Donnerstag, 09. März 2017

Literatur Lana: Gespräch über Adalbert Stifters „Witiko“

Zwei unterschiedliche Lesarten zu Stifters „Witiko“ bietet Literatur Lana am 15. März im Kunsthaus Meran mit dem Südtiroler Literaturwissenschaftler und Übersetzer Felix Reinstadler und dem Wiener Dichter Michael Donhauser.

Felix Reinstadler begibt sich in seinem Vortrag „Wort und Verantwortung“ auf den Schauplatz des Krieges im 12. Jahrhundert. - Foto: Literatur Lana
Felix Reinstadler begibt sich in seinem Vortrag „Wort und Verantwortung“ auf den Schauplatz des Krieges im 12. Jahrhundert. - Foto: Literatur Lana

Zwar wurde er allseits bewundert, aber wenig gelesen und noch schwerer fand er die Aufmerksamkeit der literarischen und wissenschaftlichen Zuwendung. Dabei legte Adalbert Stifter mit dem Roman „Witiko“ ein breit angelegtes Werk vor, das die Geschichte seines besonnenen Helden ebenso dicht und sprachlich hintergründig nachzeichnet wie die Gründung des Adelsgeschlechts der Witigonen.

Adalbert Stifter schrieb 10 Jahre an diesem Großwerk, in dessen Zentrum Witiko steht, der sein Tun der Frage nach dem Guten wie nach dem Rechten unterwirft. Witiko erweist sich durch alle Wirrungen missglückter Erbfolge und daraus resultierender Kriege hindurch als moralisch standhaft, auch dann, wenn sein Tun nicht ausschließlich den gegebenen Normen entspricht.

Felix Reinstadler begibt sich in seinem Vortrag „Wort und Verantwortung“ auf den Schauplatz des Krieges im 12. Jahrhundert, den der historische Roman aufzeichnet. Out of date? „Krieg ist ja schier immer“, sagt Witiko. Im Fokus steht aber nicht der Kampf mit dem Schwert, sondern der Sprachgebrauch und die Rhetorik der Diplomatie.

Ganz anders der Dichter Michael Donhauser. „Paraphrase“ heißt sein Werk im Untertitel, das sich dem großen Klassiker widmet und das Geschehen des Romans von Stifter nicht nur in seiner Handlung, sondern viel mehr in seinem poetischen und reflexiven Handeln nachzeichnet.

„Waldwand“ erzählt den enigmatischen Text Stifters, der „Menschengeschichte in Naturgeschichte“ (Ulrich Greiner) verwandelt, und geht seinem epischen Zauber auf den Grund.

Indem er erklärend, zitierend und berichtend Stifters Dichtungsversuch abschreitet, entsteht ein einzigartiger Text von unbekannter Gattung: Poesie, Epik und Philologie verschmelzen zu einem Leseerlebnis und entwerfen in solcher Einfühlung und Durchdringung eine Poetologie der eigenen Schreiberfahrung.  

Die Veranstaltung findet am 15. März um 20.30 Uhr im Kunsthaus Meran statt.

stol

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