Montag, 13. September 2021

Südtiroler Theaterverband: Autorenwettbewerb und Preisverleihung

Heinrich Schwazer ist der Sieger des Autorenwettbewerbes, den die Südtiroler Theaterzeitung anlässlich des 70jährigen Bestandsjubiläums des Südtiroler Theaterverbandes ausgeschrieben hat, schreibt der Südtiroler Theaterverband am heutigen Montag in einer Aussendung.

Am 11. September hat die Bekanntgabe der Gewinner des Autorenwettbewerbs des Südtiroler Theaterverbandes stattgefunden.
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Am 11. September hat die Bekanntgabe der Gewinner des Autorenwettbewerbs des Südtiroler Theaterverbandes stattgefunden. - Foto: © G.Skuk, Guenther Skuk
Die Bekanntgabe der Gewinner sowie die Preisübergabe fand am 11. September im Rahmen der Generalversammlung des Südtiroler Theaterverbandes in Bozen statt. Am Wettbewerb haben 28 Autoren teilgenommen.

1.Preis der Stiftung Südtiroler Sparkasse: 5000 Euro

Heinrich Schwazer hat den Wettbewerb mit dem Stück „Das Eine und das Andere – 12 Geschichten vom Lieben und Sterben“ gewonnen.

Begründung der Jury


Diese Sammlung aus 12 kurzen Stücken über die verschiedensten Themen des Alltags- und Beziehungslebens überzeugt thematisch und stilistisch. Es sind berührende Kurzstücke zu zeitlos aktuellen Themen wie Liebe, Tod, Beziehungen und Werte, die ewig Geltung haben. Die Geschichten sind traurig, ernst, aber auch lustig und einfühlsam. In der szenischen Umsetzung gibt es viel Freiheit, die Stücke können interessant und vielseitig aufbereitet werden. Jeder kurze Text funktioniert für sich selbst, es müssen nicht alle Texte aufgeführt werden, auch die Reihenfolge kann variieren. Das gesamte Stück zeichnet sich durch eine gewisse Unkonventionalität im Umgang mit bekannten Themen aus. Oft kommt es auch zu überraschenden Wendungen oder unerwarteten Enden. Die Qualität der Dialoge liegt in der verknappten Sprache und dem Mut zu thematischer Tiefe. Mit viel Witz und Biss kommen die Dialoge zum Teil rasant in Fahrt, was schöne Spielmomente in den verschiedensten Konstellationen und eine temporeiche Umsetzung verspricht.

Kurzbiographie zum Autor

Heinrich Schwazer wurde im Jahr 1959 in Mauls geboren. Er absolvierte das Studium der Germanistik und Philosophie in Wien. Seine ersten journalistischen Arbeiten tätigte er in Wien und danach in China. Ab 1991 arbeitete er in Südtirol bei der Wochenzeitung FF und dem Wochenmagazin „Südtirol Profil“. Ab 1996 war er Chefredakteur bei der „Die neue Südtiroler Tageszeitung“. Seit 2013 ist er der leitende Redakteur des Kulturressorts der Tageszeitung.

2.Preis: 2500 Euro

Walter Tribus mit dem Stück „St. Sigmund“

Begründung der Jury

Dieses Stück Volkstheater ist im Bauernmilieu angesiedelt und hat eine Liebes- und Mordgeschichte im Gepäck. Historische Fakten rund um den mysteriösen Tod eines Bauern in den 10er-Jahren des 20. Jahrhunderts bilden die Basis für dieses feine Volksstück, das von der schroffen Lebenswelt und verworrenen Liebeswelt einer Bauernfamilie erzählt. Das Stück ist durch eine interessante Kunstsprache geprägt, die aber der gesprochenen Sprache nachempfunden ist. Formal spannend für die szenische Umsetzung ist der mögliche Austausch der Reihenfolge der Szenen. In das Stück sind auch verschiedene Lieder eingewoben. Die Dialoge sind einfach gehalten und sehr nahe an der Wirklichkeit, sie zeigen immer wieder die Härte und die Düsterheit des Milieus sowie die Gefühlskälte, die dort herrscht, und die Einsamkeit der Figuren. Die atmosphärische Dichte und die inhaltliche Ausprägung stehen für ein Theaterstück im Stil von Andreas Prochaskas Film „Das finstere Tal“. Die Möglichkeiten für eine szenische Umsetzung sind sehr vielversprechend.

