Freitag, 22. November 2019

Max Raabe und die Eleganz im Humor

Am 26. November spielen Max Raabe & Palast Orchester im Meraner Kursaal auf. Mit seinem unvergleichlichen Schmäh und dem Charme der 20er Jahre führt Raabe durch einen Abend voller altbekannter Melodien und Humor. STOL durfte im Vorfeld mit dem charmanten Sänger telefonieren.

Max Raabe und Raabe.
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Max Raabe und Raabe. - Foto: © Gregor Hohenberg

Interview: Hanna Widmann

Südtirol Online (STOL): Wie kommt man, als junger Mensch aus einem ländlichen Gebiet wie Nordrhein-Westfalen, auf die Idee Opernsänger zu werden?

Max Raabe: Ich wollte eigentlich nie Opernsänger werden, aber ich war ein großer Fan von Schuhmann- und Schubert-Liedern. Die fand ich sehr ergreifend und habe sie viel gehört. Doch Liedsänger gibt es nicht als Beruf und meine Professoren haben mir dann geraten Opernsänger zu werden. Denn Opern finde ich auch toll und ich dachte mir: Wenn man der beste Freund des Königs ist, mit dem Schwert über die Bühne rennt und alle anbrüllt, das ist auch etwas, das mir Freude machen könnte. Doch dann ist während des Studiums alles anders gekommen.


STOL: Sie sind in den 80er Jahren nach Berlin gezogen und haben dort die Hochschule der Künste besucht. Schon zu Studienzeiten haben sie das Palast Orchester gegründet…


Raabe: Wir haben mit einigen Kommilitonen in einem kleinen Ensemble Jazz gespielt. Die Kollegen haben immer ihre modernen, jazzigen Phrasen gespielt und, wenn ich dran war, hab ich schon immer in meinem Stil gesungen - das war ein schöner Kontrast. Es gab damals wie heute Orchestermaterial, das in den 20er Jahren entstanden ist und in größerer Besetzung gespielt werden muss. Da haben wir uns dann gedacht: Lass uns quasi ein Orchester in Big-Band-Stärke gründen. Es sollte wie ein Tanzorchester der 20er Jahre klingen. Damit waren wir von Anfang an recht erfolgreich, beziehungsweise haben wir zuvor erst ein Jahr lang nur geprobt und keine Engagements bekommen, dann kurz bevor wir die Nerven verloren haben und uns fast aufgelöst haben, durften wir beim Berliner Theaterball im Foyer spielen. Und die Leute standen im Foyer und haben immer wieder verlangt, dass wir unser Programm wiederholen. Das war der Beginn.




STOL: Besonders ihre ersten Alben erinnern an die Musik der Comedian Harmonists. Was macht die Musik der 20er und 30er Jahre so besonders?

Raabe: Es sind die eleganten Kompositionen und die klugen Texte – natürlich hat es damals auch schlechte Musik gegeben, aber auch wahnsinnig viele kluge, ironische, schöne Formulierungen in den Texten. Die Comedian Harmonists haben gesungen, was damals alle Sänger und Orchester spielten. Es war nicht wie heute, wo beispielsweise Lady Gaga ihre eigenen Stücke schreibt und dann singt. Die Comedian Harmonists haben gespielt, was damals im Radio rauf und runter gespielt wurde, was in Filmen und Revuen gespielt wurde. Dieses Repertoire hat mich von Anfang an fasziniert. Es war meine große Chance so ein Orchester mit den Kommilitonen zu gründen. Es konnte keiner ahnen, dass wir so erfolgreich würden.


STOL: Sie haben auch schon moderne Künstler gecovert. Wie kam es dazu?


Raabe: Das war ein Gag. Wir wollten, was in den Top10 gespielt wird – von „Oops…I did it again“ bis Sexbomb, auf unsere Weise auf die Schippe nehmen. Das war ein Spaß, den wir uns gegönnt haben, aber ein einmaliger Spaß, denn man kann einen Witz nicht 2 Mal erzählen.


STOL: Was fasziniert ein modernes Publikum an eurer Musik?


Raabe: Ich sehe da eine gewisse Zeitlosigkeit in dem Humor. Wenn gereimt wird: „Weißt du, was du kannst? Mich am Nachmittag besuchen. Weißt du auch wozu? Zu „ner Tasse Tee mit Kuchen.“ Die Leute lachen und man sieht, dass da eine Eleganz im Humor ist, die nach wie vor funktioniert. Man muss ihn nicht erklären wie ein Witz aus dem Mittelalter, er zündet im Moment.


STOL: Sie haben eine besondere Aussprache, die sie einzigartig macht. Ist das gespielt oder singen Sie wirklich so?


Raabe: Auf den frühen Platten, muss ich gestehen, hab ich es noch ein bisschen übertrieben, aber auf der Bühne passt das auch. Aber ich bin da etwas zurückhaltender und geschmeidiger geworden. Damals war ich überzeugt davon, so zu singen als käme es aus dem Grammophon. Heute übertreibe ich nicht mehr ganz so.


STOL: Sie füllen Konzertsäle von den USA bis Israel – und bringen damit deutsche Musik in die ganze Welt. Reagiert das Publikum dort anders?


Raabe: Komischerweise nicht, natürlich können die Menschen dort nicht die einzelnen Formulierungen nachvollziehen. Ich kündige den Titel auf Englisch an, jeder ist dann aber von der Atmosphäre und der Wirkung des Stückes eingefangen. Wir spielen, wie kaum mehr gespielt wird: sehr gerade und wie die Lieder 1929 zum ersten Mal geklungen haben, nicht wie eine moderne Big Band, das ist für die Amerikaner dann auch spannend. Dann sehen sie auf der Bühne einen Deutschen, der Humor hat, und das ist noch verblüffender.


STOL: Sie waren schon mehrmals in Südtirol. Hatten Sie Zeit, die Gegend kennenzulernen? Was schätzen sie an Südtirol?


Raabe: Der gute Käse und das gute Essen sind jedes Mal eine Freude. Einige Male waren wir auch Skifahren, das kommt auf die Saison an. Es ist jedes Mal ein Geschenk, dass man als Künstler so viele schöne Orte besuchen kann.

Hier ein kleiner Vorgeschmack.




Konzert in Meran
Max Raabe & Palast Orchester treten am 26. November im Kursaal von Meran mit Beginn um 20.30 Uhr auf. Das Konzertprogramm besteht aus einer Mischung von ausgewählten Titeln der CD mit Original-Arrangements aus den 20er / 30ern.

Kartenvorve rkauf und Infos

In allen Athesia Buchhandlungen, Meran: Non Stop Music, Bozen: Bazar | Online: www.ticketone.it
Infos unter der Nummer 0473 270256 oder [email protected]


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