Dass das Kirchlein ein Geheimnis in sich birgt, war schon lange klar: Denn der Heimatkundler Georg Innerebner hatte das Quellheiligtum bereits im Jahr 1946 im „Schlern“ vorgestellt. Damals, es war in den ersten Jahren nach dem Krieg, war die Kirche noch eine Ruine, sie war durch einen Bombenangriff zerstört worden, der eigentlich dem Bahnhof gegolten hatte. Damals war sie auch nur zu Fuß erreichbar. <BR />Innerebner bringt die Kirche mit einem Quellheiligtum in Verbindung, denn unterhalb der Kirche befand sich eine Höhle; die Versinterungen, die sich in der Höhle befanden, waren für den Heimatkundler Innerebner Beweis dafür, dass es dort Wasser gab. Und weil viele Kirchen auf den Plätzen von alten heidnischen Heiligtümern entstanden sind, war diese These auch hier naheliegend. <BR /><BR />Die beiden Geologen haben nun versucht, die Forschungsergebnisse zu überprüfen: Die Kirche wurde in den 1950er Jahren wieder aufgebaut und auch den Eingang zur Höhle konnten sie finden, allerdings ist sie nicht mehr zugänglich, weil verwachsen. Aber sie konnten eine andere Beobachtung machen: „Was wir noch bemerkten, war ein starker Luftzug, der an diesem heißen Julitag in beide Spalten hineinzog. Dies deutet darauf hin, dass sich diese im Untergrund fortsetzen und dass die Luft unterhalb der Höhle wieder austreten muss. Es scheint hier also ein Hohlraumsystem vorzuliegen, das dynamisch bewettert ist, d. h., dass die Luft in dem System je nach Jahreszeit und Außentemperatur einmal in diese, dann in die andere Richtung strömt: Im Sommer zieht die Höhlenluft von der oberen Öffnung zur unteren und im Winter umgekehrt<BR />(Spötl & Pavuza, 2016). <BR /><BR />Dieses Strömungsverhalten wird von der Besitzerin des etwas oberhalb der Kirche gelegenen Wangger-Hofes indirekt bestätigt. Sie erzählte uns, dass es am Hangfuß unterhalb der Höhle ein Loch gebe, aus dem im Sommer kalte Luft entströmt. Das Loch wurde von ihrem Vater früher dazu benutzt, um Wein und Lebensmittel kühl zu lagern. Auch zeigte sie uns eine Stelle im Keller ihres Hofes, an der im Winter warme Luft aus dem Boden dringt. Bereits Innerebner erwähnte diesen Keller und bemerkte, dass dort im Winter „warme Dämpfe“ austreten. Zudem berichtete Innerebner (1946: 15), dass die Umgebung der Höhle selbst im „tiefsten Winter“ schneefrei bleibt und man dort ein „frühlingsnahes Bild mit grünenden Blättern wilder Rosen und anderen Pflanzen“ erleben kann.“<BR /><BR /><BR />Die beiden Autoren Andreas Treyer und Christoph Spötl interpretieren ihre Feldforschung so: „Alles deutet also darauf hin, dass der aus Quarzporphyr bestehende Hang bei „St. Georg in Wangg“ von einem aus Spalten und Klüften bestehenden Hohlraumsystem durchzogen ist, das dynamisch bewettert ist. Die derzeit verstürzte Höhle und die Stelle im Keller des Wangger-Hofes bilden in diesem System obere Öffnungen, während das Kaltluftloch am Hangfuß eine untere Öffnung darstellt. Inwieweit diese Klüfte auch wasserführend sind, konnte nicht festgestellt werden. Innerebners Hinweis auf Versinterungen spricht dafür, dass diese kleine Höhle Tropfwasserstellen aufwies; ob diese tatsächlich urgeschichtlich genutzt wurden, bleibt ungewiss.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1020579_image" /></div> <BR />Bestellen: www.athesiabuch.it<BR />