Samstag, 02. Januar 2016

Streit um Tagebuch der Anne Frank

Trotz eines Rechtestreits haben ein Universitätsdozent und eine Abgeordnete aus Frankreich das berühmte Tagebuch der Anne Frank frei abrufbar im Internet veröffentlicht. Sie stellten das Werk am Freitag im niederländischen Original ins Internet. Dabei verwiesen sie darauf, dass die Schutzfrist 70 Jahre nach dem Tod von Anne Frank im NS-Konzentrationslager Bergen-Belsen ausgelaufen sei.

Foto: © APA

Nach EU-Recht läuft die Schutzfrist beim Urheberrecht jeweils am 1. Jänner nach dem 70. Todestag eines Autors aus.

Der Anne Frank Fonds im schweizerischen Basel, der die Rechte an dem Tagebuch hält, hatte allerdings im Vorfeld im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP mit rechtlichen Schritten gedroht, sollte „Das Tagebuch der Anne Frank“ ohne Erlaubnis veröffentlicht werden.

Nach Ansicht des Fonds, der von Annes Vater Otto Frank gegründet wurde, handelt es sich bei dem Tagebuch um ein posthum veröffentlichtes Werk, bei dem eine 50-jährige Schutzfrist vom Zeitpunkt der Veröffentlichung an gelte. Da der vollständige Text erst 1986 veröffentlicht worden sei, sei er noch bis 2037 urheberrechtlich geschützt.

„Bei diesem Text, diesem Zeugnis und was es darstellt (...) habe ich weiter die Überzeugung, dass es keinen anderen Kampf zu führen gilt, als den seiner Befreiung“, rechtfertigte der Informationswissenschafter Olivier Ertzscheid von der Universität Nantes in einem Vorwort die Veröffentlichung in seinem Blog. Es sei eine Würdigung dieses wichtigen Werkes, es ohne Beschränkungen zugänglich zu machen.

Auch die französische Grüne Abgeordnete Isabelle Attard veröffentlichte das Tagebuch in ihrem Blog. „Es lebe das Tagebuch der Anne Frank, es lebe die Urheberrechtsfreiheit“, schrieb sie dazu,

apa/afp/stol

stol