Freitag, 10. April 2020

Südtiroler dichten für STOL

Vieles von dem, was wir gerne tun, ist derzeit nicht möglich. Aber es gibt kleine Dinge, über die wir uns freuen können. Die Sprachstelle im Südtiroler Kulturinstitut lädt dazu ein, diese aufzuschreiben und STOL veröffentlicht die Texte. TEIL I

Jetzt heißt es kreativ sein!
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Jetzt heißt es kreativ sein! - Foto: © shutterstock
Schicken Sie Kürzesttexte von maximal 400 Anschlägen inklusive Leerzeichen oder Kürzestgedichte (ca. 5 kurze Zeilen) per E-Mail an Sprachstelle des Südtiroler Kulturinstituts ([email protected]). Die Texte können auch nur aus einem längeren Satz bestehen.
Wichtig: Nennen Sie Ihren Vornamen, Nachnamen und Wohnort. Mitmachen können Erwachsene, Jugendliche oder auch Kinder. Kinder werden gebeten, zusätzlich zu ihrem Namen und Wohnort auch ihr Alter anzugeben. Die schönsten Beiträge erscheinen auf STOL.

Monika Obrist,
Leiterin der Sprachstelle im Südtiroler Kulturinstitut, macht als Beispiel gerne den Anfang und schreibt, worüber sie sich zu Hause in Brixen gerade freut: „Die kaum befahrene Zufahrtsstraße bei uns hinterm Haus ist derzeit mit bunten Wachskreiden bemalt: Kurvige Rennstrecken für Roller, Felder fürs Tempelhüpfen, Osterhasen und sogar ein Aquarium haben einzelne Mütter oder Väter mit ihren Kindern auf den Asphalt gemalt – stets den gebotenen Abstand zu anderen haltend. Schön, wenn die Straßen mal den Kindern, nicht den Autos gehören!“
Worüber ich mich trotzdem freue …


„Worüber ich mich trotzdem freue… das sind meine ziemlich vollen, vollgestopften, unaufgeräumten Bücherregale und die Tatsache, dass ich sie nicht, wie seit langem vorgenommen, ausgemistet habe! Jetzt sind sie für mich und meine Familie in dieser Zeit des Hausarrests ein Fundus fürs Lernen, Ablenken, Denken, ein bisschen Eskapismus und für Aha-Erlebnisse aller Art. Ausmisten werde ich also nicht so schnell!“
Eva Cescutti, Bozen


„Wenn ich im Morgengrauen meine Übungen mache und völlig verschwitzt und erledigt bin, dann hebt er an. Von den nahen Fichten höre ich es: ein hinterfotziges, dreckiges, lautes Lachen. Er kann gar nicht aufhören. Immer wieder, bis sogar ein anderer einstimmt: Er lacht und lacht... was bleibt mir übrig, als mitzulachen? Tja, was soll ich sagen... es war der Grünspecht. Der Bandit!“
Alexa Nöckler, Ahrntal


„Die Frühjahrsmüdigkeit erlaubt meinem Körper und Geist genug Ruhe und Schlaf. Währenddessen die Haare wachsen dürfen, auch die grauen, bitteschön. Dass ich in der Stadt die Vögel richtig laut höre, die Luft angenehm rein und der Himmel strahlend ist, der Lärm ähnlich einer sanften Klaviermusik weicht – darüber freu ich mich in dieser Vorosterzeit und möchte, dass das nie mehr ganz verklingt.“
Waltraud Prader, Bozen

„Hier in Schlanders den ganzen Tag über von Vogelzwitschern begleitet zu sein, ist bereits was sehr Schönes. Richtig gefreut habe ich mich neulich aber, von meiner Schwester in Paris zu hören, dass auch dort – mitten in der Großstadt! – die Vögel munter und ungestört draufloszwitschern!“
Silvia Moser, Schlanders


Die Stille,
Die Ruhe,
Die Zeit,
Die Gelassenheit,
Die Einsamkeit.
Der Frühling wie er noch nie war.
Michaela K., Riffian


Sonntag

# Ruhetag
Besinnung # in Gott
Besinnung in # sich
# ein fixer Tag für dich
fernab # vom Alltag
Nöten und Geld#
# für dich
frei # nach Gotteswunsch
dem Ruhetag #
Martin Streitberger, Bozen


hab eine gute zeit
hab keine angst
dafür vertrauen
in das was kommt

ostern kommt immer

ostern ist mehr
ostern ist alles
was uns auferstehen lässt
aus unseren gräbern…
Veronika Hofer, Kastelruth


Ein wenig in der Frühlingssonne sitzen,
meinen Vierbeiner am Bäuchlein kitzeln.
Online-Singstunde volle Kanne,
und was Gutes in der Pfanne.
Verwandte, Bekannte und Kollegen hören,
alle gottseidank wohlauf, ohne Beschwerden.
Am Abend nach dem Corona-Überdruss,
eine Schnulze im Fernseher ist fast ein Muss.
Und schon ist wieder ein Tag vorbei.
das kleine Glück ist stets dabei.
Monica Acherer, Brixen


SAATGUT

Ungekannte Stille
hält uns in der Hand.
Ein ungreifbar großer Wille
ist uns schweigend zugewandt.

Wir sind kollektiv verletzlich.
Wir sind spürbar eine Welt.
Wir beschränken uns gesetzlich,
während eine Schranke fällt.

Nie waren wir so verbunden.
Es mag schrecklich sein und dicht.
Doch ich spür in diesen Stunden,
wie die Samenschale bricht.
Judith Hafner, Jenesien


Horch - hörst du das?
Ich höre nichts
Nichts?
Nein, ich höre nichts
Was für eine Ruhe!

Was essen wir heute?
Kochen wir was gemeinsam?
Essen wir auch gemeinsam?
In Ruhe?
Was für ein Luxus!

Und die Kinder spielen Spiele, welche sie sich aus lauter Langweile selbst ausgedacht haben und sind fröhlich - was für ein Glück!
Renate Höllmüller, Schabs





eva