Als thematischer Faden zieht sich das Thema „Frauen und Politik“ durch den Kalender. Frauen- und Menschenrechte sind Uralt-Themen, die zu verteidigen sind. In politisch schwierigen Zeiten sind sie gefährdet, werden in Frage gestellt. Alchemilla greift hier ein und positioniert sich klar. Die Monatsübersichten im Frauenkalender beinhalten Zitate aus Sofi Oksanens Essay „Putins Krieg gegen die Frauen“ (2024). <BR /><b>Von Heidi Hintner</b><BR /><BR /><BR />Gabi Veit hat mit der Technik der Kaltnadelradierung die komplexen Inhalte abstrakt abgebildet. Entstanden ist eine schöne, ansprechende Grafik, zart, klar und stark. Ein Gespräch mit der Grafikerin und Künstlerin.<BR /><BR /><b>Sie haben viele Alchemilla-Frauenkalender gestaltet. Die Ausgabe 2025 leuchtet in Rosa und erscheint mit neuem Logo. Wie sind Sie bei der Arbeit vorgegangen und was ist Ihnen bei der Gestaltung besonders wichtig?</b><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1096311_image" /></div> <BR /><BR />Gabi Veit: Wichtig ist mir Klarheit in der Gestaltung. Mit einer einfachen und serifenlosen Schrift, die sich durch den ganzen Kalender zieht, erziele ich gute Lesbarkeit. Die Rubriken sollen mit einfachen Mitteln wiedererkennbar sein. Wir haben uns von Anfang an für eine Gestaltung in nur 2 Farben entschieden. 2025 ist die Schmuckfarbe ein Rosaton (übrigens zum ersten Mal bei 29 Ausgaben). Es gibt immer wieder die Möglichkeit, gestalterisch in den Raster einzugreifen und für Abwechslung und Bewegung zu sorgen. Wichtig ist aber in erster Linie die Vermittlung des Inhalts. Die Grafik soll im Hintergrund bleiben und Freude am Durchblättern und Lesen bereiten. <BR /><BR /><b>Und wie hat der Frauenkalender dann Form angenommen?</b><BR />Veit: Die Gestaltung des Frauenkalenders erfolgt in mehreren Etappen: <BR />Die verschiedenen Kalendarien mit den Feiertagen, den internationalen Gedenktagen und den Mondphasen beginne ich bereits im März. Die Gestaltung der Monatsseiten ist eine schöne Aufgabe. Diese Seiten leiten jedes Jahr mit freien Arbeiten die Monate ein. <BR /><BR />Im Juni präsentiere ich den Alchemillen 3 gestalterische Zugänge. Dieses Mal waren es 3 sehr unterschiedliche Konzepte: Kaltnadelradierungen, Fotografien und Zeichnungen. Die Alchemillen wählen einen Entwurf aus, und ich gestalte in den Sommermonaten die Doppelseiten. Dieses Mal mit Grafik auf der linken Seite und mit Zitaten von Sofi Oksanen auf der rechten Seite. <BR /><BR />Der dritte Teil der Gestaltung betrifft die Gestaltung der Textseiten und der Seiten für die Sponsorinnen. Diese Arbeit beginnt im Juli und geht bis in den September. Da bin ich im steten Austausch mit der Koordinatorin. Das ist ein stetes Hin und Her, Platzieren, Verschieben und Fixieren. Bis wir Anfang September alles zur Lektüre an die Lektorinnen schicken. Die letzten Korrekturen werden gemacht, und das Manuskript wird in die Druckerei geschickt.<BR /><BR /><b>12 künstlerische Arbeiten durchziehen den Frauenkalender: 12 Kaltnadelradierungen. Die weichen Linien und die subtile Textur, die durch das Kratzen in die Metallplatte entstehen, zeigen eine direkte Verbindung zwischen Künstlerin und Werk. Wie beeinflusst diese spontane und intuitive Arbeitstechnik die Ausdrucksweise und Ästhetik der dargestellten Motive?