Freitag, 13. Juli 2018

Schriftstellerin Christine Nöstlinger ist tot

„Speziell kinderlieb“, sei sie nicht, versicherte Christine Nöstlinger stets. Das war jedoch kein Hinderungsgrund, dass die Wienerin zur bedeutendste Kinderbuchautorin Österreichs aufstieg – und doch ein Oeuvre schuf, das weit über Kinderliteratur hinausreicht. Nun ist Christine Nöstlinger mit 81 Jahren verstorben, wie am Freitag bekannt wurde.

Nöstlinger wurde am Freitag beerdigt.
Nöstlinger wurde am Freitag beerdigt. - Foto: © APA/AFP

Geboren wurde Nöstlinger am 13. Oktober 1936 als Tochter eines Uhrmachers und einer Kindergärtnerin in Wien – der Stadt, der sie ein Leben lang eng verbunden blieb.

Das Kind aus sozialistischem Elternhaus wollte ursprünglich zur bildenden Kunst und begann ein Studium der Gebrauchsgrafik an der Akademie für angewandte Kunst in Wien. Dann kamen jedoch 2 Ehen in die Quere und 2 Töchter (geboren 1959 und 1961). Da sich Nöstlinger als Hausfrau und Mutter eher langweilte, zeichnete und schrieb sie „Die feuerrote Friederike“ (1970) – ein Klassiker bis heute.

Über 100 Werke

Der Text war so erfolgreich, dass sie sich fortan dem Schreiben widmen konnte. So zählt ihr Oeuvre heute über 100 Werke. Dabei beließ es Nöstlinger nicht bei der Skizzierung einer heilen Kinderwelt, im Gegenteil. Als eine der ersten deutschsprachigen Jugendbuchautorinnen reflektierte sie in ihrem autobiografischen Roman „Maikäfer, flieg“ (1973) und dem Nachfolger „Zwei Wochen im Mai“ (1981) Erinnerungen an die Kriegs- und Nachkriegszeit.

Weitere prägende Titel aus ihrer produktiven Zeit sind etwa „Die Kinder aus dem Kinderkeller“ (1971), „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ (1972), von dem über eine Million Bücher verkauft wurden, „Ein Mann für Mama“ (1972), „Achtung, Vranek sieht ganz harmlos aus“ (1974), „Rosa Riedl Schutzgespenst“ (1979), „Der Hund kommt!“ (1987), „Der Zwerg im Kopf“ (1989), „Anna und die Wut“ (1990) oder „Villa Henriette“ (1996), die wie zahlreiche weitere Bücher auch verfilmt wurde.

Nöstlinger setzte sich auf humorvolle Weise mit Problemthemen auseinander, kombinierte in ihren Büchern realistische Milieuschilderungen, Sozialkritik und Fantastik in einer Sprache mit Dialektanklängen und eigenwilligen Neuschöpfungen.

Großes soziales Engagement

Die höchst produktive „Ein-Mann-Buchstabenfabrik“ (Nöstlinger über Nöstlinger) verfasste aber auch selbst Drehbücher, Hörspiele und Theaterstücke und arbeitete – unter anderem als Literaturkritikerin – für den Rundfunk und diverse Zeitungen und Magazine.

Für den ORF kreierte sie etwa 1979 die Hörfunkserie „Dschi-Dschei-Wischer“, in ihren (unter anderen Titeln) auch in Buchform erschienenen Kolumnen für diverse Zeitungen klang stets das gesellschaftliche, politische Engagement der Autorin durch, die 1997 bis 1998 auch Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation „SOS Mitmensch“ war.

Nicht nur Kinderliteratur

So blieb Nöstlingers Wirken nicht auf die Welt der kleinen Menschen beschränkt. „Eine Frau sein ist kein Sport“, heißt etwa eine zum 75er als „Hausbuch für alle Lebenslagen“ erschienene Kolumnensammlung (Residenz Verlag).

Zu Nöstlingers bekanntesten Texten für Erwachsene zählen die Dialekt-Gedichtbände „Iba de gaunz oaman Kinda“ (1974), „Iba de gaunz oaman Fraun“ (1982) und „Iba de gaunz oaman Mauna“ (1987).

An Sachbüchern erschien unter anderem „Ein Hund kam in die Küche. Kleines Köchelverzeichnis für Männer“ (1996) und „ABC für Großmütter“ (1999) – eine Rolle, die sie zuletzt selbst auch im Privatleben einnahm. Ihre beiden Töchter Christiane Nöstlinger und Barbara Waldschütz steuerten die Illustrationen zu einer Reihe ihrer Bücher bei.

Nöstlinger verstirbt im Alter von 81 Jahren

Zuletzt verschlechterte sich der Gesundheitszustand der legendären Raucherin jedoch zusehends. „Es steht nicht zum Besten – aber es ist noch ein angenehmes Leben“, hatte Nöstlinger aus Anlass ihres 80. Geburtstag 2016 der APA versichert. Vor einigen Tagen ist Christine Nöstlinger, wie erst am Freitag bekannt wurde, nun im Alter von 81 Jahren verstorben. Das Begräbnis fand im kleinen Kreis in Wien statt.

apa

stol