<b>von Margit Oberhammer</b><BR /><BR />Dazuerfunden wird eine Schriftstellerin unter Abgabedruck. Mit bestens nachvollziehbarer Nervosität klappert Patrizia Pfeifer im pinkfarbenen Morgenmantel auf der Schreibmaschine. Unter dem Schreibtisch liegen zerknüllte Papierknäuel. „Es war einmal im Schlummerland…“ – der Anfang steht, ebenso die Märchenfiguren: die Königin und ihre schlaflose Tochter; aber wann kommt endlich der rettende Einfall? Wie soll das geplagte Schlafittchen von seinen Alpträumen erlöst werden? <BR /><BR />Die Kinder, sogar die sehr kleinen, beobachten die an sich selbst verzweifelnde Schriftstellerin erstaunlich aufmerksam. Sind außerdem in den Bann gezogen von der Bühnenmusik. Anna Starzinger fällt am Beginn mit Celloklängen in das Schreibmaschinengeklapper ein. Die fantastische Theatermusikerin spielt neben kunstvollen Bach- Partien eigens für das Stück Komponiertes; unter Zuhilfenahme von ein paar einfachen Requisiten erschafft sie Landschaften, kommentiert das Geschehen und charakterisiert die Figuren. Sie führt rhythmisch durch die rasch wechselnden Stimmungen und begleitet die Schauspielerinnen auf ihren inneren und äußeren Reisen. Zwischendurch schlüpft sie geschwind in ein paar Rollen. <BR /><BR />Patrizia Pfeifer verwandelt sich von der Schriftstellerin in die Königin des Schlummerlands und in eine ehrgeizige Mutter. Sie möchte stolz sein auf ihre Prinzessinnentochter. Samt Schlaf als Königsdisziplin. Das Schlafittchen hingegen möchte gar keine Prinzessin sein, es flüchtet sich in die Schlafstörungen, um dem mütterlichen Druck zu entgehen. Da bietet die Bühnenfassung ein bisschen viel heutige Psychologie. Der Satz „Auch Kinder haben Sorgen“ will motiviert sein. Aber sei's drum. <BR /><BR />Cecilia Kukua schlüpft zur Freude der Kinder in nicht weniger als sieben Rollen. Die Kinder bewundern sowohl die rebellische Tochter als auch das übermütige, farbenfroh leuchtende Traumfresserchen auf der auf das Wesentliche reduzierten Bühne (Bühne und Kostüme: Angelika Daphne Katzinger). <BR /><BR />Darüber hinaus begegnet Cecilia Kukua der Hilfe suchenden Königin in witzigen, kurzen Szenen auf der Yogamatte, auf dem mit Kamm und Schere frisierten Rasen. Die Schauspielerinnen bieten vergnügliches Theaterhandwerk, fröhliches Bewegungstheater und kurze Gesangseinlagen. Am Ende ist die Königin von ihrem Ehrgeiz geheilt, und die Schriftstellerin stolz auf ihren kreativen Flow. Ende gut, alles gut in einer feinen, kleinen, stimmigen Aufführung für Menschen ab sechs.<h3> Hintergrund: Das Bilderbuch und der Dichter</h3><div class="img-embed"><embed id="1098513_image" /></div> <BR /><BR />Eine berührende Geschichte über das Schlafen„Angst vor bösen Träumen zu haben und nicht einschlafen zu können, ist schon für große Leute schlimm. Für kleine ist es noch viel schlimmer. Aber am allerschlimmsten ist es für eine kleine Prinzessin, die Schlafittchen heißt und in Schlummerland lebt ...“, heißt es im Klappentext zum Bilderbuchklassiker „Das Traumfresserchen“, mit dem die Vereinigten Bühnen Bozen in diesen Tagen durch das Land touren. <BR /><BR />Michael Ende (1929-1995) schrieb neben Kinder- und Jugendbüchern poetische Bilderbuchtexte sowie Bücher für Erwachsene, Theaterstücke und Gedichte. Er zählt zu den bekanntesten deutschen Schriftstellern. Viele seiner Geschichten wurden verfilmt. Seine Bücher wurden in mehr als 50 Sprachen übersetzt und sind in einer Gesamtauflage von über 35 Millionen Exemplaren erschienen. „Momo“, „Die unendliche Geschichte“, die Reihe über Jim Knopf oder „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ sind nur einige Beispiele für das Schaffen von Michael Ende.<h3> Aufführungen</h3>Aufführungen in Bruneck (19.11.: 10 Uhr, 16.30 Uhr, UFO Jugend- und Kulturzentrum), Brixen (20.11.: 16 Uhr, 21.11.: 10 Uhr, Forum), Naturns ( 27.11.: 10 Uhr, 16 Uhr, Theatersaal, Schlossweg 1); Schluderns (28.11.: 17 Uhr, 29.11.: 9 Uhr und 11 Uhr, Kulturhaus) Bozen (30.11., 1.12.: 16 Uhr, 3., 4., 5., 6.,12. 10 Uhr – 7., 8.12.: 16 Uhr, 13.12., 10 Uhr, 14., 15.12., 16 Uhr)