9 Autorinnen und Autoren aus Deutschland und Österreich rangen um einen der 3 Preise, die in Meran ausgelobt sind. Als Siegerin ging am Ende Tamara Štajner hervor. Wann sie zu schreiben begonnen hat, erzählt die Lyrikerin im Gespräch. <b>Von Ferruccio Delle Cave</b><BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1031781_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Sie wurde in Novo Mesto geboren und lebt seit ihrem 19. Lebensjahr in Wien. Ihre Gedichtsammlung mit dem Titel „balkan ultra“ hat nicht nur die fünfköpfige Jury, sondern auch das Publikum in Meran überzeugt und gleichsam begeistert, etwa mit Versen wie in <i>„susak, sotto voce“ „leis luftig streift sie luftet sich bewegt / ihr wehen durchs schilfrohr dem ohr kaum merklich / sie treibt luftet sich wie / wie das wehen wie eine herde großer tiere samt / ihrer jungen treibt sie vor sich her.“</i><BR /><BR /><BR />Und so konnte das Statement der Jury nur einhellig sein: „Durch diese Gedichte streicht der Wind wie übers Karstland in der poetischen Miniatur, in der die Insel Susak Gedicht wird; durch sie rauscht das Meer wie in der Adria zwischen den Inseln der Kvarner Bucht, klingen die Sprachen, die dereinst eine waren. (…) Auf engstem Raum findet sich ein beglückendes Klang-, Bild- und Farbenspektrum.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1031784_image" /></div> <BR /><BR />Der „Alfred-Gruber-Preis“ der Stiftung Sparkasse ging an die in Wien und Berlin lebende Autorin <b>Esther Dischereit</b>, deren Gedichte laut Jury sich der „politischen Gewalt in ihren verschiedenen Ausformungen Gestalt annimmt. Die Leichen aus den Tiefen der Geschichte werden geborgen und Spuren von Gewalt in der Gegenwart ausfindig gemacht. Dazu bedarf es keiner auffallend moralischer Gesten, die Lyrik arbeitet sparsam mit Verweisen und Anspielungen.“ Mit einem politischen und überaus menschlichen Statement gegen Gewalt und Ausgrenzung und für den Frieden verabschiedete sich Esther Dischereit vom Meraner Publikum. <BR /><BR /><BR />Der von RAI-Südtirol gestiftete Medienpreis ging an den in Würzburg lebenden und wirkenden <b>Sebastian Schmidt,</b> der 10 Gedichte las, „in denen wir in einen Wald geführt werden, der da ist zum 'verlieren von dingen', auf mit Versuchsanordnungen verminte Flure, auf Spielplätze der Kindheit mit ihren Geräten, die heilig machen. Und auch wenn das alles zunächst fremd klingen mag, sind das unsere Wälder, Flure und Spielplätze.“ Dass die einzelnen Gedichte nicht in der bisher traditionell aufliegenden Broschüre für die zahlreichen Zuhörer und Zuhörerinnen zugänglich und nachlesbar waren, ist sehr bedauerlich und auf finanzielle Engpässe zurückzuführen, mit denen der Lyrikpreis Meran vor allem in dieser Ausgabe zu kämpfen hat. In der nächsten Ausgabe vom Mai 2026 wird diesem Umstand sicher Rechnung getragen und die Texte, die in Meran gelesen werden, für die Besucher des Lyrikpreises wieder zugänglich gemacht werden. <BR /><BR /><BR />Über die unterschiedlichen Texte mit politischen, existenziellen und gesellschaftlichen Themen diskutierte die hoch kompetente Jury, bestehend aus der Literaturwissenschaftlerin Maren Jäger (D) und ihrem Kollegen Sandro Zanetti (CH), dem Journalist Anton Thuswaldner (A), der Dichterin Dagmara Kraus (D) und dem Literaturvermittler Matthias Knie (D). <BR /><h3> Drei Fragen an Tamara Štajner</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="1031787_image" /></div> <BR /><b><BR /><BR />Wann und wie haben Sie gelernt, so wunderbar Ihre Gedichte vorzutragen?</b><BR />Tamara Štajner: Ich habe Musik studiert, mein Instrument war die Viola. Es gibt einen Gedanken meines Lehrers dazu: „Versuch, so oft du kannst, Klangfarben zu wechseln, weil das menschliche Ohr auf Klangfarben reagiert. Umso wacher bleiben dann die Zuhörer…“, und das versuch ich auch beim Vorlesen meiner Gedichte zu beherzigen.<BR /><BR /><BR /><b>Seit wann schreiben Sie Gedichte?</b><BR />Štajner: Ich habe schon als Jugendliche in Slowenien auf Slowenisch zu schreiben begonnen. Mit 19 Jahren zog ich nach Wien und hab dann einige Jahre nachher auf Deutsch zu schreiben begonnen, zuerst wieder Gedichte und später kam auch Prosa dazu. <BR /><BR /><BR /><b>Werden Sie in der nächsten Zeit mit den hier gelesenen und preisgekrönten Gedichten auch eine Publikation anstreben?</b><BR />Štajner: Ja, ich plane einen neuen Gedichtband mit dem selben Titel „balkan ultra“, in dem auch der in Meran gelesene Zyklus dabei sein wird, dazu weitere Gedichte, die sich mit dem selben Thema befassen.