STOL: Herr Rosendorfer, sind Sie mächtig stolz auf Ihre Schwester?Herbert Rosendorfer: Ja, ich war sehr glücklich, als ich das Buch in die Hand bekommen habe. STOL: Frau Schwarz, hatten Sie nie Angst vor dem Vergleich mit Ihrem Bruder?Marlene Schwarz: Nein, wahrscheinlich hat mich das übermäßige Rosendorf’sche Selbstvertrauen davor geschützt (lacht). STOL: Könnte man sagen, dass Sie nun aus dem Schatten des großen Bruders gesprungen sind?Schwarz: Ich glaube nicht. Der Schatten ist doch sehr übermächtig. STOL: Dann ist auch nicht die Katastrophe eingetroffen, von der Sie, Herr Rosendorfer, im Vorwort von „Catania“ schreiben. Sie erklären da, es wäre für Sie und Ihren Bruder eine Katastrophe gewesen, wäre Ihre Schwester die Älteste, denn sie ist die Begabteste und somit wären sie beide immer mit ihr verglichen worden.Herbert Rosendorfer: (Lächelt) Die Katastrophe ist nicht eingetroffen. Marlene ist die Bessere von uns dreien, das war schon in der Schule so. STOL: Frau Schwarz, war es für Sie immer schon klar, dass Sie eines Tages auch einen Roman schreiben würden?Schwarz: Ich schreibe seit Jahren für Fachzeitschriften und habe eine Glossensammlung herausgegeben. In den 90er Jahren habe ich meinen Mann auf einen Kongress nach Catania begleitet. Da sind allerlei chaotische Dinge passiert, und die Leute, die dabei waren, waren teilweise sehr eigenartig. Damals habe ich mir Notizen gemacht, die ich nun im Roman verarbeitet habe. STOL: „Catania“ enthält also viel Autobiografisches?Schwarz: Was im Buch vorkommt, habe ich fast alles erlebt, nur habe ich es ausgeschmückt, eine Rahmengeschichte drüber gestülpt und dem Ganzen einen Krimicharakter gegeben. Ein Heimatkrimi – ohne Tote und ohne Katastrophen. STOL: Herr Rosendorfer, von der Großstadt nun in die Provinz: Ihr neuer Roman „Huturm“ spielt wie im Untertitel vermerkt „in der Tiefe der Provinz“. Exaktes Beschreiben sind kennzeichnend für Ihr Werk. Nachrichten aus der tiefsten Provinz nun da Sie lange genug (seit 1997) in der Provinz leben und diese gut kennengelernt haben?Herbert Rosendorfer: Provinz ist nicht mehr gleich Provinz. Sie ist früher dadurch zu charakterisieren gewesen, dass ein Info-Defizit bestand. Nachrichten, Moden usw. kamen später in die Provinz. Das gibt es heute nicht mehr. Heute definiert sie sich anders. Es ist ein Lebensgefühl. Viele Leute ziehen sich dorthin zurück. Es ist eine Art Schutzraum vor den Gefährdungen der Globalisierung und der entsprechenden politischen und wirtschaftlichen Entwicklung. Was ich in meinem Buch beschreibe, ist aber die Provinz im alten Sinn. STOL: Gerne zeichnen Sie skurrile Charaktere, auch in diesem Roman. Orientieren Sie sich da an Menschen, die Sie kennen?Herbert Rosendorfer: Ja, meistens. Oder es sind Menschen, von denen ich erzählt bekommen habe. Ein Beispiel dafür ist Friedrich Guggemot. In dieser Figur habe ich mehrere mir bekannte Personen zusammengefasst – nicht zuletzt einen in Südtirol tätigen Richter. STOL: Huturm am See , das sich irgendwo in der österreichischen Provinz befindet, steht für einen reellen Ort?Herbert Rosendorfer: Es gibt einen Ort, der schreibt sich Huthurm. Er liegt bei Passau und hat mit dem Ort im Roman nichts zu tun.