Mit „Mia mag Geheimnisse“ steht derzeit das neue Kinderbuch von Heidi Troi auf so manchem Wunschzettel. Wie passend, dass es darin ums Schenken geht. Warum, das erklärt die Brixner Autorin und Theaterpädagogin im Interview.<BR /><BR /><i><BR />von Johannes Vötter</i><BR /><BR /><b><Fett_Akzidenz>„Mia mag Geheimnisse“ ist bereits Ihr zweites Kinderbuch nach „Lola reicht“s“, das heuer im Innsbrucker Obelisk-Verlag erschienen ist. Dazu kommt die Weihnachts-Kurzgeschichte „Ein Schrank voller Geheimnisse“, die letzthin auch in der „Zett“-Weihnachtsbeilage erschienen ist. Warum gleich 2 Geschichten, in denen es um Geheimnisse geht?</Fett_Akzidenz></b><BR /><Fett_Akzidenz>Heidi Troi:</Fett_Akzidenz> Wie schon in der Kurzgeschichte „Ein Schrank voller Geheimnisse“ ist genau diese Geheimniskrämerei, die Kinder – also auch Mia – fasziniert. Das habe ich auch als Lehrerin bei Kindern beobachtet. Vor allem in dieser geheimnisvollen Vorweihnachtszeit. Und beim „Engele-Bengele“ oder „Wichteln“ – wie auch immer wir es nennen wollen – gab es tatsächlich immer wieder ein Kind, dass seine Geheimnisse nicht für sich behalten konnte oder ungewollt ausplauderte. So wie Mia, die stellvertretend mit ihrem flatterhaften Geheimnisvogel kämpft. Wobei das zu Konflikten führen kann, ja manchmal sogar verletzend sein kann, wie wir auch dieser Geschichte sehen.<BR /><BR /><BR /><b><Fett_Akzidenz>Es steckt ja auch viel Konfliktpotenzial in diesem verpflichtenden Schenken bzw. Wichteln. Wer bekommt was? Wer bekommt mehr? Das kann schlimmstenfalls sogar zum Mobbing ausarten oder zumindest in einer „Tratzerei“ – und damit auch in Streit, Tränen und Missgunst enden. War es Ihnen ein Bedürfnis, auch diese „Schattenseite“ des Schenkens zu zeigen?</Fett_Akzidenz></b><BR />Troi: Genau, das Schenken bzw. in diesem Fall Wichteln ist nicht einfach. Und es geht darum, Kindern für derartige Sticheleien zu sensibilisieren und was daraus folgen kann. Aber da sind wir Erwachsene nicht viel anders, auch wir können uns durch unbedachte Worte Verletzungen zufügen, es kommt zu Missverständnissen oder Fehlinterpretationen. Als Pädagogin ist es da für mich ein Anliegen, die Gesellschaft schon von klein auf darauf aufmerksam zu machen.<BR /><BR /><b>Wo Intoleranz entsteht</b><BR /><BR /><b>Das erlebt Mia in gewisser Weise ja auch. Für ihre Mitschüler ist es ja frustrierend, dass sie den flatterhaften Geheimnisvogel nicht in Griff hat. Doch alsbald schlägt ihr sogar Hass entgegen, weil ihr „anders sein“ nervt. Ist das nicht etwas, was wir heute allgemein beobachten? Man darf „anders“ sein, aber nur bis zu einem gewissen gesellschaftlich normierten Punkt.</b><BR />Troi: Das hängt ganz stark vom Umfeld ab. Oder sagen wir so, wenn wir in der Schule bleiben: Je vielfältiger ein Klasse zusammengesetzt ist, also in Herkunft oder Fähigkeiten, umso toleranter ist der Umgang. Erst in einem fast schon klinisch „reinen“ und damit elitären Umfeld entstehen derartige Formen der Intoleranz, die auch Kinder wiedergeben. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf. Und ich finde, je bunter wir dieses Dorf gestalten, umso vielfältiger ist auch das Dorfleben.<BR /><BR /><b><Fett_Akzidenz>Trotzdem ist mit dem Schenken auch im schönsten Dorf ein gesellschaftlicher Druck verbunden. Es muss von Herzen kommen, es muss praktisch sein, es muss bestimmten Ansprüchen genügen.</Fett_Akzidenz></b><BR />Troi: Das stimmt. Umso wichtiger ist es, dass Kinder das Schenken genießen und als kreativen Prozess erleben. Schließlich ist doch schönste Weihnachtsgefühl, dass man sich damit beschäftigt, was man den liebsten Menschen im Leben denn gerne schenken würde. <BR /><BR /><embed id="dtext86-47019867_quote" /><BR /><BR /><b>Corona macht Mia & Co das allerdings nicht einfach. Was fehlt, ist der persönliche Kontakt.</b><BR />Troi: Wobei ich die Hoffnung habe, dass sich das bessern muss. Viele Kinder und Jugendliche fühlen sich derzeit schon eingesperrt. Was fehlt, ist vor allem das Zusammenkommen außerhalb der Schule. Das ist schon schwer belastend für sie und auch unverständlich, warum sie auf ihre Interessen verzichten sollen – während anderswo sich die Leute vor und in den Geschäften oder manchen Lokalen tummeln. <BR /><BR /><b><Fett_Akzidenz>Die Antwort darauf müssen wohl andere geben, auch wie Weihnachten heuer wohl stattfinden darf. Aber eines ist sicher: Ihr Buch „Mia mag Geheimnisse“ schafft dennoch ein wenig Adventsstimmung. Wie geht es dann für Sie bzw. Ihre kleinen wie großen Buchhelden (z.B. die Krimireihe „Lovis ermittelt“) im Jahr 2021weiter?</Fett_Akzidenz></b><BR />Troi: Lesungen sind derzeit ja leider kaum möglich. Da wären einige geplant gewesen, mussten aber Corona-bedingt abgesagt werden. Außerdem gab es letzthin eine kleinere Online-Lesung für das Theaterpädagogische Zentrum (TPZ) Brixen, wobei das auf die Dauer keine Lösung sein kann – ohne Publikum keine direkte Rückmeldung. Dafür aber freue ich mich umso mehr, wenn es Leser-Reaktionen oder Besprechungen auf den gängigen Buchplattformen im Netz gibt. Das ist immer ein guter Anhaltspunkt in der Arbeit als Autorin. <BR /><BR /><b><Fett_Akzidenz>Und auch ein paar weitere Neuerscheinungen sind geplant, nicht?</Fett_Akzidenz></b><BR />Troi: Genau. Im Frühjahr hat der Servus-Verlag meinen zweiten Krimi aus der Reihe „Lorenz Lovis ermittelt“ im Programm. Parallel dazu arbeite ich derzeit an einer Kinderkrimi-Reihe für den Obelisk-Verlag. Im Herbst 2021 sollen bereits zwei Bände erscheinen. Nicht zu vergessen ein weiteres Kinderbuchprojekt mit der Illustratorin Evi Gasser, das eine Art Zeitreise in die Südtiroler Geschichte sein wird.<BR /><BR /><b><Fett_Akzidenz>Also langweilig wird es da im Homeoffice nicht. Aber was sich jetzt manche Nachwuchsautoren fragen: Kann man davon leben?</Fett_Akzidenz></b><BR />Troi (lacht): Nein, so ehrlich muss ich sein. Der Autor verdient immer am wenigsten an einem Buch, mehr wie als ein Café geht sich nach ein paar verkauften Exemplaren nicht aus. Aber es macht mir Freude, ganz einfach.<BR /><BR />