Kurzbiographie zum Autor

Walter Tribus wurde im Jahr 1964 in Lana geboren und ist dort auch wohnsässig. Er besuchte die Technische Oberschule in Bozen und wurde dann Fachlehrer für Metall in der Berufsschule Bozen. Er ist des weiteren Obmann der Volksbühne Lana.

3.Preis: 1500 Euro

Stephan Trojer mit dem Stück „Die Stoanernen Mandlar machen eine Reise“.

Begründung der Jury

Dieses Stück Musiktheater ist dramaturgisch gut gebaut, es vereint Musik- und Sprechtheater und bietet viele unterschiedliche Rollen und Herausforderungen für die Spieler. Die Geschichte rund um den durch einen Zauberspruch möglich gewordenen Weggang der „Mandlar“ von der Hohen Reisch wegen der vielen Touristinnen und Touristen, und der Hexen, die sie mit Hilfe von Kronos wieder zurückbringen, kann als Metapher für Neugierde, Reiselust, das Anderssein, das Kennenlernen von Neuem und Unbekanntem angesehen werden, aber auch als eine Kritik am Massentourismus. Besonders zeigt das Stück aber auch die Notwendigkeit einer gepflegten Willkommenskultur und hat damit neben dem großen Unterhaltungsfaktor auch einen gesellschaftspolitisch-kritischen Hintergrund. Das gelungene Stück ist für Alt und Jung geeignet, die darin enthaltenen elf Lieder werden gerade noch von einem Südtiroler Komponisten und Arrangeur vertont, und es lässt ein großes Theatererlebnis erwarten.

Kurzbiographie zum Autor


Stephan Trojer ist im Jahr 1977 in Bozen geboren und wohnt in Sarnthein. Er besuchte das Realgymnasium in Bozen und arbeitet seit 1999 als Heimerzieher im Schülerheim „Wasserfall“ in Auer. Des weiteren ist er ein langjähriger Spieler der Heimatbühne Sarnthein, Regisseur bei der Heimatbühne Sarnthein, und Schreiber verschiedener Revuen und Shows.

4.bis 8. Preis

Alle 4.-8.-Platzierten haben jeweils 500 Euro gewonnen.

4. Tamara Oberleiter mit dem Stück „Die Krawatte“

5. Adam Pescoller mit dem Stück „Alles, was glänzt ist Gold“

6. Doris Reichegger mit dem Stück „Whytstreet 65“

7. Armin J. Schönthaler mit dem Stück „Drei Tage Rimpf „Ein Bauerntheater“

8. Benedikt Troi mit dem Stück „Sabine und Ralf

Nachwuchspreis in Memoriam Hugo Seyr: 400 Euro

Adam Pescoller ist mit dem Stück „Alles, was glänzt ist Gold“ der Gewinner des Nachwuchspreises in „memoriam Hugo Seyr“.

Kurzbiographie zum Autor

Adam Pescoller ist 1998 geboren. Er besuchte die Schule in Bruneck – dort war er auch 4 Jahre lang Teil der Theatergruppe des Realgymnasiums. Im Frühling 2019 wurde sein Stück „Die Prinzessin und der Ritter in Weiß“ vom Kleinen Theater Bruneck uraufgeführt.

Die Jury

Die Jury setzte sich wie folgt zusammen:

Irene Girkinger: Intendantin der Vereinigten Bühnen Bozen
Patrizia Pfeifer: Schauspielerin
Torsten Schilling: Regisseur
Hans Strobl: Theaterpädagoge, Regisseur im Amateurbereich
Elmar Außerer: Redakteur der Südtiroler Theaterzeitung





stol