</b><BR />Veit: Die Technik der Kaltnadelradierung fasziniert mich. Einerseits muss ich kraftvoll und mutig mit einem spitzen Gegenstand die Metallplatte bearbeiten, andererseits will ich die Linie kontrollieren, dass das Bild entsteht, das ich mir vorstelle. Dieses Spiel zwischen Klarheit und Spontaneität, zwischen Laufenlassen und Improvisieren, zwischen einer vorgefertigten Idee und dem Reagieren auf das, was entsteht, macht meine Arbeit aus. Konzentration auf dem Moment und Neugierde auf das Ganze sind gefragt. Mit einer Grundidee gestalte ich gleich mehrere Platten, die ich unterschiedlich bearbeite. So bin ich frei von meiner eigenen Vorstellung. Anschließend wähle ich die Platten aus, die ich für gelungen halte und drucke sie.<BR /><BR /><b>Gibt es die Radierungen auch als eigene Kunstwerke zu sehen oder haben Sie sie lediglich für die grafische Gestaltung des Frauenkalenders verwendet?</b><BR />Veit: Für die Gestaltung des Frauenkalenders habe ich Ausschnitte aus verschiedenen Radierungen verwendet.<BR /><BR /><b>Heuer haben Sie auch ein neues Alchemilla-Logo kreiert. Eine faszinierende Mischung aus Herausforderung, Kreativität und der Chance, Schönes zu gestalten?</b><BR />Veit: Die Gestaltung eines Logos ist eine große Herausforderung und eine grafische Freude. Es geht um die Frage, wie wir viel Inhalt auf eine einfache Grafik reduzieren, die schnell erfasst wird und im Gedächtnis bleibt. Bei der Gestaltung des Logos bin ich im steten Austausch mit den Alchemillen gestanden. Meine Arbeitsweise ist die des Zuhörens und des Austauschs, des Anbietens und des Verdichtens. Das Logo besteht aus einer Bild- und einer Schriftmarke. Beide können getrennt und gemeinsam auftreten. <BR /><BR /><b>3 Fragen an...Martha Stecher, Alchemilla-Präsidentin</b><BR /><BR /><b>Alchemilla berichtet und schreibt kritisch und engagiert und ordnet aktuelle Ereignisse aus feministischer Perspektive ein. Dadurch wird die Sicht der Frauen ganz selbstverständlich im öffentlichen Diskurs verankert. Heuer erscheint bereits die 29. Ausgabe des Südtiroler Frauenkalenders. Warum haben Sie für 2025 den Fokus auf „Frauen und Politik“ gelegt?</b><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1096314_image" /></div> <BR /><BR />Martha Stecher: Alle Ausgaben des Frauenkalenders sind politisch. Unsere Themen hatten und haben immer eine politische Dimension; heuer unterstreichen wir diesen Fokus und beleuchten ihn besonders. Einige Themen und Forderungen sind Dauerbrenner und auch seit Jahrzehnten immer dieselben unter sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen: gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Vermeidung der vorwiegend weiblichen Altersarmut, Maßnahmen gegen Gewalt und Gewaltprävention… All diese Themen haben eine imminente politische Dimension. Veränderung braucht aktive Teilhabe. Frauen sind in der Politik immer noch zu wenig präsent, es ist ein zu langsamer Prozess. Jede Initiative in Richtung Forderung nach gleicher Präsenz und aktiver Mitgestaltung in allen Bereichen, ist wichtig. In Hinblick auf die Gemeinderatswahlen 2025 wollen wir Frauen ermutigen, Politik aktiv mitzugestalten. <BR /><BR /><b>Welche (politischen) Botschaften und Inhalte will Alchemilla vermitteln?</b><BR /><BR />Stecher: Wir zeigen Fakten auf, wir vertiefen Themen, Frauen kommen zu Wort. Frauenleben in den unterschiedlichsten Facetten bekommt im Frauenkalender eine Bühne. Wir wollen Frauen ermutigen, sich aktiv und konsequent einzumischen und sich Gehör zu verschaffen und geben ihnen Sichtbarkeit. <BR /><BR /><b>Wir leben in politisch schwierigen Zeiten – Krieg, Krisen, konservativer Backlash, Rechtsruck. Die Dringlichkeit des Feminismus ist immer noch aktuell. Welchen Beitrag leistet hier Alchemilla?