hin zum Vorlesen. Das Lesen macht uns zu wacheren, hellen Beobachtern, zu besseren Menschen. Man findet im Buch die Weisheit von Generationen. In Zeiten des Internet und der sozialen Netzwerke, die nach außen ablenken, lenkt das Buch zur Innerlichkeit ab. Das Buch hat für mich Lebensbedeutung, nicht nur weil ich Autor bin. Ich habe meinen Kindern immer gesagt: 'Lesen, das ist Leben und Welt.' In dieser Zeit, in der wir plötzlich aus dem Wohlstandsleben herausgerissen wurden und mönchhafte Lebensweisen pflegen, kehren die Menschen zum Buch zurück. Der Tag des Buches ist ein Signal, das fortzusetzen, was sie begonnen haben – ermuntert von verschiedenen Stimmen zum Lesen.“

Toni Bernhart
Der Weltbuchtag erinnert an die Wichtigkeit der Bücher. Es spielt dabei keine große Rolle, ob Bücher von Hand auf Ziegenhaut geschrieben, auf Papier gedruckt oder digital verfügbar sind. Denn es geht um das Buch an sich, das ein Behälter für Wissen, Literaturen und Künste aller Kulturen der Erde ist. Ich finde gut, dass die Vereinten Nationen mit dem Welttag des Buches einmal im Jahr darauf aufmerksam machen. Wichtig aber sind Bücher an allen Tagen des Jahres. So war es für mich auch ganz und gar unverständlich, dass Buchhandlungen während der Zeit des strengen Lockdown geschlossen bleiben mussten. Bücher und Texte gehören für mich zum täglichen Leben wie Wasser und Brot.

Jörg Zemmler
In erster Linie ist dieser Tag für mich eine Erinnerung: frisch nach Wien gezogen, 2005, bald darauf sagte Markus Köhle, auch Autor, und Freund, Jörg , Tag der Buches, komm, wir machen eine Spontanlesung im Museumsquartier. Gesagt und dann eben auch: getan. Sonst, im Allgemeinen, mag ich diese „Tage des...“ nicht. Es ist immer der Tag. Jeder. Des Buches oder auch der Ölsardine. Letztere am liebsten angebraten in Olivenöl und Knoblauch, zu Linguine. Und danach auf die Couch und lesen.

Sabine Gruber
Der Buchhandelsumsatz ist im Vergleich zum Vorjahr zwischen 30 und 50% zurückgegangen. Wir freiberuflichen Schriftstellerinnen und Schriftsteller können aufgrund der Quarantänemaßnahmen nicht auftreten und verkaufen viel weniger Bücher. Deswegen ist der diesjährige Welttag des Buches besonders wichtig: Tragen Sie zur Leseförderung bei, bestellen Sie Ihre Bücher bei den Buchhandlungen vor Ort, unterstützen Sie die Literatur!
Der 23. April fällt mit Nabokovs Geburtstag und mit Cervantes' und Shakespeares Sterbetag zusammen. Lauter Männer... Ich möchte Ihnen ein aktuelles Buch einer Vorarlberger Autorin ans Herz legen: „Die Bagage“ von Monika Helfer (Hanser Verlag, 2020). Ein autofiktionaler Vorarlberger Bergdorfroman über eine arme, aber unglaublich schöne und deswegen mit Argwohn verfolgte Bergbäuerin, der genauso gut in Südtirol beheimatet sein könnte...







eva

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