Eigentlich wollte Neidhart seiner Herzensdame einen Frühlingsboten zeigen, aber Bauern machten ihm einen Strich durch die Rechnung… Was mit dem Veilchen passierte, und wie die Herzensdame darauf reagierte, ist Inhalt des Aufsatzes von Max Siller in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Der Schlern“.<BR /><BR />Der Germanist Max Siller, den viele Südtiroler von seinen Vorlesungen an der Universität Innsbruck kennen, macht sich darin auf eine spannende Entdeckungsreise durch Tirol, die zeigt, wie reich Literatur und Kunst in dem kleinen Land bestückt sind. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="771251_image" /></div> <BR />Siller beginnt seine Reise durch die mittelalterliche Lehrdichtung in Tirol mit dem Veilchenschwank: Auf der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Burg Trautson fand sich ein Freskenzyklus, der heute im Kloster Maria Waldrast bei Matrei aufbewahrt wird. Inhalt dieses Zyklus„ war unter anderem der genannte Veilchenschwank.<BR /><BR />Er erzählt von Neidhart, der das Veilchen im Wald gefunden hatte. Um es ja wiederzufinden, legte er seinen Hut darauf. Die Bauern, die das Geschehen beobachtet hatten, spielten ihm einen Streich und ersetzten das Veilchen frech durch einen Kothaufen. Als Neidhard mit seiner Herzdame ankam, und der Höfling den Hut lüftete, kommentierte dieser: „Ein schoner veioll“ – ein schönes Veilchen. <BR /><BR />Die Geschichte ist nicht nur als Fresko verewigt, der Sterzinger Vigil Raber hat im sog. „Sterzinger Neidhartspiel“ das niedergeschrieben, was auf dem Fresko dargestellt war. Es handelt sich um eines der bedeutendsten Spiele aus der Sammlung des Vigil Raber. Der Bauer erzählt darin: „Ich hab mich gar haymlich hynzuo geflyssn / Vnd Ime myttn auf den Veyel geschyssn.“ (V. 194 f.) <BR /><BR />Vigil Raber thematisiert auch die Konsequenzen, die Neidhart hart treffen: Er muss in die Verbannung, tut das jedoch nicht, ohne zuerst den Bauern die Leviten zu lesen. <BR /><BR /> „Tirol hat vom Hoch- bis zum Spätmittelalter eine derart reiche Tradition an Dichtung (und Kunst) vorzuweisen, dass wir erstens nur ausgewählte Orte, zweitens nur einige Dichter und deren Werke sowie einige Anonyma, drittens jeweils nur ausgewählte, eben „lehrhafte“ Passagen und Details berücksichtigen können. Das Ergebnis wird also eine recht beschränkte „Blütenlese“ sein, die zudem noch – wie jede Auswahl – einen subjektiv-selektiven Charakter aufweisen wird. Wir befolgen dabei nicht eine thematische Ordnung, sondern „reisen“ von Ort zu Ort“ So schreibt Max Siller in seinen spannenden Ausführungen.<BR /><BR /> Nachlesen kann man das alles in der aktuellen Ausgabe der Monatszeitschrift für Südtiroler Landeskunde, „Der Schlern“, erhältlich in allen Athesia Buchhandlungen. <BR /><BR />Bestellen: www.athesiabuch.it<BR />