<b>von Karl Tschurtschenthaler</b><BR /><BR />„Wörtersammeln und Stichwörteln“, herausgekommen bei Raetia, ist Julian Peter Messners zweites Buch. 2020 ist sein erstes erschienen, der Gedichtband „ausnahmsweise ohne titel“. Für Furore sorgen Messners Texte aber schon viel länger. Beim österreichischen Literaturwettbewerb „Ohrenschmaus“ konnte der Pusterer Autor bereits 2013 den Hauptpreis gewinnen. Und mit dem Text „ausnahmsweise ohne titel“ schaffte er es später sogar auf die Ehrenliste des Ohrenschmaus-Preises.<BR /><BR />Das neue Buch enthält Prosatexte, geschrieben mit ganz besonderen Wörtern, viele davon mit Bedacht gewählt, detailverliebt verfasst, treffend, grundehrlich und tiefgehend, schreibflüssig, portioniert – und stets mit einem Witz garniert. Es ist eine Sammlung von tagebuchartigen Aufzeichnungen, in denen der Pusterer alle an seinem Leben teilhaben lassen will. Denn sein Leben ist kein gewöhnliches. „Ich schreibe dieses Buch, weil ich zeigen möchte, dass das Leben mit Down-Syndrom abwechslungsreich, spannend und absolut lebenswert ist“, schreibt er in der Einleitung des Buches. Nicht immer habe er so gedacht. „Lange Zeit wollte ich überhaupt nicht behindert sein. Jetzt habe ich eingesehen, dass es nicht zu ändern ist, und habe es akzeptiert.“ Und er versuche, das Beste aus seinem Leben zu machen.<h3> „Großartig gelungen“</h3>Dieser Versuch, meinen viele, sei ihm ganz großartig gelungen. Denn in allem, was Messner anpackt, hat er Erfolg – sei es als Künstler in der Kunstwerkstatt Akzent der Lebenshilfe Südtirol in Bruneck, in der er seit 2011 tätig ist, sei es als Sänger der Musikgruppe Miteinanders, als Moderator und Schauspieler – und natürlich auch als Autor.<BR /><BR />Zum Schreiben ist Julian Peter Messner, der in Rasen lebt, bereits in jungen Jahren gekommen. Zunächst habe er angefangen, Wörter in Büchern „zu unterstreichen oder auch einzukreisen“, wie er in einem Text seines neuen Buches erzählt. „Bald aber habe ich begonnen, Wörter, die mir ins Auge gefallen sind und mir gefallen haben, niederzuschreiben.“ Er nannte diese Tätigkeit „Stichwörtelei“ – und merkte bald, „dass ich auf diese Weise auf neue Wörter zugreifen kann, dass sie in meinem Kopf gespeichert werden, ich sie mir sozusagen durch das Schreiben einverleibe und sie ein Teil von mir werden.“<h3> „Es macht mich glücklich“</h3>Seit mehr als 20 Jahren pflegt er dieses Wörterschreiben. „Es macht mich glücklich, erweitert meinen Wortschatz, es lenkt meinen Gedankenfluss in andere Bahnen oder lässt ihn zur Ruhe kommen und inspiriert mich auch zu Texten“, ist im Buch zu lesen. Entstanden sind die neuen Texte in Zusammenarbeit mit „meinen Wahlgroßeltern Christa und Elmar“ und vor allem mit „meiner Sekretärin, Mama Renate“, welche die „Texte, die ich ihr diktiere“, aufschreibt. <BR /><BR />In dem Buch sind 55 dieser besonderen Texte enthalten. Sie berichten von einfachen Begebenheiten und Erlebnissen aus dem Leben des jungen Mannes. Er erzählt von seiner „wunderbaren Familie“, von Kaffeespuren, Überraschungsgästen und Telefonterror, von einer Grippewelle, die über viele hinwegrollte, und von Einschlafritualen, von Lehrpersonen und Mitschülern, von Panikattacken und der Liebe zu seiner Annemarie, von der Arbeitswelt in der Kunstwerkstatt, von Theater, Musik – und vielem mehr. Und alles gipfelt schließlich in dem beeindruckenden Text „Das Leben ist schön“, in dem Messner das viele festhält, „was mich glücklich macht und mein Leben immer wieder bereichert.“ Ein Leben, das er zutiefst liebt – trotz oder gerade wegen des Down-Syndroms. Ein Leben, sein Leben, das er in dem Gedichtband „ausnahmsweise ohne titel“ in wenigen Zeilen so wunderbar zusammengefasst hat: „ich denke mir / so wie ich bin so und nicht / anders soll ich sein und so hätte ich mich / auch selbst gemacht“.