Mittwoch, 06. Mai 2020

Südtiroler dichten für STOL – Teil 6

Vieles von dem, was wir gerne tun, ist derzeit nicht möglich. Aber es gibt kleine Dinge, über die wir uns freuen können. Die Sprachstelle im Südtiroler Kulturinstitut lädt dazu ein, diese aufzuschreiben und STOL veröffentlicht die Texte.

Jetzt heißt es kreativ sein.
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Jetzt heißt es kreativ sein. - Foto: © shutterstock
Schicken Sie Kürzesttexte von maximal 400 Anschlägen inklusive Leerzeichen oder Kürzestgedichte (ca. 5 kurze Zeilen) per E-Mail an Sprachstelle des Südtiroler Kulturinstituts ([email protected]). Die Texte können auch nur aus einem längeren Satz bestehen.
Wichtig: Nennen Sie Ihren Vornamen, Nachnamen und Wohnort. Mitmachen können Erwachsene, Jugendliche oder auch Kinder. Kinder werden gebeten, zusätzlich zu ihrem Namen und Wohnort auch ihr Alter anzugeben. Die schönsten Beiträge erscheinen hier auf STOL.
Worüber ich mich dennoch freue


Atempause

Die Sonne scheint, die Erde dreht
Die Menschheit ruht, wenig geht.
/einatmen

Drehzahl gering, Geschwindigkeit nieder
Kraft wird getankt, erholt sein ist wieder.
/ausatmen

Bald geht es weiter, Erinnerung bleibt
An diese Zeit, die Gedichte schreibt.
/aufatmen
Gregor Niederkofler, Feldthurns


Kochen

gewürzt und gebraten
auf den richtigen punkt gebracht
in diesen wochen
versteht es jeder besser
beim marinieren und pochieren
beim sieden und dämpfen
beim frittieren und sautieren
beim grillieren und gratinieren
beim backen und schmoren
beim blanchieren und glasieren
beim polieren und dünsten
mit kelle, gabel und messer
zum schluss schiebt jeder danach
noch den kuchen richtig in den ofen!
Martin Streitberger, Bozen


Die Menschheit bisher nur eines kannte, aufs Gaspedal und immer aufs Ganze.
Schneller, höher, weiter und nur mit Eile rauf auf die Leiter.
Wer bremste, der hatte verloren, ist gefallen u hat sich nur schwer erhoben.
Jetzt sitzen wir alle im selben Boot und treiben in eine ungewisse Not.
Die Zukunft wird uns hoffentlich eines lehren, zu bremsen ist auch eine Sache der Ehre.
Harald Scartezzini, Tramin


Mein Tag
Wenn die Sonne den Tag zur Neige trägt,
am Horizont der Mond
seinen Schein erhebt.
Ein Tag voller Einsamkeit,
und doch eine Stille der Geborgenheit.
Vielleicht getränkt von einem Schweigen,
vielleicht auch etwas Freude zeigen.
Es wäre ein Tag zum Hassen oder Lieben,
als wär ein Teil von mir bei ihm geblieben.
Es war ein besonderer Tag für mich.
Es war einer im meinem Leben,
den wird es niemals wieder geben.
Oberhofer Helga, Riffian


Worüber ich mich trotzdem freue …
über die Gewissheit, dass sich alles wieder verändert und die Erkenntnis, dass das Lebensglück in mir drinnen zu finden ist. Ich freue mich, ohne BH arbeiten zu gehen in dieser Zeit. Dann an der Musik und kreativem Tun in der Freizeit. Auch Kochen ist mit viel Zeit schöner. So kommen Geist und Körper eher zur Ruhe. „Herrlich“ zwitschern die Vögel, Applaus auch von der tiefer atmenden Natur.
Waltraud Prader, Bozen


Stille, was erzählst du mir? Es tut so gut dir zuzuhören. Berührend sanft erzählst du weise, von Langsamkeit und Demut, von Einfachheit und stiller Reise.
Du sagst so wenig und doch so viel. Ich werde rauschig und ruhig von deinem Gesang, gewogen in Sehnsucht und Vertrauen.
Wer bin ich? Wer sind wir Menschen? Was machen wir und wozu.
Stille, bist du Heimat? Schützender Schoß unsrer Mutter Natur?
Ich bin umgeben von dir und atme dich ein. Sauber riechst du und rein.
Ich will mich in dir wiederfinden.
Ursula Mühlberger, Bozen


Es blüht ringsum und im Hof da streiten drei Spatzen.
Im Garten des Nachbarn ist immer was los, die Kinder sind da, mit „Mundschutz“ na ja und jubeln, denn Papi ist heute noch da,
das wird ein fröhlicher Tag, trotz allem.
Waltraud Laimer, Meran


In einer düsteren Zeit meine kleinen Momente des Glücks: Vogelgezwitscher klar und rein in der ungewohnt leisen Stadt, Lebensfreude! ... Und die dicke Hummel, die mich in meiner Küche begrüßt, mit beruhigendem Brummen.
Linde Mahlknecht, Bozen


Ich freue mich
über fliegerlos blaue Himmel,
ungestörtes Vogelsingen
die Kostbarkeit gewonnener Zeit,
das Innehalten und neu Gestalten.
Natalie Innerbichler, Meran


In den letzten Wochen wurden wir unserer Freiheit beraubt, aber ich hab viel mehr Freude als erwartet in meinem Haus gefunden. Ich verbringe endlich viel mehr Zeit mit meiner Familie und hauptsächlich mit meinen Haustieren, auf die ich vorher nie geachtet habe. Diese Quarantäne wird uns von unseren Gewohnheiten getrennt haben, aber sie hat mir die Möglichkeit gegeben, Freude zu finden in dem, was ich bisher vernachlässigt habe.
Nicole Di Stasi, Bozen


eva