Im Gespräch gibt die Lyrikerin Hinweise auf ihre Arbeitsweise, ihr Buch und dessen Entstehung. <b>Von Ferruccio Delle Cave</b><BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1105539_image" /></div> <BR /><BR />Gleich zu Beginn ihres Buches hat Greta Maria Pichler folgenden Text platziert: <BR /><BR /><i>begegnungen<BR />kopfsprung: ein spalt geht auf. immer wieder<BR />vorwarnen, nachhaken. voreilig, der nachtrag, das<BR />ausstellen einer dauererlaubnis, eine bescheinigung<BR />der bewilligung. weder täglich noch einmalig. darf ich<BR />hinein? von nun an immer. funktionsbeschreibung und<BR />begegnungen. es werden türen eingetreten, aufgestoßen,<BR />eingerannt. durch fenster geklettert, von bäumen auf<BR />simse, ohne wort und fragende augen.</i><BR /><BR />Es sind im hohen Maß künstlerisch und sprachlich ausgefeilte Texte, die uns Greta Maria Pichler hier präsentiert. Dazu aber auch ein gerütteltes Maß an Bildhaftem, das sich Überlappen der Metaphern und bildhaften Wortkonstellationen. Man kann die einzelnen Texte für sich herausfiltern und lesen, aber man kann das Ganze auch als ein Langgedicht auf sich wirken lassen. <BR /><BR /><BR /><b>Es sind Prosagedichte in 3 Teilen, die Sie unter dem Titel „Salzwasser“ gerade herausgebracht haben. Eigentlich strahlt ja das Meer Ruhe aus; man kann sich dabei einlassen in das ewige Rauschen der Wellen und den mehr oder weniger starken Wind. Wie war es bei Ihnen beim Schreiben Ihrer Gedichte?</b><BR />Greta Maria Pichler: Das Arbeiten an Salzwasser verlief in verschiedenen Etappen: eine Abwechslung aus Recherche, dem Sammeln und Sichten von Material, dem Schreiben und anschließenden Überarbeiten. Jede Phase brachte neue Herausforderungen und Fragen mit sich, was sowohl anspruchsvoll als auch spannend war. Ich bin sehr froh, dass ich in dem Arbeitsprozess immer wieder Kontakt hatte zu anderen Schreibenden, mit denen ich mich über den Text austauschen konnte. <BR /><BR /><BR /><b>Unter der glatten Wasseroberfläche können sich aber auch geheimnisvolle Kräfte verbergen, so auch in Ihren poetisch genau komponierten Texten, die sich sprachlich in ständiger Bewegung nicht zuletzt auch als überraschende Wortkonstruktionen entfalten. Sind Ihnen diese Wortbildungen leicht von der Hand gegangen oder ist intensive Arbeit dafür eine Voraussetzung?</b><BR />Pichler: Die Texte, Sprache und Form ergeben sich aus einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit dem Material, aus dem Einlassen auf das, was da ist, sich angesammelt und abgesetzt hat. Dieser Prozess ist oft unvorhersehbar und erfordert immer wieder Anpassungen, um die verschiedenen Elemente zusammenzuführen. Ich arbeite so lange an den Texten, bis ich einen Abschluss finde. Wie lange das dauert oder wie intensiv diese Arbeit ist, variiert.<BR /><BR /><BR /><b>Die stets von einer starken, steifen oder schwachen Brise begleitete poetische Wanderung durch das Innenleben des lyrischen Ich, das ganz selten als solches erkennbar ist, gibt auch Rätsel auf. War das bewusst so?</b><BR />Pichler: „Salzwasser“ birgt verschiedene Perspektiven, das lyrische Ich, das Du und das Wir sind fluide, wechseln Positionen, Eigenschaften und Dynamiken. Die verschwimmenden Grenzen schaffen Raum für die vielleicht unbestimmten, offenen Momente, die Platz für das Ungeklärte, das Nicht-Feste lassen. Zwischen den wechselnden und sich wandelnden Perspektiven kommen diese Vielleicht zu Wort.<BR /><BR /><BR /><b>Der Titel „Salzwasser“ verrät ja, zumindest äußerlich, vieles von der Motivik Ihres Buches. Was ist nun mit den Themen, die ganz unscheinbar oft wellenförmig wie auch spielerisch daherkommen?</b><BR />Pichler: Zwischen Ebbe und Flut, Flaute und Orkan, zwischen Fachsprache und dem, was wie Strandgut angespült wird, beginnt ein Ringen mit und auf dem Wasser um Orientierung. Dabei tauchen Fragen auf, nach dem Klima und seinen Auswirkungen, nach Grenzen und Beständigkeit, nach Austausch und Veränderung, die gleich Salz und Wasser kaum voneinander zu trennen sind.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1105542_image" /></div> <BR /><BR /><b>Buchtipp:</b><BR /> „Salzwasser“ von Greta Maria Pichler, Matthes & Seitz, Rohstoffe, 2024, 84 Seiten