Hier Teil VI: „Hasenprosa“ von Maren Kames. <b>Von Claudia Theiner</b><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1084008_image" /></div> <BR /><BR />Selbst im Schlaf stoben ihm die Seufzer zum Rachen heraus: Der Hase wusste Bescheid über alles. Die Ich-Sprecherin, die anstelle der Autorin spricht, atmet erst mal richtig durch: Wer bin ich? Gibt es mehrere von mir? Der Hase und die junge Frau, die beiden Reisenden, fahren lässig durch die Gegend in einer zerfledderten Karosse, für die Begleiterin wird es Zeit, sich vom Hasenvehikel ab zu koppeln. Sie fällt in Träumereien, alle Winde ächzen bereits. Der Hase flennt derweil, was tun? Auf<Kursiv> „Start“</Kursiv> drücken und zurück! <BR /><BR /><BR />Maren Kames greift in „Hasenprosa“ tief in den Fundus an Ulk und Fantasie, an Virtualität, da gibt es Vorrat – Ende nie. Immerhin singt der Hase zweistimmig, und, wenn's nicht sein muss, möchte man nicht einfach so durchfallen in Systeme und Subsysteme, Richtung Kreidezeit.<BR />Maren Kames gefallen kecke Diskussionen, fantastische Vorstellungen und Benamsungen. Gesellschaft und Künstlertum geraten in ihre höchst eigenen Mühlen der Kritik, Sprache und Sprachbilder treten auf wie kesse Comics mit dem Thema Leben und Dasein. Immerall und überall existenzialistisch angehaucht. Warum das Maren Kames-Ich sich den Hasen zu legte? Mit ihm flieht sie aufs Land, irgendwo müsse man ja hin mit all dem technischen Firlefanz, E-Mails, Line-ups, der Menge an Projekten. Und siehe da, im Nu steht da ein „papierenes Riesengebirge“, so bedrohlich und so „schnarch“! <BR /><BR /><BR />Da gibt's also nun eine Deponie für den „ganzen saturierten Hass und Gossip“, schicke und doch herzhaft brüchige Überlegungen, die Kames uns da ans Herz legt. Ziemlich raffiniert nun baut die Autorin ihren Roman zusammen. Es mischen mit 2 Großmütter, Friederike Mayröcker, ein erdachter Hase…, um über frisch-flotte Umwege irgendwie in die Wirklichkeit zu gelangen. Fragt die Rezensentin: Hm, und die Erzählung? Sagt der Hase: Pf, mein Name ist Hase, ich weiß von nichts. Der Roman stellt also Zwischenräume für allerlei künstlerische Aktionen zur Verfügung, fürs fantasievolle Grübeln hauptsächlich. <BR /><BR /><BR />Für Ausblicke nach draußen, wo auch immer dieses Draußen sich befindet. So ist denn die Erzählweise ein (Sound)Teppich aus seufzen, juchzen, schmollen – wir sitzen plötzlich mit im Boot, schaukeln, zanken, swingen. Und siehe da, der Hase schlackert mit den Ohren. Oder etwa nicht? Er ist immer da, wenn auch seltsam unbeteiligt, als Zuhörer, Sprecher, Wissender, Nicht-Wissender… Die Redelust seiner Begleiterin facht er an, oder drosselt sie.<BR />Am Ende kratzen Hase und Ich-Erzählerin noch etliche Kurven innerhalb des Textes, die Maren Kames freilich kunstvoll lakonisch zusammenstückelt. Einen Song zum Abspann will der Hase noch liefern, einen des „Singengels Peter Gabriel.“ Und der Hase selbst bekommt, was er sich gewünscht hat: Vom Steppenrand ab in den Orbit, zum Hasenstern. Und siehe da, „vom Himmel fiel fliederner Regen“.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1084011_image" /></div> <BR /><b>Buchtipp:</b><BR /><BR />Maren Kames, „Hasenprosa“, Suhrkamp 2024, 182 Seiten<BR /><h3> Zur Person Maren Kames</h3><BR />1984 in Überlingen am Bodensee geboren, lebt sie als freie Autorin und Übersetzerin in Berlin. Ihre Bücher „Halb Taube Halb Pfau“ (2016) und „Luna Luna“ (2019) wurden mehrfach ausgezeichnet. Beide wurden als Hörspiele umgesetzt, „Luna Luna“ wurde 2022 am Schauspiel Leipzig uraufgeführt. Preise: Literaturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden 2020, Literaturpreis „Text & Sprache“ 2020...