Zahlreiche Romane und nicht weniger die Gedichte von Ursula Krechel, die nach vielen Jahren in den USA heute in Berlin lebt, geben über diese Auseinandersetzung mit verschütteten und verdrängten menschlichen Geschicken Auskunft. Sie spiegeln, um eine Formulierung von Thomas Kling zu gebrauchen, die „Verfasstheit von Vergangenheiten“ wider. Sie sind Denkmal.In Lana ist die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Autorin Gast der Bücherwürmer und der Öffentlichen Bibliothek. Sie liest aus dem Roman „Landgericht“, für den sie den Deutschen Buchpreis erhalten hat:Was muss einer fürchten, was darf einer hoffen, der 1947 aus dem Exil nach Deutschland zurückkehrt? Nach ihrem gefeierten, 2008 erschienenen Buch »Shanghai fern von wo« geht Ursula Krechel mit ihrem großen Roman »Landgericht« noch einmal auf Spurensuche. Die deutsche Nachkriegszeit, die zwischen Depression und Aufbruch schwankt, ist der Hintergrund der fast parabelhaft tragischen Geschichte von einem, der nicht mehr ankommt. Richard Kornitzer ist Richter von Beruf und ein Charakter von Kohlhaas’schen Dimensionen. Die Nazizeit mit ihren absurden und tödlichen Regeln zieht sich als Riss durch sein Leben. Danach ist nichts mehr wie vorher, die kleine Familie zwischen dem Bodensee, Mainz und England versprengt, und die Heimat beinahe fremder als das in magisches Licht getauchte Exil in Havanna.Ursula Krechels Roman lässt Dokumentarisches und Fiktives ineinander übergehen, beim Finden und Erfinden gewinnt eine Zeit atmosphärische Konturen, in der die Vergangenheit schwer auf den Zukunftshoffnungen lastet. Mit sprachlicher Behutsamkeit und einer insistierenden Zuneigung lässt »Landgericht« den Figuren späte Gerechtigkeit widerfahren. »Landgericht«, der Roman mit dem doppeldeutigen Titel, handelt von einer deutschen Familie, und er erzählt zugleich mit großer Wucht von den Gründungsjahren einer Republik.Freitag, 28. Februar; 20 UhrHofmannplatz 2; 39011 LanaUrsula Krechel:„Landgericht“ (Jung & Jung Verlag, 2012)Einführung: Christine Vescoli