Das Dorf hat den zweitgrößten Ausländeranteil unter den 116 Gemeinden Südtirols und rückt somit in den Mittelpunkt, wenn es um die Themen Integration und kulturelle Vielfalt geht. „Das Buch ist ein Versuch, wissenschaftliche Theorien zum Thema Integration auf ihre Alltagstauglichkeit hin zu überprüfen“, erklären die Autorinnen. In Franzensfeste lebten Menschen unterschiedlicher Kulturen räumlich zwar eng nebeneinander, hätten aber keinen größeren Kontakt zueinander. Im Buch wird anhand konkreter Initiativen in Franzensfeste erklärt, wie Integration unter Beteiligung der Bewohner aktiv gestaltet werden kann. Darüber hinaus werden im Buch Kriterien präsentiert, anhand derer interkulturelle Integrationsarbeit auf lokaler Ebene verbessert werden kann. „Im Bewusstsein, dass interkulturelle Begegnung nicht unbedingt fehlerfrei funktionieren muss, will dieses Buch kein magischer Zauberstab sein. Es soll zum Handeln und zur Reflektion anregen“, sagte Annemarie Profanter bei der Präsentation. „Integration ist kein Zustand, sondern ein langer, komplexer Prozess“, betonte Claudia Lintner. Projekte im interkulturellen Bereich müssten langfristig angelegt sein, um nachhaltig wirken zu können. „Ziel dieses Buches ist es, anderen Gemeinden, Organisationen und Vereinen und jedem Einzelnen das gesammelte Wissen weiterzugeben, um es in Folgeprojekten weiterzuentwickeln“, erklärte Profanter. "Integration kann nicht von oben verordnet werden"Bei der Buchvorstellung an der Fakultät für Bildungswissenschaften in Brixen nahmen Persönlichkeiten aus Politik und Bildung an einer Podiumsdiskussion teil.Arno Kompatscher, Präsident des Südtiroler Gemeindenverbandes, unterstrich, dass es wichtig sei, die Gemeinden für dieses Thema zu sensibilisieren. Integration könne nicht von oben, sprich der Politik, verordnet werden. Er betonte – im Hinblick auf das zu verabschiedende Integrationskonzept des Landes Südtirol – die Verantwortung der Politik, Rahmenbedingungen zu schaffen. Der Präsident der Uni Bozen, Prof. Konrad Bergmeister, hob hervor, dass die Festung in Franzensfeste, gebaut zwischen 1833 und 1838 zum Schutz vor Eindringlingen und Fremden, nie gebraucht worden sei und deshalb ein Sinnbild sein könne für irrationale Ängste. Die wissenschaftliche Begleitung von interkulturellen Projekten sei wichtig, so Bergmeister, der die Zusammenarbeit zwischen der Fakultät für Bildungswissenschaften und dem Südtiroler Gemeindenverband in dieser Frage begrüßte. Das Buch „Zusammen und weniger getrennt“ basiert auf dem Projekt „Interkulturelle Begegnung auf kommunaler Ebene“ und wurde mit Unterstützung der Brixner "Organisation für eine Solidarische Welt" und dem ESF realisiert.