Das Stück ist ihre Abschlussarbeit des Sprachkunst-Studiums und erscheint im Frühjahr in der edition laurin. Zudem wurde die Dramatikerin mit dem Entwurf „Mundtot“ als Hans-Gratzer-Stipendiatin des Schauspielhauses Wien für den Hans-Gratzer-Preis 2024/25 nominiert. Wir haben mit der Preisträgerin gesprochen.<b> Von Ferruccio Delle Cave</b><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1121664_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie haben in den letzten Jahren schon mehrere Literaturpreise für sich entscheiden können. Was bedeutet Ihnen nun diese Auszeichnung?</b><BR />Miriam Unterthiner: Der Kleist-Förderpreis ist für mich persönlich ein Start als Dramatikerin, viele Autorinnen, die ich sehr schätze, haben ihn für ihre ersten Theatertexte erhalten. Zudem ist es einer der höchst dotiertesten Förderpreise im Theaterbereich und damit auch eine Würdigung der Theaterautorinnen, die in der Gehaltsebene an Theatern zumeist am wenigsten verdienen. <BR /><BR /><b>Worum geht es in Ihrem Stück „Blutbrot“?</b><BR />Unterthiner: Der Theatertext beschäftigt sich mit der nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Südtirol geleisteten Fluchthilfe. In Zuge dessen gelang Nationalsozialistinnen wie unter anderem Adolf Eichmann, Josef Mengele und Gerhard Bast die Flucht über den Brennerpass, die sogenannte Grüne Grenze. In „Blutbrot“ beginnt die Landschaft auf das auf ihr Stattfindende zu reagieren und findet selbst zur Sprache. Die Vergangenheit gelangt durch die Landschaft, das krankende Mutterkorn und das daraus gebackene Brot zurück in die Körper des Dorfes, schreibt sich in diese ein und macht die Thematisierung der eigenen Vergangenheit unausweichlich. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1121667_image" /></div> <BR /><b>Sie gehören zu den wenigen erfolgreichen Dramatikerinnen aus dem Tiroler Kulturraum. Das liegt auch daran, dass ein Theaterstück im Gegensatz zur Erzählprosa mehrere und komplexe Ebenen auf einmal abzudecken hat, etwa Text, Rollen, Dramaturgie und Bühne. Wann haben Sie begonnen, Theaterstücke zu schreiben und wo sehen Sie dabei den Hauptunterschied zum Schreiben von Erzählprosa?</b><BR />Unterthiner: Das Theater empfinde ich im Gegensatz zu Texten in gedruckter Form als unzugänglicher, vor allem im ländlichen Raum. Obwohl ich immer viel gelesen und Germanistik studiert habe, bin ich dem Theater erst durch einen Zufall begegnet. Mit meinem ersten Prosatext wurde ich zu den Bozner Autorentage 2017 eingeladen, die Lesung fand im Stadttheater Bozen statt, zum ersten Mal stand ich sowohl auf als auch hinter der Bühne, so begann mein Interesse fürs Theater. Ein Theatertext geht durch sehr viele Köpfe, bis er auf die Bühne und zum Publikum gelangt: von der Autorin, hin zur Lektorin, der Dramaturgie, der Regie, Kostüm, Bühnenbild, Maske und den Schauspielenden. Es ist sozusagen der Mannschaftssport des Schreibens und als ehemalige Handballerin liegt mir diese Art der Zusammenarbeit sehr nahe. Theater schreibe ich daher insbesondere, wenn mir eine Situation unklar ist, das Schreiben mit einer Frage beginnt. Dahingegen konzentriere ich mich in der Prosa auf eine Perspektive, eine Situation, die ich genauer kennenlernen, nachempfinden möchte. Beide Textformen sind für mich mit sehr viel Hinhören, Hinsehen und Einfühlung verbunden.<BR /><BR /><BR /><b>Mit diesem Preis und der Uraufführung von „Blutbrot“ in Deutschland eröffnet sich Ihnen ein neuer Wirkungskreis über alle Grenzen hinweg. Sie leben in Wien, wo man ja bekanntlich allenthalben Theaterluft einatmet. Haben Ihnen Ihre Wiener Studien und Bühnenerfahrungen eine neue Theaterwelt eröffnet?