Der Franzose Patrick Modiano (69) bekommt den Literaturnobelpreis 2014. Das gab die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm bekannt. Damit geht der Preis zum 15. Mal nach Frankreich. Das Werk des Schriftstellers thematisiere Erinnerung, Vergessen, Identität und Schuld, erklärte die Schwedische Akademie. Modiano beherrsche die Kunst der Erinnerung, mit der er die unbegreiflichsten menschlichen Schicksale wachgerufen habe.Liebe, Besatzung – das sind die Themen, aus denen der französische Nobelpreisträger für Literatur Patrick Modiano seine Inspirationen schöpft. Egal ob in seinem jüngsten Buch „Der Horizont“, in „Unfall in der Nacht“ oder „Aus tiefstem Vergessen“, der 69-Jährige beschreibt in seinen Werken Erinnerungen an seine unglückliche Kindheit im Paris der Nachkriegszeit.„Ich versuche bei den Menschen und den Dingen die Schicht des Vergessens zu durchstoßen“, sagte der medienscheue Autor in einem seiner wenigen Interviews vor etwas mehr als einem Jahr.Modiano wurde am 30. Juli 1945 in Boulogne-Billancourt bei Paris als Sohn eines jüdischen Kaufmanns und einer flämischen Schauspielerin geboren. Beide hatten sich während der deutschen Besatzungszeit kennengelernt. Modiano wuchs zunächst bei den Großeltern auf und verbrachte dann seine Jugend im Internat. Der Tod seines zehnjährigen Bruders war ein Schock für ihn. Modianos Arbeiten von 1967 bis 1982 sind ihm gewidmet.Im Jahr 2010 erhielt der Franzose den Preis der SWR-Bestenliste für „Place de l'Étoile“. Das Buch, mit dem er in Frankreich unter demselben Titel 1968 sein Debüt feierte, handelt von einem jungen Mann in Paris zur Zeit des Nationalsozialismus. In dem Roman beschreibe der Autor „Erinnerungsbilder aus der Vergangenheit, die viele Schattierungen von Sehnsucht aufweisen“, hieß es damals in der Begründung. In Frankreich gilt Modiano deshalb auch als Autor gegen das Vergessen.Modiano hat rund 30 Bücher verfasst. Er ist mehrfach preisgekrönt: Im Jahr 1978 erhielt er für „Die Gassen der dunklen Läden“ den begehrten französischen Prix Goncourt. 2012 wurde er mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur ausgezeichnet.2013 hatte die Kanadierin Alice Munro den Preis als „Meisterin der zeitgenössischen Kurzgeschichte“ erhalten. Letzte deutschsprachige Preisträger waren Herta Müller (2009), Elfriede Jelinek (2004) und Günter Grass (1999). Der Literaturnobelpreis wird seit 1901 vergeben.Die wichtigste Literaturauszeichnung der Welt ist wie die anderen Nobelpreise mit 8 Millionen schwedischen Kronen (rund 880 000 Euro) dotiert. Verliehen wird sie traditionell am 10. Dezember in der schwedischen Hauptstadt. Das ist der Todestag des schwedischen Preisstifters und Industriellen Alfred Nobel (1833-1896). An diesem Tag werden auch die wissenschaftlichen Auszeichnungen verliehen.Als einzige der Auszeichnungen wird der Friedensnobelpreis nicht in Stockholm, sondern in Oslo verliehen. Wer den Preis in diesem Jahr bekommt, soll an diesem Freitag in der norwegischen Hauptstadt verkündet werden. 2013 war die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) geehrt worden.Strenge Regeln zur Vergabe:Die Akademie hat normalerweise 18 Mitglieder – derzeit ist ein Sitz frei. Sie werden von der Akademie selbst auf Lebenszeit gewählt. Bis zur endgültigen Abstimmung über einen Preisträger liegt die Hauptarbeit beim Nobelkomitee mit fünf Mitgliedern. Es wird für drei Jahre gewählt. Zurzeit gehören dazu: Per Wästberg (80) als Vorsitzender, die Schriftsteller Horace Engdahl (65), Kjell Espmark (84), Katarina Frostenson (61) und Kristina Lugn (65). Über die Beratungen für den Nobelpreis muss 50 Jahre Stillschweigen bewahrt werden.Die Auswahl der Kandidaten verläuft schrittweise. Zuerst lädt das Nobelkomitee 600 bis 700 Personen oder Organisationen per Brief dazu ein, geeignete Literaten für das kommende Jahr vorzuschlagen. Empfehlungen können aber auch ehemalige Preisträger, Sprach- und Literaturwissenschaftler, wissenschaftliche Einrichtungen und Autorenorganisationen abgeben. Niemand darf sich selbst benennen.Spätestens bis zum 31. Jänner müssen die Vorschläge in Stockholm vorliegen. Für 2014 gab es nach Angaben der Organisatoren 210 gültige Vorschläge. Das Nobelkomitee erstellt Namenslisten, die in der Akademie schließlich auf fünf Kandidaten reduziert werden.Jedes Akademie-Mitglied – darunter schwedische Schriftsteller, Linguisten, Historiker und andere – beschäftigt sich dann mit dem Werk der Nominierten und erstellt Berichte.Anfang Oktober wird der Preisträger durch Wahl bestimmt. Er muss mehr als die Hälfte der Stimmen bekommen. Das Geld für die Nobelpreise stiftete der Chemiker, Erfinder und Multimillionär Alfred Nobel (1833-1896).