Montag, 04. Mai 2020

Südtiroler dichten für STOL – Teil 5

Vieles von dem, was wir gerne tun, ist derzeit nicht möglich. Aber es gibt kleine Dinge, über die wir uns freuen können. Die Sprachstelle im Südtiroler Kulturinstitut lädt dazu ein, diese aufzuschreiben und STOL veröffentlicht die Texte.

Jetzt heißt es kreativ sein.
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Jetzt heißt es kreativ sein. - Foto: © shutterstock
Schicken Sie Kürzesttexte von maximal 400 Anschlägen inklusive Leerzeichen oder Kürzestgedichte (ca. 5 kurze Zeilen) per E-Mail an Sprachstelle des Südtiroler Kulturinstituts ([email protected]). Die Texte können auch nur aus einem längeren Satz bestehen.
Wichtig: Nennen Sie Ihren Vornamen, Nachnamen und Wohnort. Mitmachen können Erwachsene, Jugendliche oder auch Kinder. Kinder werden gebeten, zusätzlich zu ihrem Namen und Wohnort auch ihr Alter anzugeben. Die schönsten Beiträge erscheinen hier auf STOL.


… über den blauen Himmel
den unerwarteten Anruf einer Freundin
die frischen grünen Blätter am Feigenbaum
1 Stück vom selbstgebackenen Apfelkuchen
das sonnige Plätzchen auf meinem Balkon
Helga Stockreiter, Bozen


„Jedes neugeborene Kind bringt die Botschaft, dass Gott sein Vertrauen in die Menschheit nicht verloren hat.“ (Tagore) Dazu eine kleine Anekdote: Neulich wollte der kleine Josef in Deutschnofen mit der Oma in Leifers „Video-telefonieren“. In voller Größe stellte er sich ins Bild: „Oma schau!“, und zeigte auf sein neues Leibchen. Ich las „Einzelkind – Großer Bruder“ und lächelte ...
Verena Frasnelli, Leifers


Sprießende Kräuter
an den Glyzinienblüten
summende Bienen
Edith Moroder, Bozen


Die Welt dreht sich, der Kopf dreht sich, die Augen drehen sich.
Rundumblick. Talblick statt Gipfelblick.
Auch gut, alles ruht.
Kein Mensch grüßt mehr, die Straßen sind auch leer.
Mein Kopf ist voller Ideen, deshalb kein Platz für Wehen.
Für uns #nochnieeinenkriegmiterlebten, wie wir bisher am #allesimmerzujederzeit klebten,
ein einziges Loslassen.
(Gedanken bei einem kurzen Verweilen in den Dietenheimer Feldern)
Dietrich Lehmann, Bruneck

So warm die Sonnenstrahlen, herrlich zu spüren die Zeit des Stillstands. Das Vogelgezwitscher erfreut die Seele und du bleibst stehn – und erfährst den Zauber der Natur.
Verena Möltner, Kaltern


Ein Vogel singt für mich

Ich hörte eine Amsel
jubeln,
als mein Herz voll Trauer.
Unbeschwert
ihr klarer Morgengesang,
als wollte sie mich trösten.
Plötzliche Stille -
Vogel, singe, singe noch einmal
für mich.
Gib Hoffnung dem Menschengeschlecht.
Da - da -
hörte ich sie wieder.
Helena Engl, Steinegg


In diesen Zeiten der Pandemie,
Obwohl etwas Unbekanntes uns bedroht,
und das Alltagsleben uns entflieht,
darf man nicht sehen rot.
Beziehungen wurden auf die Probe gestellt,
in den Wochen, die in Quarantäne schon vergangen,
Doch wir, als Menschen dieser Welt
werden es schaffen, zusammen!
Elias Gögele, Meran, 15 Jahre


ERWACHEN
es wird Morgen
zartes Erwachen
leises Vogelgezwitscher-
während das Dunkel dem Licht weicht
... der Gesang legt sich sanft,
wie Balsam auf meine Seele

gibt Zuversicht
und Hoffnung
auf ein Weiterleben
auf ein Morgen
in dieser ungewissen Zeit
Sigrid Santer, Kaltern

Ich erlebe Qualität statt Quantität.
Ich erlebe Stille statt Lärm.
Ich erlebe Momente statt Events.
Ich erlebe Innerlichkeit statt Äußerlichkeit.
Ich erlebe Zeitlosigkeit statt Zeiteinteilung.
Ich erlebe Gemeinsamkeit statt Getrenntheit.
Ich erlebe Empfinden statt Erfahren.
Ich erlebe Lebendigkeit statt Routine.
Ich erlebe, dass ich lebe.
Ursula Mühlberger, Bozen

weißt du.. wenn du zwei augen siehst..über lippen und nase der mundschutz. halbmaske.. und du siehst immer öfter, dieser mensch lächelt dich an. es spürt, lacht dankbar und du auch. ...schokolade gibt es immer.
irene schär, naturns


AUFBRUCHSTIMMUNG

DIE SUNN SCHEINT,
ES ISCH A GUATER TOG HEINT,
UM AMOL ZU REFLEKTIEREN,
VON WEM LOSSMER INS DIRIGIEREN?

DER KOMPF MIT HOSS UND WOFFN,
HOT INS NO NIE WOCHSN GLOSSN.
WOR KLOR ZU SEGN MIT HITLERS DIKTATUR,
SELL WOR KOANE LEISTUNG DER BRAVOUR.
ZERSTÖRN MIR DIE GEDANKEN NET MIT WUT UND AGGRESSION,
DES KOSTET INSER OLLER LOHN.

SETZMER DIE SAMEN MIT HOFFNUNG UND VERTRAUEN,
DONN KENNEN MIR A AF DIE ZUKUNFT BAUEN.
RÜTTELN MIR DIE LEIT WOCH,
UND NET OLM JO SOGN ZU JEDER SOCH.
BLEIBM MIR INSERER MEINUNG UND INSERN WESEN TREU,
FOKUSIERT UND OHNE SCHEU.

DIE SUNN SCHEINT,
ES ISCH A GUATER TOG HEINT,
UM AMOL KURZ ZU REFLEKTIERN,
WOHIN SOLL DER WEG INS FIEHRN?
Evelyn Weissteiner, Jenesien


eva