</b><BR />Unterthiner: Für mein Schreiben war insbesondere mein Philosophie-Studium sehr wichtig, da es eine Genauigkeit in der Verwendung der Sprache und das Denken aus verschiedenen Perspektiven schult. Der Weg hin zur Bühne war sehr von meinem Sprachkunst-Studium geprägt. In dieser Zeit passierte bei mir sehr viel und ohne die Unterstützung des Sprachkunst-Teams wäre mir dies nicht möglich gewesen. „Blutbrot“ ist meine Abschlussarbeit dieses Studiums. Was ich an der Theaterwelt sehr schätze, ist, dass sie über Landesgrenzen hinweg gedacht wird und sehr international agiert. Die Verwendung verschiedener Sprachen innerhalb eines Theatertextes ist dadurch etwas sehr Gängiges, ähnlich unserem Alltag in Südtirol mit Ladinisch, Italienisch und Deutsch. Aktuell versuche ich mich etwa an einem deutsch-italienischem Theatertext und obwohl ich als einzige beide Sprachen kenne, funktionieren die Textbesprechungen dennoch, da sich alle Beteiligten auf die Sprache einlassen – das ist definitiv eine neue Welt, die mir das Theater eröffnet und die ich in den Alltag mitzunehmen versuche.<BR /><BR /><BR /><b>Was sind Ihre nächsten Pläne in Bezug auf die Bühne und das Theater oder werden Sie wieder auch Prosa schreiben, mit der Sie in der Vergangenheit ja recht erfolgreich waren?</b><BR />Unterthiner: Aktuell bin ich mit meinem Textentwurf „Mundtot“ Hans-Gratzer-Stipendiatin am Schauspielhaus Wien und für den Hans-Gratzer-Preis nominiert. Daher verbringe ich meine Zeit aktuell beinahe ausschließlich am Schreibtisch und mit Theatertexten. In Zukunft würde ich mich aber auch gern an einem Roman versuchen.<h3>Biografie Miriam Unterthiner</h3><BR />Die Autorin wurde 1994 geboren. Sie stammt aus Latzfons. Ihre Jugend verbrachte sie u.a. auf dem Handballfeld. Sie studierte Philosophie, Germanistik, Deutsche Philologie sowie Szenisches Schreiben beim „Drama Forum und Sprachkunst“ an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Sie schreibt Theaterstücke und Prosa. <BR /><BR />Zu ihren Auszeichnungen gehören unter anderem der „Kathi-Trojer Preis“ Brixen, der Preis des literarischen Wettbewerbs „Das Unsagbare zur Sprache bringen“ des Südtiroler Künstlerbundes sowie der Prosa-Förderpreis der Gruppe 48. <BR /><BR />Für den Theatertext „Va†erzunge“ erhielt sie das Dramatikerinnenstipendium der österreichischen Bundesregierung und wurde für das Autorinnenprogramm „Drama Lab“ der „Wiener Wortstaetten“ ausgewählt. Das Stück wird in der Regie von Blanka Rádóczy am 24. Mai am Tiroler Landestheater uraufgeführt. <BR /><BR />Miriam Unterthiner ist die Gründerin und Leiterin des Nachwuchsförderprogramms für experimentelle Sprach-Literatur in Südtirol, Sprachlabor/Laboratorio linguistico/ Lëura- tuere de rujeneda und wirkt auch als Teammitglied der Summer School Südtirol für dramatisches Schreiben. Seit 2019 ist sie im Vorstand der Südtiroler Autorinnen-Autoren-Vereinigung. <BR /><BR /> <a href="https://www.kleistfesttage.de/kleist-foerderpreis/kleist-foerderpreis-2025/" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier erfahren Sie mehr zum Kleist-Förderpreis.</a><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1121670_image" /></div> <BR /><h3> Zum 30. Kleist-Förderpreis für neue Dramatik</h3><BR />Er ist mit 10.000 Euro dotiert und es wurden 67 Texte aus dem gesamten deutschsprachigen Raum eingesendet, die zur Uraufführung frei sind. Die Autoren und Autorinnen hatten bis zum Zeitpunkt der finalen Jurysitzung (17.12. 2024) nicht mehr als ein Werk zur Uraufführung gebracht. Die Altersspanne betrug 24 bis 75 Jahre. Die Preisverleihung mit einer Laudatio von Maxi Obexer findet zur Eröffnung der Kleist-Festtage am 7.10. statt. Die Uraufführung von „Blutbrot“ produziert das Theater Aachen mit dem Kleist Forum. Premiere ist am 26.9. in Aachen. Regie führt Jakob Weiss.