Montag, 26. Juli 2021

László Krasznahorkai erhält Österreichischen Staatspreis

Der ungarische Schriftsteller László Krasznahorkai (67) ist am heutigen Montag im Solitär der Universität Mozarteum Salzburg mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur ausgezeichnet worden. Die mit 25.000 Euro dotierte Ehrung wurde von Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) überreicht.

László Krasznahorkai hat den Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur gewonnen.
László Krasznahorkai hat den Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur gewonnen. - Foto: © shutterstock
Krasznahorkai sei ein „ungarischer Europäer“ und „ein auf vielen Kontinenten beheimateter Weltbürger“, der einzigartig in seinem Stil sei, hemmungslos in der Schaffung realer und surrealer Szenen, maßlos in seinen Sätzen. Auf diese ausufernden Sätze ging auch Laudator Klaus Kastberger ein. Sein Mitte Oktober in deutscher Übersetzung bei S. Fischer erscheinende Roman „Herscht 07769“ bestehe etwa aus einem einzigen langen Satz.

Krasznahorkai genieße Kultstatutus im englischsprachigen Raum

In dem Buch, vom Verlag angekündigt als „Roman voll beängstigender deutscher Gegenwart, mit melancholischem Humor und abgründigem Sarkasmus“, geht es um die Zustände einer kleinen Stadt in Thüringen, aber auch um ein Bach-Ensemble. Wohl nicht zuletzt deshalb war die Wahl der Musikstücke, mit denen der junge finnische Pianist Joonas Ahonen den Festakt untermalte, auf Bach und Ligeti gefallen.

Diese Sätze hätten im deutschsprachigen Raum trotz hervorragender Übersetzungen dazu beigetragen, dass Krasznahorkai hierzulande „noch fast ein Geheimtipp“ sei, während er im englischsprachigen Raum „fast Kultstatus“ genieße, sagte Kastberger und zitierte einen Ausspruch von Susan Sontag, wonach der Autor „der ungarische Meister der Apokalypse“ sei - eine menschengemachte Apokalypse freilich, denn Krasznahorkai bezöge sich immer auf den Verlust des Humanismus in der Gesellschaft.

Während Kastberger literarische Verwandtschaften zu Thomas Bernhard, Franz Kafka und Samuel Beckett ins Treffen führte, fanden sich in der als Aufzählung angelegten Dankesrede des Geehrten neben Bernhard und Kafka auch Ludwig Wittgenstein, Rainer Maria Rilke, Heimito von Doderer, Jimi Hendrix, Bob Dylan und Patti Smith. Er dankte aber auch dem Erschaffer der Natur, der ungarischen Sprache und zuletzt: „dem Gott“.

„Ein Meister der literarischen Intensität

„László Krasznahorkai ist ein Meister der literarischen Intensität. In komplex verflochtenen Sätzen beschreibt er in seinen Erzählungen und Romanen heruntergekommene Wirklichkeiten, enttäuschte Hoffnungen sowie die Gewalt gesellschaftlicher Zusammenhänge. Er entwirft verstörende Panoramen der ungarischen Kleinstadt, begibt sich auf Expeditionen in weit entfernte Weltgegenden und kehrt doch immer wieder zu den Verhältnissen seines Heimatlandes zurück“, hatte die Jury, die neben dem Germanisten und Literaturkritiker Kastberger aus den Autoren Xaver Bayer und Paulus Hochgatterer, der Journalistin Karin Cerny und der Verlagsleiterin Claudia Romeder bestand, ihre Wahl begründet.

Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur wird jährlich für das literarische Gesamtwerk einer europäischen Autorin oder eines europäischen Autors verliehen, das international besondere Beachtung gefunden hat. Das Werk muss auch in deutschsprachiger Übersetzung vorliegen. Zu den bisherigen Preisträgern zählen der spätere Literaturnobelpreisträger Patrick Modiano (2012), Mircea Cartarescu (2015), Karl Ove Knausgard (2017), Zadie Smith (2018) oder Michel Houellebecq (2019). Im Vorjahr wurde Drago Jancar ausgezeichnet.

apa