Bei den 2 Waalen in Schnals handelt sich um Wege, die sehr hoch gelegen sind und sehr schwierig aufzufinden sind. <BR /><b><BR /><BR />Herr Gurschler, Sie stammen aus Schnals und haben sich in Schnals auf Spurensuche nach Waalen begeben. Wie kam es dazu?</b><BR />Egon Gurschler: Tatsächlich gab es auch in Schnals einige Waale. Von meinem Vater hörte ich schon früher, dass einer sogar bis unweit unter die Texelspitze gebaut worden sein soll. Wenn man das hört, klingt es zunächst kaum vorstellbar und eher nach einer Legende. Die Idee danach zu suchen wurde konkret, nachdem wir in einem Gespräch mit einem Altbauern aus Katharinaberg zufällig darauf zu sprechen kamen und dieser uns bestätigte, dass es den Waal tatsächlich gegeben hat und dass heute noch Wierenbretter dort herumliegen würden. Irgendwann habe ich mich dann eben auf den Weg gemacht.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="658850_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Sie stellen in Ihren Ausführungen den Breiten-Spitz-Waal vor – es steht nicht viel geschrieben über den Waal, schreiben Sie in der Einleitung. Welche Quellen gibt es?</b><BR />Gurschler: Es gab immer wieder Personen, welche sich auf die Spuren von alten Waalanlagen in Südtirol, vor allem im Vinschgau, begeben haben. Daher gibt es den einen oder anderen Bericht über einzelne Waale. Manche haben es sich sogar zur Aufgabe gemacht, eine möglichst vollständige Katalogisierung zu schaffen. Es gibt daher die eine oder andere schriftliche Erwähnung auch dieses Waales. Die detaillierteste Beschreibung findet sich in einer Abhandlung von Rudolf Bauer über die Karthause Allerengelberg in Schnals von 1970. Was es bisher nicht gab, war eine genaue Beschreibung von Lage und Verlauf des Waales. Mir ging es darum, das zu ändern und diese Erkenntnisse für die Nachwelt zu erhalten.<BR /><BR /><BR /><b>Sie bezeichnen ihn als einen der höchstgelegenen Waale. Wann wurde er gebaut und wie war sein Verlauf?</b><BR />Gurschler: Ich gehe tatsächlich davon aus, dass es sich um den höchsten Waal im Land gehandelt hat. Die Fassstelle lag nämlich in einem ehemaligen Gletscherbecken südwestlich unterhalb der Texelspitze in einer Seehöhe von etwa 2.900 m. Jedenfalls ist mir außer dem Vetzaner Jochwaal, der in ähnlicher Höhe gefasst wurde, kein anderer bekannt, der eine solche Höhe erreichte. Gebaut wurde der Waal nach übereinstimmenden Berichten im Jahr 1865, was nicht zuletzt durch eine entsprechende Felsgravur an der ehemaligen „Waalerhütte“ bestätigt wird. Er diente zur Versorgung des Weithal-Hofes (mundartlich „Betoll“) über Katharinaberg im Schnalstal. Allerdings würde das Wasser seinem natürlichen Lauf folgend bei Nassereith in den Pfossentaler Bach münden. Mit der Waalanlage wurde es möglich, das Wasser über einem Bergkamm in Richtung Süden und in weiterer Folge zum Hof zu führen. Die Anlage wurde leider noch im selben Jahr durch Naturgewalt zerstört.<BR /><BR /><b>Wie haben Sie die Informationen gesammelt, die es Ihnen möglich machten, den Verlauf zu rekonstruieren?<BR /></b>Gurschler: Ich habe zunächst versucht alles an Literatur zu sichten, was hilfreich sein könnte, um den Waal überhaupt zu finden. Entscheidend waren aber auf jeden Fall die Hinweise von einheimischen Bauern und Jägern, die mich auf die richtige Spur gebracht haben.<BR /><BR /><embed id="dtext86-49677012_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Im Laufe der Erforschung sind sie auf einen zweiten Waal gestoßen, der Wasser vom Nassereither Bach nach Weithal geführt haben soll. Was hat es mit diesem Waal auf sich?</b><BR />Gurschler: An sich genau dasselbe wie mit dem Breiten-Spitz-Waal. Auch in diesem Fall sollte Wasser vom Nassereither Berg nach Weithal geführt werden. Von diesem Waal war mir zunächst gar nichts bekannt. Ich wurde erst bei meinen Nachforschungen darauf hingewiesen, dass es da eben noch einen gab. Diesen zu finden und zu rekonstruieren war dann tatsächlich noch schwieriger. Leider gibt es bisher kaum Informationen zu diesem Projekt. Ich kann daher leider nicht einmal sagen, ob er älter oder jünger als der Breiten-Spitz-Waal ist, vermute aber ersteres. Es ist aber gut möglich, dass jemand noch etwas darüber weiß oder dass irgendwo noch eine Urkunde darüber vorhanden ist. Der mündlichen Überlieferung nach soll auch dieser Waal nur sehr kurze Zeit in Betrieb gewesen sein. Das ist mehr als verständlich, schließlich war es überaus verwegen, in einem derart steilen Gelände so ein Projekt zu verwirklichen. Aber immerhin soll der Waal fertiggestellt worden sein, was schon an sich bewundernswert ist.<BR /><BR /><BR /><b>Ihr Aufsatz lebt von zahlreichen Fotos, die den Verlauf genau dokumentieren. Wie schwer war es, die entsprechenden Stellen ausfindig zu machen?</b><BR />Gurschler: Durchaus nicht einfach, und zwar im doppelten Sinn. Zum einen galt es den Verlauf über Kilometer erst mal zu finden, was insbesondere in den bewaldeten, am Boden stark bewachsenen Abschnitten schwierig war, zum anderen weil das Gelände zum Teil heikel zu begehen ist. Ich bin ein paar Mal hochgestiegen, mal mit und mal ohne Fortschritte; und Schmelchenläuse gibt's da auch <i>(lacht)</i>.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="658853_image" /></div> <BR />