</b><BR /><BR />Stecher: Ja, global und regional haben wir altbekannte Themen und Ungerechtigkeiten in Bezug auf Frauenrechte und in Bezug auf Menschenrechte. Frauenrechte sind Menschenrechte, beide werden in vielen Orten der Welt mit Füßen getreten. Dass es auch in Südtirol einer aktiven Politik zur Gleichstellung bedarf, sehen wir am Maßnahmenkatalog von AEQUITAS, dem Südtiroler Gleichstellungsplan. Alchemilla will mit dem Frauenkalender 2025 einen Beitrag dazu leisten. <BR /><BR /><b>3 Fragen an...Simonetta Nardin, Koordinatorin</b><BR /><BR /><b>Für die Ausgabe 2025 gab es bei Alchemilla erstmals eine doppelte und sprachenübergreifende Führungsspitze in der Redaktion. Gemeinsam konnten wir zwei die Vielfalt, Themen und Perspektiven erweitern...</b><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1096317_image" /></div> <BR /><BR />Simonetta Nardin: Unser Austausch über diverse Themen war äußerst wichtig und ertragreich: Bei einigen Ideen waren wir uns sofort einig, bei anderen haben wir lange diskutiert. Das Verständnis für den Standpunkt der anderen war ein wichtiger Teil des Prozesses. Zwei Blickwinkel zu haben, die zwar sehr im Einklang, aber auch sehr unabhängig voneinander sind, hat die Perspektiven sicherlich erweitert.<BR /><BR /><b>Teamarbeit fördert eine kooperative Dynamik und Arbeitsumgebung, in der Ideen und Konzepte gemeinsam entwickelt werden. Dies kann die Kreativität und Freude innerhalb der Redaktion steigern. Ein Vorbild für Frauen in der Branche und für weibliches Empowerment?</b><BR /><BR />Nardin: Sicherlich. Frauen haben eine große Chance, wenn sie sich gegenseitig unterstützen können und Verbundenheit leben, konkret, täglich, im Alltag. Im Denken und Handeln. Unabhängig von Alter, Sprachgruppe oder Bildung teilen sie eine Weltanschauung, die diese gegenseitige Unterstützung einerseits sehr einfach, andererseits sehr fruchtbar macht. Das hat auch mit weiblicher Solidarität zu tun.<BR /><BR /><b>Welche inhaltlichen Beiträge liegen Ihnen besonders am Herzen? Was sollte die Leserin unbedingt lesen?</b><BR /><BR />Nardin: Es war mir ein großes Anliegen, über die Bedeutung eines Universitätsstudiums zu schreiben. Mädchen in Südtirol sind sehr fleißig; nach der Matura verfolgen aber die meisten weiterhin traditionell weibliche Studiengänge, die leider sehr oft nicht zu gut bezahlten und öffentlich anerkannten Berufen führen. Wir müssen uns auf die Bildung konzentrieren und dafür sorgen, dass sich mehr Mädchen in MINT-Fakultäten (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) einschreiben. Es ist wichtig, finanzielle Unterstützung anzubieten, aber es ist nicht nur das. Wir brauchen einen tiefgreifenden Mentalitäts- und Kulturwandel und intellektuelle und politische Unterstützung für diesen Wandel. Und alle sollten unsere 12 VITAE lesen – diese Frauen können uns noch viel lehren – auch jene, die im letzten Jahrhundert gelebt haben!<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1096320_image" /></div> <BR /><BR /><i>Der Alchemilla-Frauenkalender wird ab Mitte November kostenlos und landesweit an Frauen verteilt. Erhältlich ist er im Frauenbüro, im Frauenmuseum, in der Landesbi- bliothek Teßmann, in Filialen der Südtiroler Sparkasse und bei allen Alchemillen.</i>