Donnerstag, 11. Juni 2020

Südtirol schreibt Sommeranekdoten für STOL – Teil I

Der Sommer ist da, wenn er auch irgendwie anders ist als sonst. Und nun haben die ersten Südtiroler ihre Sommergeschichten verfass – hier einige Anekdoten zum Träumen...

Jeder von uns hat eine Sommergeschichte, an die er sich gerne erinnert.
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Jeder von uns hat eine Sommergeschichte, an die er sich gerne erinnert. - Foto: © shutterstock
Überraschungsbesuch am Sonntagnachmittag. Meine beiden Enkel stehen vor der Tür: „Oma, dürfen wir bei dir baden?“ Verdutzt frage ich sie, ob denn zu Hause etwas kaputt sei mit dem Wasser. „Nein Oma“, antwortet der Große, „aber das Hallenbad hat zu, für das Schwimmbad ist es zu kalt und zu nass und zu Hause gibt es keine Badewanne.“ Also planschen die beiden am verregneten Sonntagnachmittag bei mir in der Wanne. Der Kleine mit seinen neuen Schwimmflügeln, der Große mit seinem Plastiksegelboot. Und damit das Ganze ein bisschen an Urlaub erinnert, spiele ich für die zwei Wasserratten via Youtube „Meeresrauschen“ ab.
Johanna Mair, Bozen


Am glitzernden See verharre ich
Es duftet nach Sommer
Und im letzten Tagessonnenstrahl
Spüre ich die Wärme die mich umgibt
Ja – so könnte ich singen von Momenten
Die auf der Haut prickeln:
Der Sommer ist da!
Verena Möltner, Kaltern


Sommerliebe 2020
Ein strenges Reglement herrscht derzeit in den Zügen: Sitzen nur auf zugewiesenen Plätzen, Abstand halten, Maske tragen. Wer noch einen Platz im Pendlerzug ergattert hat, ist froh. Geredet wird kaum. Ich sitze im vordersten Waggon, der Zug ist schon eine Weile unterwegs, da taucht ein junges Pärchen auf. Beide blicken verstohlen auf die acht Sitzplätze ganz vorne, die für den Schaffner reserviert sind, der aber nirgends zu sehen ist. Ob sie keinen Platz mehr gefunden haben? Nein, das ist es nicht. Die beiden haben ein Plätzchen gesucht, um sich zu umarmen und innig zu küssen. Ein seltener Anblick in Zeiten sozialer Distanz. So abenteuerlich war das Küssen in der Öffentlichkeit wohl schon seit Großmutters Zeiten nicht mehr. Aber es gibt sie noch, die frisch Verliebten in Zeiten von Corona.
Monika Kerschbaumer, Sterzing


Und die Sonne scheint doch,
was willst du noch...
Die Blumen blühen auch,
die Zeiten in Schall und Rauch.
Der Adler zieht seine Bahn,
der Mensch im Wahn.
Seht raus, seht das Wunder der Natur,
nicht immer das Schlechte nur.
Denise Steinkeller, Völlan


Es veränderte von jetzt auf gleich das Leben,
aus der Tiefe kam es, wie ein Beben.
Nun reist es um die ganze Welt,
macht nicht halt vor Ruhm, Macht und Geld.
Es hat uns ausgebremst – in unsrer Eile,
wird uns nun begleiten eine ganz Weile.
Corona sag´: Gibt’s Ferien nach deinem Groll und Donner?
In diesem einzigartigen Covid-19-Sommer!
Helga Maria Gorfer, Schlanders


Frühling 2020
Corona lässt kein Flugzeug
fliegen durch die Lüfte
Frische, unverschmutzte Lüfte,
wehen durch die leere Stadt.
Alle träumen schon,
sehnen sich nach Freiheit.
Horch- von fern, die Lautsprecher ganz laut
Lock Down, ja du bist´s
sperrst mich zu Hause ein.
(eine Parodie auf: Eduard Mörike „Er ist’s“)
Marta Bernardi, 15 Jahre, Brixen


Choral
Es taut im Maie Sternschnuppen und Schneeglöckchen herbeie.
Während die Welt im Traume liegt,
macht andernorts ein Wiesel seinen Punkt zum Komma,
macht lachend sich sein Leben zum Paradies,
findet Blumen wo einst dörres Land,
setzt Bäumchen weit in Gottes Hand.
Will fliegen lernen und ist gewiss’,
wo’s taut im Mai, setzt Liebe 1000 Leben frei.
Petra H.A. Caldonazzi, Bozen

Und so geht es

Die Sprachstelle im Südtiroler Kulturinstitut lädt alle Südtirolerinnen und Südtiroler dazu ein, ihre Erfahrungen mit diesem außergewöhnlichsten aller Sommer in Worte zu fassen – sei es in einem kurzen Text oder einem kurzen Gedicht.
Schicken Sie Ihre persönliche Sommeranekdote per E-Mail an die Sprachstelle im Südtiroler Kulturinstitut: [email protected] Die Texte sollten einen Umfang von 500 Anschlägen inklusive Leerzeichen nicht überschreiten. Gedichte sollten maximal 8 Zeilen lang sein. Bitte geben Sie Ihren Namen und Ihren Wohnort an. Kinder und Jugendliche geben bitte zusätzlich ihr Alter an.
Einsendeschluss ist der 16. August 2020.

eva