Dienstag, 30. März 2021

„Was hinter uns liegt“: Moritz Anrater ist Poetry Slam-Landesmeister

Nachdem Eeva Aichner den Titel Landesmeisterin im Poetry Slam im Vorjahr nicht abgeben konnte, wurde er in diesem Jahr, zumindest digital, neu vergeben. Am Montagabend konnte sich Moritz Anrater im Finale durchsetzen.

Die Finalisten: Eva Prunner, Theresa Künig, Vale, Gewinner Moritz Anrater und Eeva Aichner online.
Badge Local
Die Finalisten: Eva Prunner, Theresa Künig, Vale, Gewinner Moritz Anrater und Eeva Aichner online.
Neben dem Titel ging es wieder um eine Trophäe, gestiftet von einer Schülerin des Bozner Kunstgymnasiums, Rebecca Giacomel.

Auch wurde den 5 Teilnehmern eine Zusatzaufgabe mit auf die Bühne gegeben: Sie mussten in ihre Texte die Begriffe „chillig“, „Kleeblatt“ und „Hirschgeweih“ einfließen lassen – ein gängiger Kniff, um das Publikum aufmerksam zu halten.

Den Anfang machte Eva Prunner, die sich im Selbstdialog mal Richtung links und rechts des Mikrophons drehte. Ihre Performance markierte gleich ein Thema, das wiederkehren sollte: „Anfangen – Aufhören“ behandelte die Angst vor dem Stillstand, vor dem Bereuen dessen, was man nicht versucht hat. Trotz einer gewissen Vagheit fand sie zum sehr prägnanten Satz: „Ich will nicht, dass man dein ganzes Leben in einem Satz mit 2 verschiedenen Konjunktiven zusammenfassen kann.“ Die Antwort ein „Ich fang ja schon an…“ wirkte da ein wenig anämisch.

Vale knüpfte mit „Zeitrafferleben“ an und schlug etwas mehr in die Kerbe eines poetischen Memento moris. Da ging es ums loslassen und um den Versuch, nicht Festzuhaltendes fest zu halten: Zeit, die einen „gestern noch“ am Spielplatz oder am ersten Schultag sah, und dann ging es darum, selbst los gelassen zu werden, was nach dem Tauziehen befreiend klingt und, wie der Text zuvor, einen Anfangspunkt markiert, von dem aus man starten kann zu leben.

Theresa Künig brachte vor ihrem Text „Kartenhaus“ noch den grundsympathischen Moment mit auf die Bühne, in dem ein Slammer oder eine Slammerin erst ihre Textblätter auspacken, entfalten und etwas glätten muss, womit im digitalen Format nicht zu rechnen war. Der Poetin gelang es wohl am besten „chillig“ zu platzieren, gleich am Anfang: „Chillige Musik an, Welt aus“ und auch in folge platzierte sie schöne Doppelbilder, wendete sich der Sonne zu, um Schatten hinter sich zu lassen und setzte mit Hilfe eines Viktor Frankl Zitats Vergänglichkeit mit Unendlichkeit in tröstliche Nähe.

Titelverteidigerin Eeva Aichner meldete sich mit „Zerrissen“, einem starken Du-Text aus Freiburg zu Wort, in dem der Adressat des Textes lange ungenannt blieb, aber schnell als Südtirol zu erkennen war. Mit viel Sprachgefühl, Wortkonstruktionen („Edelweiß-Kleeblatt-Natur“) und -Dekonstruktionen (eine Aufspaltung in „ver – mag“), sowie einem Mundartende gelang ihr aus der Ferne ein ebenso schöner, wie auch differenzierter Blick auf den glücklichen Zufall in den sie sich geboren sah.

Eine Reihe starker Auftritte stark abschließen durfte Moritz Anrater, der den poetischen Raptext „Was hinter uns liegt“ mitbrachte, einen starken Text, dem auch das gelang, womit die meisten Texte dieser Landesmeisterschaften etwas Schwierigkeiten hatten. Trotz des strikten Zeitlimits von 3 Minuten 30 fand er ein starkes Ende, welches nachklingt und vielleicht der wichtigste Faktor ist, um das Publikum zum Abstimmen zu motivieren. Und schließlich motivierte Anrater die meisten Zuseher und darf sich somit über den Titel freuen.

dol