Sie hat jahrelang Kinder mit ihren Kinderbüchern begeistert – jetzt schlägt Arabella von Gelmini Kreutzhof (54) ein neues Kapitel auf. Mit „Die Seele geht barfuß“ wagt sie den Schritt zur Erwachsenenliteratur und greift ein Thema auf, das viele Familien bewegt: verschwiegene Wahrheiten, Herkunft und die Suche nach der eigenen Identität. <BR /><BR />Darum geht es: 40 Jahre der Ungewissheit enden, als Virginia das Geheimnis ihrer Herkunft lüftet: Sie ist ein Kuckuckskind. Was folgt, ist eine stille, berührende Reise nach innen, kraftvoll und voller Mut. <BR /><BR /><BR /><b>Wenn Ihre Seele heute barfuß unterwegs wäre – wohin würde sie gehen?</b><BR />Arabella von Gelmini Kreutzhof: Bezogen auf meinen Roman würde ich dorthin gehen, wo Wahrheit keinen Mut mehr braucht. An einen Ort, an dem Fragen Antworten finden, Menschen einander ehrlich begegnen und Menschlichkeit gelebt wird. Ganz persönlich würde meine Seele aber zu Besuch ins Jenseits gehen – zu meinem lieben Ehemann, der vor fünf Jahren nach einer schweren Krankheit verstorben ist und immer ein Teil meiner Seele bleiben wird. Und wenn ich ganz im Hier und Jetzt bleibe, dann wäre meine Seele genau hier – in diesem Gespräch. Es bietet mir die Möglichkeit, meine Gedanken und die Botschaft meines Romans mit den Leserinnen und Lesern zu teilen. Dafür bin ich dankbar.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1343148_image" /></div> <BR /><BR /><b>„Die Seele geht barfuß“ – Was bedeutet der Titel?</b><BR />Arabella von Gelmini Kreutzhof: Ich habe den Titel gewählt, weil er die Verletzlichkeit, Wahrhaftigkeit und Echtheit des menschlichen Seins ausdrückt. „Barfuß“ bedeutet, den Weg des Lebens unmittelbar zu spüren – ohne Schutz, ohne Selbsttäuschung und mit Offenheit für das, was man fühlt, erlebt und erkennt.<BR /><BR /><BR /><b>Was hat Sie an den Punkt gebracht, an dem Sie diese Geschichte erzählen mussten?</b><BR />Arabella von Gelmini Kreutzhof: Mich hat schon lange die Frage beschäftigt, wie tief eine verschwiegene Wahrheit in das Leben eines Menschen hineinwirken kann. Mich interessiert dabei nicht nur das Geheimnis selbst, sondern vor allem der Mensch dahinter – seine Suche nach Identität, nach Zugehörigkeit und nach seinem Platz im Leben. Ich wollte zeigen, welche Spuren ein lang gehütetes Familiengeheimnis hinterlassen kann und wie sehr es das Leben eines Menschen prägt, selbst wenn dieser die Wahrheit zunächst gar nicht kennt. Es ist ein Thema, das viele Familien betrifft und über das oft viel zu wenig gesprochen wird.<BR /><BR /><BR /><b>Indiskret gefragt: Ist der Roman autobiografisch?</b><BR />Arabella von Gelmini Kreutzhof: Der Roman ist von einer wahren Geschichte inspiriert. Mir war wichtig, dass sich die Leserinnen und Leser auf die Geschichte und ihre emotionale Wahrheit einlassen können – nicht auf die Frage, wer dahintersteht. Im Mittelpunkt von „Die Seele geht barfuß“ steht eine Erfahrung, die viele Menschen teilen. Mir ging es nie darum, reale Ereignisse möglichst genau nachzuerzählen. Als Autorin darf ich Wirklichkeit verdichten, Figuren entwickeln und Ereignisse literarisch gestalten. Genau das macht den Roman zu einem eigenständigen Werk. Mich interessierte vielmehr die emotionale Wahrheit. Die äußeren Umstände können sich unterscheiden – die Gefühle, die Zweifel und die Suche nach der eigenen Identität sind jedoch universell. Genau diese menschliche Erfahrung wollte ich erzählen. Deshalb ist der Roman zwar in einer wahren Geschichte verwurzelt, entwickelt aber seine ganz eigene literarische Sprache und Handlung.