Wie sie an ein Kinderbuch herangeht, welche Bedeutung Preise für sie haben, was sie mit ihren Illustrationen bewirken möchte, und von einem ganz besonderen Erlebnis im Zusammenhang mit einem ihrer ersten Bücher, „Das rote Paket“, erzählt sie im Gespräch.<b><BR /><BR />Wie war Reaktion, als Sie von dem Preis erfahren haben?</b><BR />Linda Wolfsgruber: Es ist eine große Freude, dass ich auserwählt bin als 2. Künstlerin diesen Preis entgegenzunehmen, der noch dazu nach Christine Nöstlinger benannt ist. Sie ist eine große Literatin, die große Literatur für Kinder und Jugendliche geschrieben hat. Ich habe ihre Bücher erst spät kennen gelernt, als ich in Wien war.<BR /><BR /><BR /><b>„Es gibt wohl kaum eine Buchillustratorin, die so oft ausgezeichnet wurde. Die aus Bruneck stammende Künstlerin Linda Wolfsgruber ist mit ihren Werken weltweit bekannt“, schrieb Eva Gratl im vergangenen Frühling in den „Dolomiten“. Was bedeuten Auszeichnungen für Sie?</b><BR />Wolfsgruber: Jede Auszeichnung ist ein Ansporn weiterzumachen, ein Preis zeigt, dass man auf dem richtigen Weg ist. <BR /><BR /><BR /><b>Wie gehen Sie an einen Text heran, wie erarbeiten Sie die Bilder dazu?</b><BR />Wolfsgruber: Der Entstehungsprozess ist von Buch zu Buch verschieden. Ich erhalte Manuskripte von Autorinnen und Autoren, dann muss ich mich auf das Thema einlassen. In meine Welt kommt dann etwas Neues. Bei Büchern, die ich selber mache, habe ich oft ein Bild, eine Idee. Bei beiden ist es so, dass der Leser auch eigene Bilder zu dem Geschehen hat und es entsteht durch die Illustration eine neue Ebene. Mir ist es immer wichtig, dass die Bilder noch Raum geben für Fantasie, Raum geben zum Entdecken und die Gedanken schweifen zu lassen. Sie sollen auch Ansporn sein zum Weiterdenken. Dieser Freiraum zum Weiterdenken ist sehr wichtig. <BR /><BR /><BR /><b>Die Jury hebt Ihre Wandlungsfähigkeit hervor. Welche Phase im Entstehungsprozess lieben Sie besonders?</b><BR />Wolfsgruber: Mit der Wandlungsfähigkeit ist wohl gemeint, dass ich in verschiedenen Techniken arbeite. Diese Möglichkeit birgt eine große Freiheit in sich. Je nach Stimmung des Textes wähle ich eine entsprechende Technik, für Stimmungen und Landschaften male ich flächig mit Farben, für Sagen wähle ich eher die Radierung oder Zeichnung um das Kantige hervorzuheben. Ich mache die Bücher so wie ich es spüre. Am liebsten ist mir immer die Phase in der Mitte, die Phase nach der Recherche, die Phase der Umsetzung, wenn man im Fluss drinnen ist.<BR /><BR /><BR /><b>Wie reagieren Kinder auf Ihre Bücher?</b><BR />Wolfsguber: Ich habe auch viel mit Kindern in Südtirol gearbeitet, 13 Jahre war ich viel in Kindergärten unterwegs. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Workshop zu einem meiner ersten Bücher, „Das rote Paket“: Wir haben ein Paket gebastelt und haben es uns weitergeschenkt und uns etwas gewünscht. Wir haben es hinter den Vorhang gelegt. Und dann war das Paket verschwunden. Wahrscheinlich hat ein Kind genau dieses Paket gebraucht – zum Weiterschenken mit einem besonderen Wunsch... <h3> Die Begründung der Jury</h3>Der von der Stadt Wien, Christine Nöstlingers Buchstabenfabrik und dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels gemeinsam ausgerichtete Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. <BR /><BR />„Seit bald 4 Jahrzehnten schenkt die Künstlerin Linda Wolfsgruber Kindern das Glück von Bildern, die sie in Träume ziehen, das Herz weiten und kostbare innere Zustände spürbar machen. In ihrem mittlerweile über 70 Bücher umfassenden Werk lässt sie zu Kinderbuch-Texten renommierter Autorinnen und Autoren zärtliche visuelle Resonanzräume erstehen. Stil ist bei dieser Illustratorin nicht ein gleichbleibendes besonderes Gepräge, sondern vielmehr Wandlungsfähigkeit. Wolfsgruber ist eine Meisterin darin, sich auf Erzähltes einzustellen, hineinhorchend stets neue Zugänge und Techniken zu finden und diese mit liebevoller Sorgfalt umzusetzen“, urteilt die Jury. <BR /><BR />Wolfsgruber habe einen Blick „für feine Gefühlsnuancen und Stimmungen, die sich einfachen Zuschreibungen entziehen, ebenso wie für die Kostbarkeit und Schönheit des vermeintlich Nebensächlichen“.<h3> Die Freude der Töchter</h3> „Wie Christine Nöstlinger machte Linda Wolfsgruber eine Grafik-Ausbildung und arbeitet als Illustratorin und Texterin. In ihren Büchern spielt sie mit doppelten Bedeutungen von Text und Bild, ihre Figuren sind keine Superhelden, sondern Menschen und Tiere, die auf sympathische, oft solidarische Art handeln“, so die Nöstlinger-Töchter Christiana Nöstlinger und Barbara Waldschütz. „Linda Wolfsgruber regt durch ihre innovativ-künstlerischen Bilderbücher zum Vorlesen an und vereint in kreativen Sprachspielen die wichtigen Elemente von Sprache, Bild, Klang und Aktivität. Ihre Bücher tragen so aktiv zur Leseförderung und Lesefreude bei.“<h3> Glückwunsch aus Südtirol</h3>Landesrat Philipp Achammer zeigt sich über die Entscheidung erfreut: „Mit Linda Wolfsgruber wird eine Südtiroler Künstlerin ausgezeichnet, die seit vielen Jahren mit ihren liebevoll und abwechslungsreich gestalteten Illustrationen und ihrer immer weiter entwickelten grafischen Techniken Geschichten, Erzählungen und Texte nicht nur Kindern zugänglich macht.“ Mit ihrer Arbeit und ihren Bilderbüchern fördere sie das Lesen und entfache Lesefreude, ganz im Sinne der 2018 verstorbenen Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger.<BR /><BR />Erster Preisträger des Christine-Nöstlinger-Preises war 2021 der Autor und Illustrator Michael Roher.<BR />Der Preis wird am 19. April in Wien vergeben werden. <BR />