In der aktuellen März-Ausgabe erinnert „Der Schlern“ mit den Aufzeichnungen von Sepp Mühlberger an ein dunkles Kapitel der Südtiroler Geschichte. Er begleitete Lehrer im Unterland, die den Kindern der Optanten die deutsche Sprache beibringen sollten. Weitere Themen sind die Beamtenlaufbahn des Grafen Johann von Welsperg und eine spätgotische Skulptur aus Völs am Schlern.<BR /><BR /><BR /><BR /><i>Von Beate Gatterer</i><BR /><BR />2 Aufsätze aus dem Bereich der Geschichte führen in 2 verschiedene Jahrhunderte und 2 unterschiedliche Lebenswelten. Der letzte Teil der Familiengeschichte Paul Reiff führt ins späte 16. Jahrhundert, während Graf Johann von Welsperg an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert wirkte. Unter dem Titel „Ein Diener zweier Herren. Anmerkungen zur Beamtenlaufbahn des Grafen Johann von Welsperg (1765–1840)“ hat sich der Historiker Philipp Tolloi auf Spurensuche begeben. <BR />Ausgehend von einem Text im „Gothaischen genealogischen Kalender“ zu den Freiheitskämpfen 1809, in dem das Verhalten des Grafen von Welsperg als Generalkommissar des Etschkreises angeprangert wird, hat Tolloi den Grafen und sein Umfeld vorgestellt. Er hat auch sein Wirken im Dienste der Habsburger und der Bayern analysiert. Gleichzeitig versucht er, den Autor des Kalendertextes ausfindig zu machen und darin einen Grund für die negative Berichterstattung zu finden. <BR />Bei der Familiengeschichte Reiff stehen dieses Mal die Linien Köstlan und Innsbruck im Fokus. Damit endet die umfangreiche Familiengeschichte aus der Feder des Historikers Robert Büchner.<BR /><BR /><b>Kunstgeschichte: Eine spätgotische Skulptur aus Völs am Schlern</b><BR /><BR />Das „Schicksal“ der Statue des hl. Damian aus der Kirche St. Margareth in Völs ist Thema des Aufsatzes, den der Kunsthistoriker Helmut Stampfer verfasst hat. Das Kunstwerk wurde im vergangenen Sommer in Basel versteigert. Bis in den Sommer 1923 war die Statue in der Kirche St. Margareth aufgestellt, danach wurde sie verkauft. Stampfer geht in seinen Ausführungen auf den möglichen Schöpfer des Kunstwerkes ein und nennt die Ursachen des Verkaufes, dem auch andere Kunstwerke zum Opfer gefallen sind. Dabei spannt er auch den Bogen zur Bedeutung eines Denkmalschutzgesetzes. <BR /><BR /><b>Erinnerungen: Deutsche Sprachkurse im Bozner Unterland</b><BR /><BR />Sepp Mühlberger war in den Jahren nach 1939 zuständig für die Deutschkurse im Unterland. Rund 30 Jahre später hat er seine Erinnerungen zu Papier gebracht, die sein Sohn Georg nun dem „Schlern“ zur Veröffentlichung übergeben hat. Die Erinnerungen sind mit dem Titel „Zwischen Hoffen und Bangen. Die Deutschen Sprachkurse im Bozner Unterland. Die Erinnerungen des Lehrers Sepp Mühlberger an eine schwierige Zeit“ überschrieben. <BR /><BR /><b>2 „Schlern“-Mitteilungen</b><BR /><BR />Eine weitgehend unbekannte Begebenheit stellt Kassian Lanz in einer „Schlern“-Mitteilung vor. Es geht um die Evakuierung Innichens im Jahr 1916, als auch Orte an Bahnlinien aus strategischen Gründen Ziele von Angriffen wurden. Der Autor stellt die Zeit vor, geht auf die Angriffe und auf die darauffolgende Evakuierung ein, er nennt die Familien, die im Barackenlager untergebracht waren sowie jene 13 Familien, die im Ort geblieben sind. <BR /><BR />„Der Schlern“ nennt sich ein romantisches Tongemälde für Blasorchester, das Gottfried Veit komponiert hat. Es ist Inhalt der zweiten „Schlern“-Mitteilung. Notenbeispiele lassen erahnen, wie das Tongemälde klingt und die Beispiele der Aufführungspraxis zeigen, wer das Werk aufgeführt hat. <BR /><BR /><b>Literaturrundschau</b><BR /><BR />Um die Geschichte einer Auswanderung aus dem Gadertal geht es in der Literaturrundschau: Toni Sotriffer bespricht das Buch „Dalla Val Badia alla Val Gardena a Milwaukee – Storia di una famiglia badiota emigrata in America“ von Werner Pescosta, das in der Reihe Ladinia monografica erschienen ist. Ausgangspunkt der Publikation sind die Tagebuchaufzeichnungen von Vinzenz Pescosta aus Badia-Abtei und von seiner Schwester Angela Pescosta, die vor 100 Jahren nach Amerika ausgewandert sind. Sotriffer stellt seine Besprechung unter das Motto „Geschichten, die das Leben schreibt, sind oft spannender und interessanter als die besten, die erfunden werden“.