Donnerstag, 15. März 2018

Leipziger Buchmesse startet: Kultur als Motor für Europa

Die Leipziger Buchmesse hat gegen Nationalismus und Engstirnigkeit zum Auftakt bewusst die europäische Perspektive in den Mittelpunkt gestellt. Auf zahlreichen Veranstaltungen ging es am Donnerstag um die Zukunft in der Gemeinschaft, die Rolle der Literatur für die Demokratie und den Umgang mit Minderheiten.

Unter dem Motto „Zoom in Romania“ stellte sich Rumänien mit einer vielfältigen Literaturszene als offizieller Gast der Buchmesse vor.
Unter dem Motto „Zoom in Romania“ stellte sich Rumänien mit einer vielfältigen Literaturszene als offizieller Gast der Buchmesse vor. - Foto: © shutterstock

Unter dem Motto „Zoom in Romania“ stellte sich Rumänien mit einer vielfältigen Literaturszene als offizieller Gast der Buchmesse vor. Für den Auftritt wurden 40 Bücher wichtiger Autoren neu ins Deutsche übersetzt. Georgien, diesjähriges Gastland der Frankfurter Buchmesse im Oktober, kündigte insgesamt gut 450 Veranstaltungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz an.

Mit Spannung wurde am Nachmittag die Vergabe des renommierten Leipziger Buchpreises erwartet. Die mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Auszeichnung wird traditionell in den drei Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung vergeben. Im vergangenen Jahr hatte die aus der Ukraine stammende Autorin Natascha Wodin mit ihrer autobiografischen Spurensuche „Sie kam aus Mariupol“ den Preis in der Sparte Belletristik erhalten.

Rumänien als Gastland

Bei der Vorstellung des Gastlandes Rumänien standen große Autoren wie Varujan Vosganian („Buch des Flüsterns“), Norman Manea („Der schwarze Briefumschlag“) und Mircea Dinescu („Exil im Pfefferkorn“) für die Vielfalt der rumänischen Literatur.

„Rumänien ist ein wunderbares Land mit einer wunderbaren Literatur, das aber erst noch entdeckt werden muss“, sagte Buchmesse-Direktor Oliver Zille. Der rumänische Außenminister Teodor Melescanu hatte schon bei der Eröffnungsfeier am Vorabend für einen „vorurteilsfreien Blick“ auf Rumänien geworben.

„Unsere Verpflichtung gegenüber dem europäischen Projekt ist stärker denn je“, sagte er. Der Auftritt als Gastland der Messe könne dazu beitragen, der bevorstehenden Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch Bukarest zum Erfolg zu verhelfen. Bis zum Sonntag stellen zahlreiche rumänische Autoren bei rund 70 Veranstaltungen ihre Werke vor.

300.000 Besucher werden erwartet 

Bei Kinderbüchern liegen in diesem Jahr Erzählungen über Mut und Entschlossenheit im Trend, wie Christine Kranz von der Jury des „Leipziger Lesekompasses“ sagte. Von den insgesamt 9.000 Neuerscheinungen für Kinder und Jugendliche schafften es 30 Titel in die diesjährigen Empfehlungen. Sie sind als Orientierung für Lehrer, Eltern und Bibliothekare gedacht.

Insgesamt stellen bei der Buchmesse mehr als 2.600 Verlage aus 46 Ländern ihre Neuerscheinungen vor. Bis zum Sonntag werden rund 300.000 Besucher erwartet. Zum Auftakt am Donnerstag bildeten sich bei frühlingshaftem Wetter schon vor Beginn lange Schlangen vor der Messe. Ein Anziehungspunkt für junge Leute ist alljährlich die gleichzeitig laufende Manga-Comic-Con.

Norwegische Schriftstellerin Åsne Seierstad erhält Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung

Am Mittwoch war der traditionelle Branchentreff mit einem Aufruf zu Meinungsfreiheit, Vielfalt und Toleranz eröffnet worden. Bei dem Festakt im Gewandhaus erhielt die norwegische Schriftstellerin Åsne Seierstad den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Ihr Buch „Einer von uns“ über den norwegischen Massenmörder Anders Breivik geht der Frage nach, wie es zu der grausamen rechtsextremistischen Gewalttat kommen konnte.

Nach den Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Aktivisten bei der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Jahr sorgt auch in Leipzig der Auftritt rechter Verlage für Diskussionen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer forderte bei der Eröffnung eine offensive Auseinandersetzung mit dem Populismus. „Holen wir diese Menschen raus aus der Märtyrerrolle, rein ins Licht der Öffentlichkeit“, sagte er. „Vertrauen wir auf unsere Haltung und Werte.“

apa/dpa

stol