Mittwoch, 11. September 2019

Mammut-Bauprojekt: Madrids „neuer Norden“

4 ultramoderne Wolkenkratzer glänzen im Sonnenlicht und recken sich fast 250 Meter hoch in den blauen Himmel über Madrid. Mit dem Geschäftsviertel rund um die 2008 fertiggestellten „Cuatro Torres“ hört die städtebauliche Ästhetik im äußersten Norden der spanischen Hauptstadt aber auch schon auf. Das aber soll sich bald ändern, denn in dem Gebiet ist eines der größten Bauprojekte Europas in Planung.

Der Bau eines völlig neuen Stadtteils im Norden Madrids soll 2020 schon beginnen.
Der Bau eines völlig neuen Stadtteils im Norden Madrids soll 2020 schon beginnen. - Foto: © shutterstock

Der Name ist Programm: „Madrid Nuevo Norte“. Die Metropole expandiert und bekommt einen völlig „neuen Norden“ verpasst. Mehr als ein Vierteljahrhundert wurde debattiert und gestritten, aber in diesem Sommer stimmten schließlich alle Parteien im Stadtrat unisono für das gigantische Vorhaben. „26 Jahre, 6 Bürgermeister und 7,3 Milliarden Euro“, umriss der Radiosender „COPE“ das Ringen um das Megaprojekt und seine gigantischen Kosten.

Einen interaktiven Ausstellungsraum, in dem sich Bürger über das Vorhaben informieren können, und eine Webseite mit dem gesamten Konzept gibt es auch schon. Das Areal erstrecke sich über 5,6 Kilometer Länge und einen Kilometer Breite, ist da zu lesen, „von der Calle Mateo Inurria nahe Plaza de Castilla bis hin zur M-40“, der Madrider Ringautobahn.

Zum besseren Verständnis: Vom Zentrum Madrids samt Museumsmeile und Königspalast bis zur etwa 6 Kilometer nördlich liegenden Plaza Castilla pulsiert die 3-Millionen-Metropole, ist gespickt mit Wohn- und Bürogebäuden, Cafés und Einkaufszentren. An dem Platz mit seiner „Puerta de Europa“ (Tor Europas) – 2 auffälligen und schräg aufeinander zulaufenden Hochhäusern – enden die wichtigsten Buslinien der Süd-Nord-Achse. Danach wird es fast abstoßend, „ein schwarzes Loch“, wie es das zuständige Architekturbüro Rogers Stirk Harbour + Partners formuliert.

3 neue Wolkenkratzer geplant

Dort sollen nun 2,4 Millionen Quadratmeter neu bebaut werden. 10.500 Wohnungen und Hunderte Bürokomplexe und 400.000 Quadratmeter Grünflächen sowie 3 neue Wolkenkratzer in der Nähe der „Cuatro Torres“ sind geplant. Einer soll 300 Meter in den Himmel ragen und wäre damit das höchste Gebäude Spaniens. „Die Hauptstadt bekommt eine ganz neue Skyline“, schwärmte die Zeitung „El Pais“ zuletzt.

Bisher sind verschiedene nördliche Stadtteile durch die Schienen, die zum Chamartin-Bahnhof führen, voneinander abgeschnitten. Ungenutzte Felder und brachliegende Industriegebiete runden das triste Bild ab. Die Stadt spricht von einer „klaffenden Wunde“, die es zu heilen gelte. Denn nicht überall in Madrid locken gemütliche Tapas-Lokale und pittoreske Bodegas – in die reizlosen nördlichen Bezirke verirren sich selbst Madrilenen nur selten.

Modernes Bahnhofareal

Herzstück des Vorhabens ist die Estacion de Chamartin. Der schale, mit rostroten Ziegeln verkleidete 1970er-Jahre-Bau ist mit der Zeit zu relativer Bedeutungslosigkeit verkommen, vor allem verglichen mit dem Hauptbahnhof Atocha nahe dem Prado-Museum. Nun soll er völlig neu gestaltet werden, zu einem der modernsten Bahnhöfe des Landes avancieren und – mit teilweise unter die Erde verlegten Gleisanlagen – zahlreiche AVE-Hochgeschwindigkeitsverbindungen nach Norden bedienen.

Baustart: 2020

Ende 2020 sollen die Arbeiten starten. Das schafft auch viele Jobs: 240.000 insgesamt werden es Schätzungen zufolge sein, teilweise für den Bau, aber auch später im neuen Business-Distrikt. Das Projekt wird in verschiedenen Phasen verwirklicht und soll – so wünschen es sich die Verantwortlichen – 25 Jahre später vollendet sein. Es handle sich um „das größte Stadterneuerungsprojekt in ganz Europa“, heißt es auf der Projekt-Homepage.

apa/dpa

stol