<BR /><BR /><BR /><b>Welches Geheimnis Ihres Romans würden Sie verraten, ohne die Spannung zu zerstören?</b><BR />Arabella von Gelmini Kreutzhof: Der Roman erzählt die Geschichte eines Menschen, der erfährt, dass ein jahrzehntelang gehütetes Familiengeheimnis die eigene Herkunft betrifft. Damit gerät das bisherige Selbstverständnis ins Wanken. <BR /><BR /><b>Was ist der Kern Ihres Romans – Liebe, Verlust, Neuanfang oder etwas ganz anderes?</b><BR />Arabella von Gelmini Kreutzhof: Der Kern meines Romans ist die Identität. Es geht um unsere Wurzeln, unsere Herkunft und um die Frage, wie sehr dieses Wissen unser Leben prägt. Die Botschaft lautet für mich: Man weiß im Leben nicht immer, wohin man geht, aber man sollte wissen dürfen, woher man kommt. Denn Herkunft ist kein Detail der Vergangenheit, sondern ein wichtiger Teil dessen, wer wir sind.<BR /><BR /><b>Gibt es einen Satz im Buch, der Ihnen besonders am Herzen liegt?</b><BR />Arabella von Gelmini Kreutzhof: Ja, dieser steht auf der Rückseite des Buches und bringt die Botschaft meines Romans auf den Punkt: „Wer offenlegt, schenkt einem Kind die Wurzeln seiner Seele. Wer schweigt, raubt ihm den Spiegel seiner Herkunft.“ Für mich steckt darin die Verantwortung jeder Generation, Wahrheit nicht aus Angst, Scham oder Selbstschutz zu verschweigen. Denn Wahrheit kann schmerzhaft sein – Schweigen hinterlässt oft tiefere Wunden.<BR /><BR /><b>Was soll jemand nach der letzten Seite Ihres Romans fühlen?</b><BR />Arabella von Gelmini Kreutzhof: Ich wünsche mir, dass die Leserinnen und Leser das Buch mit einem nachdenklichen Herzen schließen. Vielleicht auch mit einem neuen Blick auf die Bedeutung von Herkunft und Identität. Wenn das Buch dazu beiträgt, dass auch nur ein Mensch oder eine Familie den Mut findet, über ein lange gehütetes Schweigen zu sprechen, dann haben meine Zeilen ihren Sinn erfüllt. Literatur kann keine Vergangenheit ändern – aber sie kann Gespräche anstoßen und Verständnis schaffen. <BR /><BR /><BR /><b>Man kennt Sie vor allem als Kinderbuchautorin und als Autorin des „Dolomittl“ im „Dolomiten“-Magazin. Wann entstand die Idee zu diesem Roman?</b><BR />Arabella von Gelmini Kreutzhof: Die Idee entstand in dem Moment, als mir bewusst wurde, dass dieses Thema weit über ein persönliches Schicksal hinausgeht und sehr viele Menschen betrifft. Nach meinen Kinderbüchern wollte ich mich bewusst einem Stoff für Erwachsene widmen – einem Thema, das gesellschaftlich relevant ist und über das nochviel zu wenig gesprochen wird. Herkunft ist ein wesentlicher Teil unserer Identität, und dennoch bleibt sie in vielen Familien von Schweigen umgeben. Dieses Schweigen sichtbar zu machen und ihm eine Stimme zu geben, war meine Motivation, diesen Roman zu schreiben.<BR /><BR /><BR /><b>Wie viel Arabella steckt in „Die Seele geht barfuß“?</b><BR />Arabella von Gelmini Kreutzhof: In allem, was ich schreibe, steckt ein Teil von mir. Ich schreibe mit Herzblut, mit meinen Gedanken, meinen Werten und meiner Sicht auf das Leben. Das war schon so, als ich vor rund 20 Jahren begann, Geschichten für meine Kinder und meine Kinderbücher zu schreiben. Meine Überzeugungen fließen in jede Seite dieses Buches ein. Vielleicht ist genau das der Teil von Arabella, den die Leserinnen und Leser zwischen den Zeilen finden.