In einem Interview mit der "Zett" sprach das Ehepaar über ihre Erwartungen zum Theaterstück "Die Wanderhure" in Bozen, ihre Faszination für das Mittelalter und ihre Art zu arbeiten. Von „Die Wanderhure“ gibt es die Verfilmung mit Alexandra Neldel (2009). Nun auf Schloss Runkelstein bekommt der Stoffe eine regionale Note. Wie gefällt Ihnen diese „Erdung“ durch das Lokalkolorit?Iny Lorentz: Sehr gut. Vor allem, weil es einen speziellen Südtirol-Bezug in der Entstehung von „Die Wanderhure“ gibt. Nämlich Oswald von Wolkenstein, der einst über das Konzil in Konstanz (Anm.: 1414–1418) schrieb: „Als wir nach Konstanz kamen, gab es dort drei Hurenhäuser. Als wir wieder gingen, nur noch eines, aber das reichte von einem Stadttor bis zum anderen!“Das war ein so schockierendes Zitat, dass wir über den Hurenaufstand von Konstanz recherchiert haben. Vor diesem Hintergrund ist schließlich dieser historische Roman entstanden. Waren Sie denn in die Erarbeitung der Bühnenfassung involviert?Lorentz: Nein, wie schon bei der Verfilmung erfolgte diese Bühnenbearbeitung von Gerold Theobalt für die Uraufführung von „Die Wanderhure“ bei den Festspielen von Bad Hersfeld in Hessen 2014 ohne unser Zutun. Aber wenn wir ehrlich sind: Wir erwarten uns von Bozen viel mehr.Denn die Kostümierung und das Umfeld wirken schon jetzt sehr viel ansprechender. Allein die Probenbilder vermitteln einen farbenprächtigeren Eindruck.Wann haben Sie denn die Gelegenheit, die Aufführung auf Schloss Runkelstein selbst zu sehen?Leider schaffen wir es nicht zur Premiere – denn wir sind derzeit für unser aktuelles Buchprojekt auf Recherchereise. Aber das Stück läuft ja noch bis zum 3. Juli, und wir werden zu den letzten Vorstellungen nach Bozen kommen. Was macht das angeblich so dunkle Mittelalter denn derart erzählenswert?Lorentz: Diese gesamte Epoche ist nicht nur voller wunderbarer Geschichten, sondern voller beeindruckender Entwicklungen. Daher wäre es ein großer Fehler, diese 1000 Jahre Geschichte in einen Topf zu werfen. Als Autor geht da nie der Stoff aus.Dumme Frage: Aber wie schreibt Iny Lorentz?Lorentz: Nun, wir verfassen drei bis vier Bücher im Jahre – und haben nun den Luxus, selbst zu entscheiden, was wir schreiben. Daher ist auch meist ein nicht-historischer Roman dabei. Die Arbeitsaufteilung ist dann immer dieselbe: Wir recherchieren beide und reden viel darüber, was und wie erzählt wird.Dann schreibt mein Mann den Rohtext, den ich fünfmal inhaltlich und sprachlich kontrolliere, kritisiere und verbessere. Auch ob die Szenen in sich logisch sind, überarbeite ich – dann geht das Buch an den Verlag ins Lektorat.Wobei Sie beide aus einem anderen Genre kommen – nämlich Science-Fiction/Fantasy. Nicht zu vergessen Pseudonyme wie Eric Maron, Nicola Marni oder Mara Volkers, unter denen Sie ebenso schreiben. Warum das?Lorentz: Weil uns – also meinem Mann – langweilig wird. Er hat ja sogar mal geschworen, nichts mehr zu schreiben... Keine drei Tage später saß er schon wieder an der Maschine.stol/jov