Dienstag, 31. März 2020

Nobelpreis für Jugendliteratur geht an Südkoreanerin

Nicht Janosch, nicht Franz Hohler, nicht Frida Nilsson: Die südkoreanische Illustratorin Baek Heena wird mit dem größten Kinder- und Jugendbuchpreis der Welt ausgezeichnet: dem Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis.

Baek Heena st in Europa eher unbekannt,
Baek Heena st in Europa eher unbekannt, - Foto: © Astrid Lindgren Memorial Award
Baek werde für ihr außergewöhnliches Gespür für Materialien, Aussehen und Gestiken ausgezeichnet, mit denen sie in ihren Bilderbüchern Geschichten über die Einsamkeit, Begegnungen und Gemeinschaft von Kindern in Szene setze, teilte die zuständige Jury am Dienstag in Stockholm mit.


„Ihre Arbeit ist eine Tür zum Wunderbaren: sinnlich, scharf und schwindelerregend“, sagte die Jury-Vorsitzende Boel Westin bei der Bekanntgabe. „Die Bilder sind wie kleine Kunstwerke, die Kinder in jedem Alter und selbst Erwachsene genießen können.“

Der Preis


Der nach der 2002 verstorbenen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren („Pippi Langstrumpf“, „Michel aus Lönneberga“, „Karlsson vom Dach“) benannte Preis gilt als wichtigste Ehrung für Kinder- und Jugendliteratur weltweit. Manche bezeichnet ihn auch als Nobelpreis für Jugendliteratur. Dotiert ist die Auszeichnung mit einem Preisgeld von fünf Millionen schwedischen Kronen (rund 455 000 Euro).

Die Illustratorin


Baek ist in Europa eher unbekannt, zählt in Südkorea aber zu den berühmtesten Bilderbuch-Künstlerinnen des Landes. Dort hat sie bisher 13 Bilderbücher veröffentlicht. Ihr Debüt feierte sie 2004 mit „Cloud Bread“ (deutsch: Wolkenbrot), einer Erzählung über einen regnerischen Morgen, an dem zwei Kätzchen eine Wolke finden und diese mit nach Hause nehmen. Ihre Mutter backt später magisches Brot aus dieser Wolke, das ihnen das Fliegen ermöglicht. Das Werk galt später als Vorlage für eine Fernsehserie, ein Musical und Spielzeug.


Als sie per Telefon von Westin über ihre Wahl informiert wurde, war Baek hörbar irritiert. „Ich bin die Gewinnern? Oh, danke!“, sagte die Südkoreanerin. Später fand sie im Gespräch mit schwedischen Medien ihre Worte wieder. Sie habe die frohe Botschaft am Telefon zunächst kaum verstehen können, sagte sie. „Ich kann kaum glauben, dass das wahr ist.“

Das Werk


Baek stammt aus Südkoreas Hauptstadt Seoul, in der sie 1971 geboren wurde. Nach dem Studium in ihrer Heimatstadt sowie in Kalifornien arbeitete sie zunächst in der Werbe- und Multimediabranche, begann nach der Geburt ihrer Tochter aber mit dem Erschaffen eigener Kinderbücher. In diesen Werken erzeuge sie „minuziös aufgebaute Bilderbuchwelten, die verwundern und berühren“, hieß es von der Jury. Sie verlasse in ihren Erzählungen nie die kindliche Perspektive und setze unerschütterlich auf die Kraft des Spielens und der Fantasie.
Auf Publikum wurde bei der Bekanntgabe wegen der Corona-Pandemie diesmal verzichtet. Die für den 1. Juni geplante Preisübergabe im Stockholmer Konzerthaus wird wegen der Umstände zunächst aufgeschoben.

Astrid Lindgren

Trotz Corona-Krise steht das Jahr 2020 für Fans von Astrid Lindgren dennoch in einem besonderen Licht: Die erste Veröffentlichung eines Lindgren-Werks über das starke Mädchen Pippi Langstrumpf jährt sich in diesem Jahr zum 75. Mal. Zum Jubiläum soll es rund um den Geburtstag von Lindgrens Tochter Karin Nyman am 21. Mai zahlreiche Aktionen in Schweden, Deutschland und weiteren Ländern geben – wenn es die Corona-Beschränkungen denn ermöglichen.



eva/apa